Islamischer Staat

Nach neuem IS-Anschlag in Syrien: Auch in Europa steigt die Terrorgefahr wieder

Der Anschlag traf eine Gas-Pipeline bei Damaskus.

Der Anschlag traf eine Gas-Pipeline bei Damaskus.

Ausgerechnet der Kampf gegen den gewaltsamen Rechtsextremismus könnte den islamistischen Terror in Europa begünstigen.

Eine gewaltige Feuersäule schoss in die Höhe und erhellte den Nachthimmel im Nordosten von Damaskus: Die Explosion einer Gas-Pipeline in der Nähe der syrischen Hauptstadt legte in der Nacht zum Montag die Stromversorgung in ganz Syrien vorübergehend lahm. Terroristen hätten die Pipeline bei einem Anschlag zerstört, sagte der syrische Ölminister Ali Ghanem. Und der US-Syrienbeauftragte James Jeffrey betonte, alles spreche für einen Anschlag der Terrormiliz IS.

Der Anschlag führte der Regierung von Baschar al-Assad vor Augen, dass sie von einer Stabilisierung des Landes weit entfernt ist, auch wenn sie die Opposition militärisch in die Enge getrieben hat. Und sie führt der Welt vor Augen, dass der IS nach kurzer Abwesenheit wieder erstarkt aufs politische Parkett im Nahen Osten tritt.

Gestern gab die UNO bekannt, dass man von mehr als 10000 IS-Kämpfern in Syrien und im Irak ausgehe. Die Anzahl der Anschläge sei in der Region gegenüber dem Vorjahr deutlich angestiegen. Wladimir Woronkow, höchster Terror-Bekämpfer der UNO, erklärte, der IS nutze die Wirren während der Coronaepidemie, um zu alter Stärke zurückzufinden. «Die globale Bedrohung durch den IS wird zunehmen, wenn die internationale Gemeinschaft diese Herausforderung nicht bewältigt», sagte Woronkow. Eines der Hauptprobleme sieht er darin, dass die europäischen Geheimdienste wegen der Zunahme des gewaltsamen Rechtsextremismus weniger Ressourcen zur Bekämpfung islamistischer Strömungen einsetzten.

Auch die EU geht in ihrer jüngsten Erhebung zum Terrorismus in Europa von einer anhaltenden Gefahr durch islamistische Terroristen aus. «Der IS bleibt eine Gefahr – trotz des Todes seines Anführers Abu Bakr al-Baghdadi im Oktober 2019», heisst es in dem Papier.

Frankreich weiterhin zuoberst auf Terrorliste

Die Anzahl Verdächtiger, die in der EU im Zusammenhang mit islamistisch motivierten Terroraktivitäten festgenommen worden sind, sank allerdings von 511 im Jahr 2018 auf 436 im Jahr 2019. Mit Abstand am meisten Terrorverdächtige (202) gingen der Justiz in Frankreich ins Netzt, gefolgt von Spanien (56), Österreich (43) und Deutschland (32). Von 21 geplanten islamistischen Terrorattacken konnten 18 vereitelt werden. Bei den drei durchgeführten Anschlägen kamen zehn Menschen in Utrecht, Paris und London ums Leben.

In ihrer Heimat Syrien haben sich die Kämpfer des IS laut dem US-Syrienbeauftragten in der Wüstenregion Badia von den Rückschlägen in den vergangenen Jahren erholt. Tausende Kämpfer sollen sich nach der Eroberung des letzten IS-Rückzugsgebietes durch die internationale Anti-IS-Koalition im März vergangenen Jahres dorthin zurückgezogen haben.

Der Rückzug von US-Bodentruppen aus der Region und die politischen Unruhen im Irak hätten dem IS jüngst wieder mehr Bewegungsspielraum verschafft. Seit der Vertreibung des IS aus seinem letzten Stützpunkt vor 17 Monaten haben die Dschihadisten laut einer Zählung der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mehr als 500 syrische Regierungssoldaten, 140 iranische Kämpfer und zwei russische Soldaten getötet. Im selben Zeitraum habe der IS mehr als 270 Kämpfer verloren.

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