Es sei tatsächlich so, dass die "gefährlichen und zum Teil tödlichen Überfahrten übers Mittelmeer" in der letzten Zeit stark zurückgegangen seien.

Dies sei aber nicht die Lösung. "Im Gegenteil: Wir haben sehr viele Menschen in Libyen, die unter unwürdigen Bedingungen leben." Die europäischen Staaten hätten somit die Verantwortung, "sofort etwas für diese Menschen zu tun", sagte die Bundesrätin weiter.

Zudem müssen die europäischen Staaten gemäss Sommaruga jene Migranten unterstützen, die freiwillig in ihre Länder zurück wollen. Die Schweiz habe die Internationale Migrationsorganisation, die Migranten bei ihrer Rückkehr helfen, bereits finanziell unterstützt.

Umsiedlung von Flüchtlingen

Beim Umsiedlungsprogramm von Asylsuchenden aus Italien und Griechenland, das am kommenden 26. September offiziell ausläuft, zieht Sommaruga für die Schweiz eine positive Bilanz. Die Schweiz werde ihre Zusage bis Ende Jahr einhalten, 1500 Schutzbedürftige aus Italien und Griechenland zu übernehmen.

"Aber das Programm funktioniert nur, wenn alle dabei mitmachen." Trotzdem gebe es immer noch Staaten, die sich nicht daran beteiligten. "Das ärgert mich. Weil ohne Solidarität kann man in Europa keine Flüchtlingspolitik machen."

Sommaruga spielt damit auf Staaten wie Polen und Ungarn an, die noch keinen einzigen Flüchtling übernommen haben. Nach dem Entscheid 2015, Schutzbedürftige umzusiedeln, hatten Ungarn und die Slowakei gegen den Beschluss geklagt.

Der EU-Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg wies die Klage kürzlich ab. Während Bratislava das Urteil akzeptiert, weigern sich Warschau und Budapest weiter, Asylsuchende zu übernehmen.