Hongkong

Peking reagiert aggressiv auf eine eskalierende Situation in Hongkong

Zu Fuss zum Flughafen: Etwas anderes blieb Fernreisenden am Wochenende in Hongkong nicht übrig. (Keystone)

Zu Fuss zum Flughafen: Etwas anderes blieb Fernreisenden am Wochenende in Hongkong nicht übrig. (Keystone)

Die Wochenend-Demos waren abgesagt. Trotzdem eskalierte die Situation in Hongkong. China reagiert aggressiv.

Wieder gab es Barrikaden, wieder setzte die Polizei Tränengas und Wasserwerfer ein. Und wieder kam es zu Dutzenden von Festnahmen und unzähligen Verletzten. Hongkong ist auch an diesem Wochenende nicht zur Ruhe gekommen. Hunderte prodemokratische Demonstranten haben sich in der Nacht auf Sonntag stundenlange Auseinandersetzungen mit der Polizei geliefert.

Schwarz Vermummte warfen im Zentrum der Stadt Molotowcocktails auf ein Regierungsgebäude und setzten eine mehrere Quadratmeter grosse Strassenbarrikade in Brand. Einige der Protestierenden rissen Pflastersteine aus dem Boden und bewarfen damit die Ordnungskräfte. Die Polizei wiederum setzte Tränengas und Wasserwerfer ein. Erstmals setzte sie auch blau gefärbtes Wasser ein. Damit sollen die von den Wasserwerfern getroffenen Demonstranten leichter identifiziert werden. Diese wiederum versuchten, sich mit aufgespannten Regenschirmen vor dem Wasserstrahl zu schützen. «Es war eine der heftigsten Auseinandersetzungen der letzten Wochen», wird ein Protestierer im Hongkonger Fernsehen zitiert. Mindestens 41 Personen wurden verletzt, fünf von ihnen schwer.

Flughafenzufahrt für drei Stunden versperrt

In Hongkongs Innenstadt beruhigte sich die Lage am Sonntag zwar weitgehend. Dafür zogen einige tausend Demonstranten zum Flughafen und blockierten dort während rund drei Stunden die Zufahrtsstrassen. Der Flughafen-Expresszug war zeitweise ausser Betrieb. Reisende, die mit dem öffentlichen Verkehr anreisten, mussten die letzten paar hundert Meter zu Fuss über die für Fahrzeuge abgesperrten Strassen gehen. Die Demonstranten gaben die Strasse erst frei, als Spezialkräfte eintrafen. Sie hinterliessen eine Blockade aus Gepäckwagen.

Einige der Demonstrierenden setzten danach die rund drei Kilometer entfernte U-Bahn- Station Tung Chung mit Feuerwehrschläuchen unter Wasser. Am Donnerstag hatten die Behörden sämtliche Kundgebungen und Demonstrationen fürs Wochenende verboten mit der Begründung, die Ausschreitungen der vergangenen Wochen seien zu heftig gewesen und die Sicherheit in der Stadt könne nicht mehr gewährleistet werden. Daraufhin hatte die Human Rights Front, eine der Organisationen der Pro-Demokraten, die Proteste tatsächlich abgesagt. Man wolle Sorge tragen, dass niemand die rechtlichen Konsequenzen für eine Teilnahme tragen müsse, lautete deren Begründung.

Chinas Truppen «bereit für den Kampf»

Doch am Freitag gossen die Hongkonger Behörden weiter Öl ins Feuer, indem sie mindestens drei prominente Aktivistinnen und Aktivisten, darunter den 22-jährigen Joshua Wong, sowie drei Abgeordnete des Hongkonger Parlaments aus dem prodemokratischen Lager zeitweise festnahmen. Trotz der Verbote zogen am Samstag daher erneut mehrere Zehntausend durch die Strassen.

Unter dem Motto «Seid wie Wasser» hatten die AktivistInnen in Anlehnung an Hongkongs Kung-Fu-Legende Bruce Lee dazu aufgerufen, flexibel an verschiedenen Stellen der Stadt zu Kundgebungen zusammenzukommen. Chinesische Staatsmedien berichteten derweil, dass China neue Truppen in die Stadt Shenzhen an die Grenze zu Hongkong verlegt habe. Das Parteiorgan «Volkszeitung» schrieb über Spezialübungen der Truppen zum Umgang mit gewalttätigen Demonstranten. Die Übung habe unter dem Motto «Bereit für den Kampf!» stattgefunden.

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