Sie sind praktisch, werden aber für die Umwelt immer mehr zum Problem: Die Einweg-Plastiktüten aus dem Supermarkt. Was National- und Ständerat bereits im letzten Dezember beschlossen haben, soll daher nun auch in der EU Realität werden: Ein Verbot der leichten Wegwerf-Plastiktüten. Heute will EU-Umwelt-Kommissar Janez Potocnik ein entsprechendes Anti-Plastiktüten-Paket vorstellen.

«Kunststofftragetaschen sind exemplarisch für die moderne Konsumgesellschaft - leicht, praktisch, wertlos und oft nach einer einzigen Benutzung weggeworfen», hiess es in dem Papier, das Potocnik bereits im März präsentiert hatte. Demnach wurden auf EU-Gebiet im Jahr 2010 95,5 Milliarden Plastiktüten benutzt, wovon 92 Prozent nach einmaligem Gebrauch im Müll landeten - oder eben im Fluss, auf der Wiese oder am Strassenrand.

Papiersäcke sind nicht unbedingt besser für die Umwelt als Plastiksäcke

Papiersäcke sind nicht unbedingt besser für die Umwelt als Plastiksäcke

«EU-weites Verbot»

Jeder EU-Bürger verwendet pro Jahr durchschnittlich 500 Einweg-Tüten. Zu viel, wie Potocnik meint. Allein im Mittelmeer trieben heute rund 250 Milliarden Kunststoffteilchen. Zusammen kämen diese auf ein Gewicht von 500 Tonnen. Über die Nahrungskette bedroht die Plastik-Flut in den Meeren auch die Gesundheit der Menschen. Nicht zuletzt deshalb prüften die EU-Umweltpolitiker alle Optionen, «auch ein EU-weites Verbot», so der Umweltkommissar.

Ob die EU-Umweltkommission mit ihren Vorschlägen aber erfolgreich sein wird, ist fraglich. Ein Verbot müsste von sämtlichen EU-Mitgliedsstaaten gestützt werden. Während die Schweiz oder Frankreich sich bereits für ein Verbot entschieden haben, sehe man laut dem Spiegel online in Deutschland keinen Handlungsbedarf. Hierzulande wird das Plastik-Verbot übrigens am 1.1. 2015 umgesetzt.

Irland als Vorbild

Anstelle eines generellen Verbotes wäre auch eine Besteuerung der raschelnden Polyethylenbeutel denkbar. Irland kennt diese Praxis und hat damit gute Erfahrungen gemacht. Laut dem irischen Umweltministerium sei der jährliche Gebrauch nach Einführung einer Steuer von 328 auf 21 Tüten pro Jahr zurückgegangen. 22 Cents beträgt der Preis für eine Tüte auf der grünen Insel.

Einen möglichen Ersatz für die umweltschädigenden Tüten nennt Potocnik gleich selber: Die Rückkehr zum guten alten Einkaufskorb. (aru)