Bangkok

«Sie werden mich töten»: Saudische Frau verbarrikadiert sich am Flughafen gegen Abschiebung

Eine junge saudische Frau hat sich am Flughafen in Bangkok gegen ihre Abschiebung verbarrikadiert. Sie ist vor ihrer Familie geflohen.

Im internationalen Flughafen von Bangkok spielte sich von Sonntag auf Montag ein Drama ab: Es handelte von einer jungen Frau aus Saudi Arabien, die vor ihrer Familie geflohen war, um in Australien studieren und arbeiten zu können. Zunächst wurde ihr Traum bei der Zwischenlandung in Bangkok abrupt gestoppt. Doch sie kämpfte verzweifelt, flehte auf Twitter um "Hilfe der Menschheit", verbarrikadierte sich mit einer Matratze und einem Tisch in ihrem Zimmer und konnte ihre Abschiebung zurück nach Saudi Arabien zunächst verhindern.

Die 18-jährige Saudiaraberin Rahaf Mohammed al-Qunun war am Sonntag bei einem Zwischenstopp in Bangkok von kuwaitischen und saudiarabischen Beamten der Pass abgenommen und an der Weiterreise nach Australien gehindert worden. Dies, obschon sie nach eigenen Angaben ein Visum besass. Rahaf sollte zurück nach Saudi Arabien deportiert werden. Ihr männlicher Vormund habe sie gemeldet, sagte Rahaf. Sie sei "ohne Erlaubnis gereist" und ihr Vater sage, sie sei "psychisch krank".

Rahaf verbarrikadierte sich in einem Hotelzimmer im Suvarnabhumi-Flughafen und berichtete live auf Twitter, wie man sie gegen ihren Willen in einen Flug zurück nach Kuwait zu zwingen versuche. Dann schaltete sich auf Twitter auch der deutsche Botschafter in Thailand Georg Schmidt ein: "Wir teilen die grosse Sorge um Rahaf Mohammed und stehen dazu in Verbindung mit der thailändischen Seite und den Botschaften der Länder, an die sie sich gewandt hatte."

Vor der forcierten Deportation postete Rahaf noch ein Video auf YouTube mit den Worten: "Auf Grundlage des Übereinkommens von 1951 und des Protokolls von 1967 beantrage ich, Rahaf Mohammed, offiziell den Flüchtlingsstatus in einem Land, das mich davor schützen würde, verletzt oder getötet zu werden, weil ich meine Religion und Folter durch meine Familie verlassen habe."

Zunächst blieb unklar, ob die arabischen Beamten die junge Frau wie geplant an Bord von Kuwait Airways Flug KU412 zurück nach Kuwait zwingen konnten. Die Maschine startete um 11:39 Ortszeit. Kurz nach 12 Uhr postete eine Vertrauensperson von ihr, dass sie noch immer im Flughafenhotel sei und Hilfe brauche. Thailand bestätigte, die junge Frau sei nicht mit dem geplanten Flug abgeschoben worden. Zumal sie inzwischen Asyl beantragt habe, müsse sie "warten, bis diese Länder antworten", so Surachate Hakparn, Chef von Thailands Einwanderungsbehörde.

Die junge Saudiaraberin war vor ihrer Familie geflohen. Sie habe dem Islam entsagt und ihre Familie foltere sie. Ein halbes Jahr sei sie in ein Zimmer gesperrt worden, nachdem sie sich das Haar geschnitten habe. Sie wolle studieren und arbeiten, in Saudi Arabien sei dies für sie nicht möglich. "Ich bin 100% sicher, dass sie mich töten werden, sobald ich aus dem saudischen Gefängnis komme", sagte sie und fügte hinzu, dass sie "Angst" habe und "Hoffnung verliert". 

Der Hashtag #SaveRahaf ging um die Welt. Sie habe nichts mehr zu verlieren, sagte Rahaf. Zurück in Saudi Arabien drohe ihr der Tod. Sie stellte ihren Namen und eine Kopie ihres Passes online, dann flehte sie Menschen im Flughafen an, ihr zu helfen. Thailändische Behörden liessen die Beamten aus Kuwait und Saudi Arabien zunächst jedoch gewähren. Surachate, Chef der Einwanderungsbehörde, erklärte trocken, es handele sich um ein "Familienproblem" und der Teenager habe "keine weiteren Dokumente wie ein Rückflugticket oder Geld".

Mittlerweile hat der Chef der thailändischen Migrationsbehörde angekündigt, dass Thailand Rahaf vorerst nicht zurückschaffen werde. Man werde sich mit dem UNHCR treffen und den Fall diskutieren. «Wenn die Deportation zu ihrem Tod führen würde, würden wir das definitiv nicht tun wollen.»

Wie beim Fall Khashoggi verstrickten sich die saudischen Behörden dabei gleich in Lügen, zum Beispiel, dass Rahaf den Pass noch immer besitze, zitierte die BBC die saudische Botschaft in Bangkok. Dabei postete Rahaf die Visitenkarte von einem Sicherheitsbeamten von Kuwait Airways, der ihr unter dem Vorwand, ein Visum zu besorgen, den Pass abgenommen habe. Phil Robertson, Vizedirektor von Human Rights Watch (HRW) Asia, sagte der BBC: "Es scheint, dass die thailändische Regierung eine Geschichte konstruiert, wonach sie versucht habe, ein Visum zu beantragen und es ihr verweigert wurde. Tatsächlich hatte sie einen Weiterflug nach Australien, sie wollte überhaupt nicht nach Thailand einreisen."

Robertson warf Thailand vor, mit Saudi Arabien kollaboriert zu haben, da saudische Beamte in der Lage waren, gleich nach der Landung in die Maschine der Kuwait Airways einzusteigen und Rahaf abzufangen. Robertson: Angesichts der vielen Fälle von Ehrengewalt, bei denen "Saudi Arabien in die andere Richtung schaue, kann (Rahafs) Sorge, dass sie bei einer Rückkehr getötet werden könnte, nicht ignoriert werden".

Rahafs Geschichte wirft ein Schlaglicht auf das Leben und die Rechte von Frauen in unterdrückten arabischen Gesellschaften. Insbesondere Saudi Arabien gibt Reformen vor, doch gerade der Fall Khashoggi bewies eindrücklich, mit welcher Willkür das Regime nach wie vor gegen Menschen vorgeht.

Eine weitere saudische Frau, Dina Ali Lasloom, war im April 2017 in Manila beim Versuch gestoppt worden, vor ihrer Familie zu fliehen. Mit Panzertape gefesselt wurde sie zurück nach Saudi Arabien deportiert. Seither fehlt von ihr jede Spur.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1