Kardiologie

Neues Therapieprinzip gegen Herzschwäche aus der Diabetologie

Kinder üben Herzmassage an einer Puppe. So weit muss es nicht kommen: Zu den verschiedenen bekannten Behandlungsstrategien gesellen sich neu Diabetesmedikamente, die sich in Studien bei Herzschwäche sehr vielversprechend ausgewirkt haben. (Symbolbild)

Kinder üben Herzmassage an einer Puppe. So weit muss es nicht kommen: Zu den verschiedenen bekannten Behandlungsstrategien gesellen sich neu Diabetesmedikamente, die sich in Studien bei Herzschwäche sehr vielversprechend ausgewirkt haben. (Symbolbild)

Bei Herzinsuffienz werden mehrere Behandlungsstrategien angewandt. Neu ist der Einbezug von Diabetesmedikamenten. Eine Studie hat für eine entsprechende Arzneimittelgabe eine um 14 Prozent reduzierte Herz-Kreislauf-Sterblichkeit nachgewiesen.

Penibel eingestellter Blutdruck, Beta-Blocker sowie ACE-Hemmer oder Angiotensin-II-Rezeptorblocker haben in den vergangenen 20 Jahren die Behandlungsmöglichkeiten bei chronischer Herzschwäche deutlich verbessert. Laut Studien beim virtuellen Jahreskongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) könnten auch Diabetesmedikamente positiven Effekt haben.

Herzinsuffizienz verursacht mehr Hospitalisationen als alle Formen von Krebs zusammen. 78 Prozent der Herzinsuffizienz-Patienten werden mindestens zweimal pro Jahr hospitalisiert. Unzureichend oder nicht behandelter Bluthochdruck oder Herzmuskelschädigungen nach Infarkt sind die häufigsten Ursachen.

Eine erste Spitalaufnahme wegen chronischer Herzinsuffizienz bedeutet ein Mortalitätsrisiko von 45 Prozent innerhalb eines Jahres. Bisher werden in der Behandlung speziell bestimmte Blutdruckmedikamente - Beta-Blocker, ACE-Hemmer oder Angiotensin-II-Rezeptor-Antagonisten - verwendet.

SGLT2-Inhibitoren als "Wundermittel"

Eine erst in den vergangenen Jahren in der Behandlung des Typ-2-Diabetes etablierte Therapieform mit Wirkstoffen (SGLT2-Inhibitoren), welche die Wiederaufnahme von Zucker in den Nieren verhindert und so den Blutzuckerspiegel im Blut senkt, findet jetzt allerdings auch ihren Weg in die Behandlung der Herzinsuffizienz.

"Die Wirkungen von Empagliflozin und Dapagliflozin auf die Hospitalisierungsraten wegen Herzschwäche waren in zwei von einander unabhängigen Studien konsistent und deuten darauf hin, dass diese Substanzen sowohl die Situation der Nieren als auch die Gesamtsterblichkeit und die Herz-Kreislauf-Mortalität bei Patienten mit Herzschwäche und verminderter Auswurfleistung (verminderte Pumpleistung des Herzens) verringern", schrieben jetzt Faiez Zannad und seine Co-Autoren in einer Meta-Analyse zu dem Thema, die im "Lancet" zum ESC-Kongress erschienen ist.

Ein Viertel weniger schwere Fälle und Tode

Die Wissenschaftler sahen sich die Daten von 8474 Herzschwächepatienten mit oder ohne Diabetes an, die in zwei wissenschaftlichen Studien zusätzlich zur "normalen" medikamentösen Therapie auch mit einem der beiden SGLT2-Inhibitoren behandelt worden waren. "Der geschätzte Behandlungseffekt bestand in einer um 13 Prozent reduzierten Gesamtmortalität und einer um 14 Prozent reduzierten Herz-Kreislauf-Sterblichkeit", schrieben die Forscher.

Die Mortalität durch ein Herz-Kreislauf-Ereignis und die Rate der Erst-Hospitalisierungen wegen Herzschwäche insgesamt seien um 26 Prozent zurückgegangen, die Häufigkeit eines solchen Todesfalls und wiederholter Hospitalisierung um 25 Prozent. Alle diese Ergebnisse waren statistisch signifikant.

Signifikante Besserung nach 16 Monaten

Anlässlich des ESC-Kongresses, der dieses Mal virtuell durchgeführt wurde, wurde am Wochenende neben der Präsentation der Ergebnisse bei der Veranstaltung eine der beiden für die Meta-Analyse verwendeten Studien auch im "New England Journal of Medicine" publiziert. 3730 Herzschwäche-Patienten mit oder ohne Diabetes hatten zusätzlich zu ihrer sonstigen Medikation täglich zehn Milligramm des SGLT2-Inhibitors Empagliflozin oder ein Placebo erhalten.

Nach 16 Monaten Beobachtungszeit zeigte sich eine Verringerung der Wahrscheinlichkeit für den Tod durch Herz-Kreislauf-Probleme oder eine Aufnahme wegen Herzschwäche in ein Spital um 25 Prozent. Das war statistisch hoch signifikant. Eine statistisch signifikante Verringerung der Sterblichkeit aus jeder möglichen Ursache, wie in der Meta-Analyse gezeigt, lässt sich aus statistischen Gründen nur in sehr grossen wissenschaftlichen Untersuchungen beweisen.

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