USA

Moderatorin verklagt Amerikas mächtigsten Fernsehchef wegen sexueller Belästigung

«Hosen waren verboten»: Die entlassene «Fox News»-Moderatorin Gretchen Carlson.

«Hosen waren verboten»: Die entlassene «Fox News»-Moderatorin Gretchen Carlson.

Roger Ailes, der Chef von «Fox News», soll die Ex-Schönheitskönigin Gretchen Carlson gefeuert haben, weil sie seine Avancen zurückwies.

Sein Einfluss ist legendär. Roger Ailes, 76 Jahre alt, gilt als mächtigster Fernsehchef der USA, weil er aus dem 1996 gegründeten Nachrichtensender «Fox News Channel» die Speerspitze des konservativen Amerikas geformt hat. Da er zudem für seinen Vorgesetzten Rupert Murdoch viel Geld verdient, hat Ailes weitgehend freie Hand bei der Gestaltung des Programms. Diesen Spielraum nutzt der bombastische Fernsehmann weidlich, um Einfluss auf die nationale Politik im Allgemeinen und die Republikanische Partei im Speziellen zu nehmen. «Ich will den nächsten Präsidenten wählen», soll er einst gesagt haben.

Doch nun droht Ailes just im Wahljahr 2016, das seinem Sender bisher rekordverdächtige Einschaltquoten bescherte, Ungemach. Verantwortlich dafür ist Gretchen Carlson, eine ehemalige Schönheitskönigin, die elf Jahre lang für «Fox News» arbeitete. In einer Zivilklage beschuldigt die 50-Jährige ihren ehemaligen Chef, sie jahrelang sexuell belästigt zu haben. So sagte er angeblich im September 2015: «Ich glaube, wir hätten schon lange eine sexuelle Beziehung eingehen sollen; dann wärst du zufrieden und besser und ich wäre zufrieden und besser.» Weil Carlson auf die Avancen des verheirateten Ailes nicht einging, habe er sie entlassen, sagt die verheiratete Mutter.

Es ging angeblich um die Quote

Ailes bestritt die Vorwürfe in einer Stellungnahme kategorisch. Der Vertrag mit Carlson sei nicht verlängert worden, weil ihre aktuelle Sendung, die am frühen Nachmittag ausgestrahlt wird, enttäuschende Einschaltquoten aufweise, sagte er. Er werde sich deshalb mit allen Mitteln gegen die «rufschädigende» Klage wehren. Ailes’ Arbeitgeber, die Firma 21st Century Fox, die von Murdoch kontrolliert wird, sagte in einer separaten Stellungnahme allerdings, dass sie den Vorwürfen der ehemaligen Angestellten nachgehen werde.

Diese Nachprüfung wird den Verantwortlichen nicht allzu schwerfallen: Viele der Vorfälle ereigneten sich vor laufenden Kameras. So war Carlson, als sie von 2006 bis 2013 im «Fox News»-Frühstücksfernsehen auftrat, immer wieder Ziel sexistischer Sprüche der Co-Moderatoren Steve Doocy (59) und Brian Kilmeade (52). Bereits im Jahr 2009 habe sie sich darüber bei Ailes beklagt, heisst es in Carlsons Klage. Dieser sei aber nicht eingeschritten, und habe sie stattdessen eine «Männer-Hasserin» genannt.

In der Branche ist es ein offenes Geheimnis, dass Ailes bevorzugt junge Moderatorinnen anstellt, die in kurzen Röcken eine gute Figur machen. Carlson sagte 2013, sie habe an der Arbeit immer einen Rock tragen müssen. «Hosen waren verboten.» Angeblich folgt Ailes bei der Anstellung seines Personals folgender Vorgabe: Eine Frau müsse auf ihn sexuell anziehend wirken, ein Mann müsse ein interessanter Gesprächspartner während eines langen Baseball-Spiels sein. Das behauptete gestern jedenfalls eine ehemalige Angestellte von «Fox News».

Nancy Erika Smith, die Anwältin von Gretchen Carlson, sagte, dass ihre Klientin schon lange den Gedanken gehegt habe, eine Klage gegen Ailes einzureichen. Sie wolle ein Zeichen setzen, dass man mit Frauen so nicht umspringen könne. Angeblich ist die Kanzlei von Nancy Erika Smith bereits von zehn weiteren Fox-Angestellten kontaktiert worden sein. Gespannt warten Branchenbeobachter nun darauf, ob Carlson schriftliche oder audiovisuelle Beweise für ihre Vorwürfe vorlegen kann.

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