Verteidigung

Nato sendet Signal der Gesprächsbereitschaft an Putin

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg zeigt sich bereit, die Wogen mit Russland zu glätten. Er bringt ein Treffen mit Kreml-Chef Wladimir Putin ins Spiel. (Archivbild)

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg zeigt sich bereit, die Wogen mit Russland zu glätten. Er bringt ein Treffen mit Kreml-Chef Wladimir Putin ins Spiel. (Archivbild)

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg ist zu einem persönlichen Gespräch mit Russlands Präsidenten Wladimir Putin bereit. «Wenn der Rahmen stimmt, würde ich mich mit Präsident Putin treffen», sagte Stoltenberg in einem Interview der Nachrichtenagentur DPA.

Gerade in Zeiten, in denen es Schwierigkeiten gebe, sei es wichtig, sich gemeinsam an einen Tisch zu setzen.

Stoltenbergs Äusserungen gelten als relevant, weil die Fronten zwischen der Nato und Moskau seit 2014 völlig verhärtet sind und es auf Spitzenebene bereits seit Jahren keine Treffen mehr gibt. Russland wird vorgeworfen, die ukrainische Schwarzmeerhalbinsel Krim völkerrechtswidrig annektiert zu haben und die prorussischen Separatisten in der Ostukraine zu unterstützen.

Russland hingegen kritisiert die Nato-Osterweiterung und die infolge der Ukraine-Krise beschlossene Stationierung von Bündnistruppen in den früheren Sowjetrepubliken.

Bisher nur unregelmässige Treffen

Im Zuge der Spannungen wurde von Seiten der Nato die komplette praktische Kooperation eingefroren. Auf politischer Ebene kommt es zwar seit 2016 wieder zu Treffen des Nato-Russland-Rates. Sie sind allerdings unregelmässig und werden nur auf Botschafterebene abgehalten.

Stoltenbergs Signal der Gesprächsbereitschaft erfolgt kurz nach einer öffentlichen Ermunterung von US-Präsident Donald Trump. Dieser hatte Anfang Dezember am Rande des Nato-Gipfels in London gesagt, er denke nicht, dass es in irgendeiner Art und Weise ein Problem wäre, wenn Stoltenberg mit Russland sprechen würde.

Aus seiner Sicht sei es möglich, "eine sehr gute Beziehung zu Russland" zu haben, betonte Trump. Die Nato sollte immer mit Russland im Gespräch sein.

Verschiedene Signale

Eine ähnliche Position vertreten schon seit längerem auch Deutschland und Frankreich. Die deutsche Regierung gehörte so zum Beispiel zu den treibenden Kräften hinter der 2016 erfolgten Wiederbelebung des Nato-Russland-Rates.

Der frühere deutsche Aussenminister Sigmar Gabriel begrüsste die Stoltenberg-Äusserungen am Montag mit den Worten "Gut so!". Die Nato müsse immer beides zeigen: die Fähigkeit zur Verteidigung ebenso wie den Willen zu Dialog und Abrüstung, kommentierte der Politiker.

Vor allem mittel- und osteuropäische Staaten dürften die Entwicklung allerdings kritisch sehen. Sie warnen, solange der Ukraine-Konflikt nicht gelöst sei, dürfe es keine Rückkehr zu "business as usual" (Alltagsgeschäft) geben.

Details noch offen

Stoltenberg sieht dies nicht anders, betont aber die Bedeutung des Dialogs. "Russland ist unser grösster Nachbar und das wird auch so bleiben", sagte er nun im Interview. Selbst wenn sich die Beziehungen nicht verbessern sollten, müsse man in der Lage sein, eine schwierige Beziehung zu managen.

Der Nato-Generalsekretär kündigte zudem an, dass die Beziehungen zu Russland vermutlich auch Teil des geplanten Reflexionsprozesses zur politischen Arbeit des Bündnisses werden sollen. Dafür hatten sich zuletzt Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und die deutsche Kanzlerin Angela Merkel ausgesprochen.

Wie ein geeigneter Rahmen für ein Treffen mit Putin aussehen könnte, sagte Stoltenberg nicht. Der Norweger hatte Putin früher mehrfach in seiner Zeit als Ministerpräsident getroffen. Seitdem er Nato-Generalsekretär ist, kam es jedoch nicht mehr zu formellen Treffen. Lediglich mit Russlands Aussenminister Sergej Lawrow gibt es Gespräche.

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