Weissrussland

Sticken gegen Lukaschenko: Wie diese junge Frau mit Nadel und Faden gegen das Regime ankämpft

Rufina Bazlova hat einen kreativen Weg gefunden, das Regime zu bekämpfen.

Rufina Bazlova hat einen kreativen Weg gefunden, das Regime zu bekämpfen.

Rufina Bazlova bedient sich altem weissrussischen Traditionshandwerk, um dem Regime die Stirn zu bieten. Das Netz ist begeistert.

Seit Wochen gehen die Bilder der Massen um die Welt, die in Weissrussland gegen den Diktator Alexander Lukaschenko demonstrieren. Auch dieses Wochenende werden sie wieder auf die Strasse gehen, werden von Sicherheitskräften des Regimes gejagt und in Handschellen abgeführt werden.

Westliche Beobachter sehen in den Protesten den unbändigen Mut eines unterdrückten Volkes, die im Prager Exil lebende weissrussische Künstlerin Rufina Bazlova sieht darin perfekte Vorlagen für ihre Kunst. Mit traditioneller weissrussischer Handwerkstechnik stickt Bazlova in rot und weiss – den Farben der weissrussischen Opposition – Milizionäre, Strassenschlachten und einen Diktator mit Oberlippenbart nach und stellt Fotos ihrer politischen Strickereien ins Internet.

Die gestickten Motive zeigen – statt wie üblich Blumen und geometrische Muster – piktogrammartige Demonstranten oder die gefürchteten Omon-Sicherheitskräfte, die auf Protestierende eindreschen.

Erwacht nach langer Lethargie

Rufina Bazlova steht für das politische Erwachen einer Generation, die sich bis vor kurzem noch politisch kaum engagiert hatte. «Ich lebte hier einfach mein Leben. Für die Politik in Weissrussland habe ich mich nicht sonderlich interessiert», erzählt die Künstlerin. Die 30-Jährige, die aus der Grossstadt Grodno im Westen Weissrusslands stammt, steht vor einem Prager Bistro. In einem Stoffbeutel hat sie einige ihrer Stickarbeiten mitgebracht.

Rufina Bazlova hat einen kreativen Weg gefunden, das Regime zu bekämpfen.

Rufina Bazlova hat einen kreativen Weg gefunden, das Regime zu bekämpfen.

Vor zwölf Jahren ist Bazlova nach Tschechien gekommen, hat in Pilsen studiert und ist anschliessend in die Hauptstadt gezogen, wo sie bereits als Bühnenbildnerin und Performance-Künstlerin gearbeitet hat. Nur selten tauschte sie sich in dieser Zeit mit Freunden über Politik aus. «Der Grund dafür war, dass ich mir schlicht nicht vorstellen konnte, dass Lukaschenko überhaupt je abtreten würde. Alles schien so unveränderlich», sagt Bazlova. Die Ereignisse jetzt, die Proteste, die hätten ihr das Gefühl gegeben, dass man etwas ändern könne.

Deswegen habe auch sie politisch Stellung bezogen, erklärt Bazlova.

Angefangen mit ihren Protest-Stickereien hat Bazlova am Schluss des weissrussischen Wahlkampfs am 9. August. Sie postete ihre Arbeiten auf Instagram und bekam unzählige Nachrichten von weissrussischen Usern. «Sie schreiben mir, dass sie sie berühren. Das ist ein grosses Kompliment für mich», sagt Bazlova. Die Nachfrage nach den Stick-Bildern ist mittlerweile so gross, dass T-Shirts mit den Motiven direkt bei Bazlova bestellt werden können. Der Erlös aus dem Verkauf geht an die Opfer der Gewalt des Regimes in Weissrussland.

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