Neue Runde im Krieg der Worte zwischen Edward Snowden und der amerikanischen Regierung: Der Geheimdienstkoordinator James Clapper veröffentlichte einen elektronischen Meinungsaustausch, der beweisen soll, dass sich Snowden vor seiner spektakulären Flucht aus den USA nie intern über angebliche Verfehlungen des militärischen Geheimdienstes NSA beschwert hatte.

Snowden reagierte umgehend auf diese Veröffentlichung und bezeichnete sie in der «Washington Post» als «unvollständig». Er habe seine Bedenken wiederholte Male, gegenüber Vorgesetzten und Arbeitskollegen, angebracht, sagte Snowden aus seinem russischen Exil. Dies sei dokumentiert.

Hat Snowden etwas in der Hand?

Auslöser dieses Wortwechsels waren Aussagen von Snowden in einem Gespräch mit dem Fernsehsender NBC, das am Mittwoch ausgestrahlt und von rund 6 Millionen Menschen mitverfolgt worden war. Snowden hatte im Interview ein E-Mail erwähnt, das er an die Rechtsabteilung des Geheimdienstes gesendet hatte - als Beweis dafür, dass seine Bedenken an der Rechtsmässigkeit der geheimdienstlichen Überwachungstätigkeit auf taube Ohren gestossen seien. Deshalb habe er sich im vorigen Jahr entschieden, die umfangreichen Überwachungsprogramme der NSA publik zu machen.

Der von Snowden erwähnte elektronische Meinungsaustausch liest sich aber weniger als ein Protest gegen Verfehlungen, als eine Nachhilfestunde in Staatskunde. Snowden fragte bei den Experten bloss nach, ob es tatsächlich stimme, dass parlamentarisch verabschiedete Gesetze und Verfügungen des US-Präsidenten den gleichen rechtlichen Stellenwert hätten. Die Frage war nach einer internen Schulung aufgetaucht. Ein Vertreter der Rechtsabteilung antwortete «Ed», dass dies stimme. Der Präsident könne mit seinen Verfügungen jedoch nie ein Gesetz ausser Kraft setzen.

Offen bleibt, warum sich Edward Snowden auf diesen Wortwechsel - letztlich weckt er Zweifel an seinem selbst erklärten Status als «Whistleblower» - überhaupt einlässt. Der Eindruck entsteht, dass ihm schriftliche Belege fehlen, mit denen er seine internen Vorbehalte beweisen kann.

Hier finden Sie das Dokument der NSA.