Soleimani-Mord

Nichts als inszenierte Show? Iranische Journalistin erhebt Vorwürfe wegen Trauermärschen

Diesen Bildern der iranischen Trauermärsche für Qassem Soleimani darf man nicht trauen, sagt die iranische Journalistin Masih Alinejad.

Diesen Bildern der iranischen Trauermärsche für Qassem Soleimani darf man nicht trauen, sagt die iranische Journalistin Masih Alinejad.

Masih Alinejad warnt davor, den Fernsehbildern aus dem Iran blind zu vertrauen. Was im Iran abgezogen werde, erinnere sie stark an Nordkorea.

Mit Tränen, Schreien und schmerzverzerrten Gesichtern: So reagierte die nordkoreanische Bevölkerung auf den Tod von Diktator Kim Jong-Il 2011. Alles Fake, kann gar nicht sein, urteilte die Weltöffentlichkeit und bemitleidete die gebeutelte Bevölkerung des kommunistischen Landes, die von ihrem Regime zum Trauern verdonnert und zum öffentlichen Schluchzen gezwungen worden war.

Ähnlich wie in Nordkorea sei die Situation derzeit im Iran, schreibt die in den USA lebende iranische Journalistin Masih Alinejad in einem Beitrag für die Zeitung «Washington Post». Von den Bildern der Massen, die in Teherans Strassen den Tod des Generals Qassem Soleimani betrauern, solle man sich nicht täuschen lassen. «Klar hatte Soleimani Anhänger. Doch das Regime lässt hier sicher nichts anbrennen», schreibt die 43-jährige Regimekritikerin. In der Stadt Ahvaz, wo besonders viele für Soleimani auf die Strasse gegangen seien, habe die Regierung Schüler und offizielle Vertreter zur Teilnahme an den Trauermärschen gezwungen. «Schüler mussten in den Schulen Aufsätze über Soleimani schreiben. Die jüngsten wurden ermuntert, für Soleimani zu weinen.»

Alinejad erinnert an die Proteste, bei denen im vergangenen November tausende gegen ebenjenes Regime auf die Strasse gingen, in dem Qassem Soleimani eine zentrale Rolle spielte. Hunderte seien ums Leben gekommen, rund 7000 Menschen seien verprügelt und verhaftet worden – unter anderem von den von Soleimani kommandierten Revolutionsgarden. «Die Protestierenden hatten Soleimani scharf kritisiert», schreibt Alinejad. Dass westliche Beobachter jetzt den Bildern in den iranischen Staatsmedien blindlings vertrauen, schockiert sie. «Auf Massenaufmärsche in Russland oder Nordkorea reagieren westliche Medien immer sehr kritisch. Sobald es um die Trauermärsche im Iran geht, verstummen die kritischen Stimmen.»

Ganz anders beurteilt die iranische Amerikanistik-Professorin Zeinab Ghasemi von der Universität in Teheran die Trauermärsche in der Islamischen Republik. Dem US-Fernsehsender PBS sagte sie: «Soleimanis Ermordung hat die Iraner sehr stark vereint, nicht zuletzt, weil er keiner politischen Partei angehörte. Sogar jene, die kritisch sind gegenüber Irans Aussenpolitik betrauern seinen Tod.» Nach Wochen des Protestes gegen das Regime in diesem Winter kommt der Anschlag durch das US-Militär daher nicht ungelegen. Statt auf die fehlgeleitete Wirtschaftspolitik der Mullahs konzentriert sich der Hass des Volkes nun auf Amerika.

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