Japan

Obama besucht Hiroshima: Eine Geste der Versöhnung – aber keine Entschuldigung

Das Mahnmal zum Atombombenabwurf über Hiroshima - US-Präsident Barack Obama will Hiroshima noch diesen Monat besuchen.

Das Mahnmal zum Atombombenabwurf über Hiroshima - US-Präsident Barack Obama will Hiroshima noch diesen Monat besuchen.

Barack Obama besucht als erster amtierender US-Präsident Hiroshima, wo vor mehr als 70 Jahren die erste Atombombe durch die amerikanischen Streitkräfte abgeworfen wurde.

Als John Kerry im vergangenen Monat Japan einen Besuch abstattete, machte der amerikanische Aussenminister auch einen Abstecher nach Hiroshima. Am Mahnmal für die Opfer des ersten Atombombenabwurfs am 6. August 1945 legte Kerry einen Kranz nieder.

Später sprach er an einer Pressekonferenz davon, dass die japanische Stadt eine «herzzerreissende» Mahnung an die Politiker dieser Welt sei, sich von Atomwaffen zu trennen.

Kerry bereitete den Boden

Der sorgfältig inszenierte Besuch, eine Premiere für den höchsten Diplomaten Amerikas, warf in Washington überraschend kleine Wellen – und erfüllte damit die Erwartungen des Weissen Hauses. Denn Kerrys Auftrag war es, den Boden für seinen Chef zu bereiten.

In der amerikanischen Hauptstadt heisst es nämlich schon lange, dass Präsident Barack Obama zum Abschluss seiner Amtszeit einen Abstecher nach Hiroshima machen wolle, um sich persönlich einen Eindruck über die Zerstörung der japanischen Stadt zu machen. Und um seine Aussenpolitik der Versöhnung mit einer weiteren symbolischen Geste anzureichern.

Gestern Dienstag gab das Weisse Haus nun offiziell bekannt, dass Obamas Wunsch zu Monatsende in Erfüllung gehen werde. Während einer Asien-Reise, die ihn nach Vietnam und an den G-7-Gipfel in Ise-Shima (Japan) führen wird, bleibt auch Zeit für einen Abstecher nach Hiroshima – in Begleitung des japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe.

Die Visite am 27. Mai werde unterstreichen, dass sich Obama für «Frieden und Sicherheit» in einer Welt ohne Atomwaffen einsetze, teilte das Weisse Haus mit. Der Besuch in Hiroshima ist es eine Premiere. Noch nie hielt sich ein amtierender US-Präsident in Hiroshima und der Schwestern-Stadt Nagasaki – Ziel des zweiten Atombombenabwurfs am 9. August 1945 – auf.

«Kampf für eine gerechte Sache»

Umgehend stellte das Weisse Haus gestern aber auch klar, was die Reise des Präsidenten nicht sein werde: eine Entschuldigung für die Tötung von mehr als 200 000 Zivilisten am Ende des Zweiten Weltkriegs. Obama werde nicht auf den Entscheid zurückkommen, die Atombombe einzusetzen, gab sein aussenpolitischer Berater Ben Rhodes auf der Plattform «Medium» bekannt.

Amerika werde den Männern und Frauen, die während des Krieges in den Streitkräften Dienst geleistet hätten, ewig dankbar sein. «Sie kämpften für eine gerechte Sache», schrieb Rhodes. Die Visite werde zudem deutlich machen, wie viele Opfer der Krieg gefordert habe.

In erster Linie wolle Obama aber verdeutlichen, wie gut die Beziehungen zwischen Amerika und Japan seien, mehr als 70 Jahre nach dem Ende der Weltenschlacht.

Unter genauer Beobachtung

Der Präsident muss allerdings davon ausgehen, dass sämtliche Handlungen in Hiroshima zu Hause mit Adleraugen beobachtet wird. Seine politischen Gegner werfen Obama schon lange vor, dass er sich bei Aufenthalten im Ausland regelmässig für angebliche amerikanische Fehlentscheide entschuldige.

Auf Kritik stossen auch seine versöhnlichen Gesten und seine Körpersprache. So verbeugte sich der Präsident bei seinem Antrittsbesuch in Japan im Jahr 2009 vor dem Kaiser.

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