Coronavirus

Neuseeland - das Corona-Wunderland? So rottet die Regierung das Virus aus

Die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern. (Archivbild)

Die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern. (Archivbild)

In Neuseeland gibt es fast keine Neuansteckungen mit dem Coronavirus mehr. Die Gründe.

Aussergewöhnliches spielt sich dieser Tage in Neuseeland ab. Gerade einmal 1349 Infizierte und 5 Todesfälle wegen Covid-19 verzeichnet das Land seit Ausbruch des Virus. Zum Vergleich: Neuseelands grosser Nachbar Australien hat bereits 61 Todesfälle registriert. Im Vergleich zu europäischen Ländern wirken die neuseeländischen Zahlen wie von einer anderen Welt. Am Ostermontag meldeten die neuseeländischen Behörden einen Zuwachs von «nur» 19 Infizierten. Die Anzahl der Genesenen übertrifft diejenige der neuen Fälle regelmässig. 

Bereits kommentieren diverse Zeitungen, dass Neuseeland das Virus nicht eindämmt, sondern es ausrottet. Doch wie kommt es, dass dieses Land mit 4,9 Millionen Einwohnern im Kampf gegen das Virus so erfolgreich agiert? Die Gründe sind mannigfaltig: 

  • Der erste Grund ist der offensichtlichste – die Geografie: Neuseeland ist ein Inselstaat im Südpazifik mit relativ geringer Bevölkerungsdichte. Die Grenzen sind entsprechend einfach zu kontrollieren und zu schliessen. Doch verzeichnen andere Inselstaaten, wie Australien, deutlich mehr Corona-Fälle oder –Tote. 
  • Das führt zum zweiten Grund. Die Behörden haben die weltweite Entwicklung genau verfolgt und beim Ausbruch im eigenen Land rasch strenge Massnahmen eingeführt. Beim Stand von 102 Infizierten beschloss die Regierung die höchste Alarmstufe, den Lockdown. Dies für mindestens vier Wochen. Dieses schnelle Handeln ist wohl der wirkliche Schlüssel zum Erfolg. Zum Vergleich: In der Schweiz wurde der Lockdown eingeführt, als gut 2000 Infizierte und 14 Tote bekannt waren, in Grossbritannien waren bereits 335 Personen gestorben. «Wir haben jetzt ein kleines Zeitfenster, um Menschenleben zu retten», sagte die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern am 25. März, demjenigen Tag, an dem der Lockdown in Kraft trat. 
  • Die Massnahmen umfassen ein umfangreiches Reiseverbot. Nur zwingend nötige Reisen, beispielsweise für Ärzte, sind erlaubt. Die Bevölkerung ist angehalten, zu Hause zu bleiben und wenn, dann nur in der Nachbarschaft spazieren zu gehen. Der Flugverkehr ist praktisch zum Erliegen gekommen. Selbst Repatriierungsflüge von ausländischen Behörden für gestrandete Touristen wurden für zwei Wochen auf Eis gelegt. Weiter gilt für die Bevölkerung, auf Hobbys wie Mountainbiken, Surfen und Wandern zu verzichten, um Unfälle zu vermeiden und die Spitäler nicht unnötig zu belasten. 
  • Die meisten Neuseeländer halten sich an die Vorgaben. Die grössten Städte im Land sind auch gut drei Wochen nach der Einführung des Lockdowns äusserst ruhig, deren sonst zu Stosszeiten chronisch verstopfte Strassen verkehrsfrei. Und wenn doch jemand mal eine unnötige Reise auf sich nimmt, kann die Polizei den Betroffenen umgehend nach Hause schicken. An Ostern richtete die Polizei im Land diverse Kontrollpunkte ein, um den Verkehr zu kontrollieren. Anschliessend lobte sie die Bevölkerung, dass die Polizisten nur wenig zu tun gehabt hätten. 

Ob die Massnahmen in gut einer Woche gelockert werden, ist noch unklar. Denn die Behörden wissen nur zu gut, dass sich die Situation auch in Neuseeland schnell ändern kann. Damit das nicht geschieht, braucht es auch Durchhaltevermögen und eine klare Kommunikation. Beobachter loben letzteres, etwa die renommierte Zeitung «Washington Post».

Die Premierministerin läuft in der Krise zur Höchstform auf. Jacinda Ardern warnt, ohne Panik zu schüren. Zudem spricht sie eine klare Sprache. Sie fordert die Bevölkerung auf, zwei Meter Abstand zu halten und in ihrer eigenen «Bubble» zu bleiben, also nur denjenigen Personen näher zu kommen, die im eigenen Haushalt wohnen. Sie stellt Videos online, in denen sie von zu Hause aus Fragen der Bevölkerung beantwortet. Dabei versucht sie immer wieder, auch gute Stimmung zu verbreiten. So versicherte sie, dass der Osterhase ein «essential worker», also ein notwendiger Arbeiter sei und er an Ostern arbeiten dürfe. 

So nehmen viele Neuseeländer ihre Premierministerin sowohl als kompetent wie auch zugänglich und fürsorglich wahr. Denn auch in einem Lockdown muss es in Neuseeland ab und zu Platz für eine frohe Botschaft haben. 

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