USA

Republikaner sind jetzt Rappenspalter

Mitt Romney kritisierte gestern an einer Konferenz der Republikaner das Wirtschaftsprogramm der Demokraten. Keystone

Mitt Romney kritisierte gestern an einer Konferenz der Republikaner das Wirtschaftsprogramm der Demokraten. Keystone

Konservative Aktivisten haben den Präsidentschafts-Wahlkampf 2012 eingeläutet. Mitt Romney etwa, versucht sich bereits volksnah zu zeigen und geht sein Frühstück in einer Mc´Donald´s-Filiale einkaufen.

Als Mitt Romney vor vier Jahren einen ersten Anlauf nahm und ins Rennen ums Weisse Haus stieg, stiess er auf grosses Misstrauen. Der republikanische Ex-Gouverneur von Massachusetts galt als Wendehals und Schönling. Nun liebäugelt Romney erneut mit der Nomination zum republikanischen Präsidentschaftskandidaten – dies deutete er gestern in einer Rede an einer Konferenz von konservativen Aktivisten in Washington an.

Frühstück aus dem McDonald’s

Und er scheint aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt zu haben: Im zweiten Anlauf will sich Romney volksnah geben. Am frühen Donnerstagmorgen kaufte sich Romney deshalb sein Frühstück in einer McDonald’s-Filiale ein.

Etwas verschämt hielt er den weissen Papiersack mit dem gelben Signet in seiner Hand, als er mit seiner Gattin Ann zum Konferenzhotel, dem noblen Marriott Wardman Park, zurückschlenderte. «Die Preise im Hotel sind sündhaft hoch», sagte er im Gespräch, verschmitzt lächelnd. «Selbst das Internet ist kostenpflichtig.» Tatsächlich kassiert der Hotelkonzern Marriott, in dessen Verwaltungsrat Romney übrigens bis vor kurzem sass, täglich eine Gebühr von 12.95 Dollar für den Internetzugriff. «Wucher» sei das, findet Romney, bevor er mit seiner Frau in den Lift verschwand.

Romney könnte sich gutes Frühstück leisten

Romney ist mehrfacher Millionär und könnte sich auch ein Marriott-Frühstück problemlos leisten. Aber der 63-Jährige hat ein gutes politisches Gespür, und derzeit scheinen seine Republikaner über nichts lieber als über Sparprogramme und Budgetkürzungen zu debattieren. Romney selber leistete am Freitag seinen Beitrag zu dieser Debatte, als er während seiner Rede an der Conservative Political Action Conference (CPAC) das Wirtschaftsprogramm der Demokraten scharf kritisierte.

Wer allerdings vom Favoriten des republikanischen Establishments konkrete Sparvorschläge erwartet hatte, wurde enttäuscht. Romney blieb schwammig, so wie andere Exponenten des moderaten Parteiflügels auch.

Dies stösst dem rechten Parteirand sauer auf: Staatskritische Konservative, unterstützt von der Tea-Party-Bewegung, werfen Führungskräften wie Speaker John Boehner Verrat vor und überbieten sich mit immer neuen, immer heftigeren Sparvorschlägen. «Wir müssen mutig sein», sagte Rand Paul, Senator aus Kentucky. Kein Budgetposten dürfe ausgenommen werden, selbst das Pentagon müsse bluten.

1500 Milliarden Haushaltsloch

In dieselbe Kerbe hieb der grelle Selbstdarsteller Donald Trump, der bis im Juni entscheiden will, ob er sich um die Präsidentschaft bewirbt. Trump sagte, dass sich die Welt über Amerika lustig mache, weil Washington die Finanzen nicht im Griff habe. Derzeit klafft im Staatshaushalt ein Loch von fast 1500 Milliarden Dollar.

Dieser Konflikt zwischen Staatskritikern und dem Establishment könnte die zuletzt erfolgsverwöhnte Partei in den nächsten Monaten arg ins Schleudern bringen – vor allem dann, wenn Ron Paul, der Vater und Mentor von Senator Paul, tatsächlich noch einmal für die Präsidentschaft kandidieren würde. Unter den 11000 CPAC-Anwesenden befanden sich Hunderte von jungen Aktivisten, die ihre Sympathie für den 75-jährigen Abgeordneten aus Texas offen zur Schau stellten.

«Paulites» sorgen für Zwischenfall

Paul ist ein knorriger Aussenseiter, der im Wahlkampf 2008 heftig gegen die kraftstrotzende Aussenpolitik von George W. Bush polemisierte und in der Finanzkrise eine Bestätigung für seine monetären Theorien sah. Er stützt sich auf eine veritable Armee von Freiwilligen, die für ihn durchs Feuer gehen würde.

Am Donnerstag sorgten die «Paulites» für einen Zwischenfall, als sie zwei Ikonen der Republikaner – Dick Cheney und Donald Rumsfeld – herzhaft ausbuhten. «Kriegsverbrecher», schrie ein junger Aktivist gar in Cheneys Richtung. Dann wurde er von einem Agenten des Secret Service aus dem Saal entfernt.

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