US-Wahl 2020

Trump könnte die Sensation tatsächlich schaffen: So sähe seine zweite Amtszeit aus

Schafft es Donald Trump erneut Präsident zu werden? Falls ja, wie sähe seine zweite Legislatur aus?

Schafft es Donald Trump erneut Präsident zu werden? Falls ja, wie sähe seine zweite Legislatur aus?

Der Welt stockt der Atem, das Experiment Amerika steht auf der Kippe und die Schweiz darf sich glücklich schätzen.

Mit abgeschnittenen Hosen stehen sie jetzt alle da: die Kommentatorinnen und Experten, die bis gestern noch Zweifel an Trumps politischen Zauberkräften hatten. «The Donald» hat sie erneut auf dem falschen Fuss erwischt. Seine Gegner fürchten sich und fragen: Was muss der denn noch anstellen, damit er endlich seinen Job verliert?

Ihre Furcht hat gute Gründe: Trump wird in seiner zweiten Amtszeit seine Eigeninteressen noch unverhohlener verfolgen und seine Kritiker noch aggressiver abkanzeln. Gewinnen muss er nicht mehr, sich zurückhalten schon gar nicht. Nach seiner Wiederwahl hat er Gewissheit: Amerika ist ihm willig ergeben, er kann mit dem Land machen, was er will.

Siegessicherer Biden - trotz Rückschlag in Florida: "Wir werden gewinnen!"

Siegessicherer Biden trotz Rückschlag in Florida: "Wir werden gewinnen!"

Bei der Wahl in den USA hat sich der Präsidentschaftskandidat der US-Demokraten, Joe Biden, siegessicher gegeben. «Wir glauben, dass wir auf dem Weg sind, diese Wahl zu gewinnen», sagte Biden am frühen Mittwochmorgen (Ortszeit) in Wilmington im US-Bundesstaat Delaware. «Bleibt zuversichtlich, wir werden das gewinnen.» Der Demokrat rief seine Anhänger zur Geduld auf.

Amerika wird das neue Schweden - mit üblen Nebenwirkungen

Die Coronapandemie wird Trump als Nebensächlichkeit abtun. Epidemiologen schaltet er stumm und macht sich gegen jegliche Restriktionen des öffentlichen Lebens stark. Bis der Impfstoff kommt, bläst Trump zum grossen «Experiment Herdenimmunität». Was Schweden einst im Kleinen probte, spielt sich nun im Grossen in Amerika ab.

Ansonsten gibt’s für ihn in der Innenpolitik eigentlich nur eines: «Jobs, Jobs, Jobs!» Er hat versprochen, die USA wieder zur «Industrie-Supermacht» zu machen. Dafür ist ihm alles recht. Er fährt die Unternehmenssteuern weiter runter und gibt keinen Deut auf die rasant wachsende Staatsverschuldung. Nachhaltig ist das nicht, genauso wenig wie sein fleissiges Zusammenstreichen der Klimaschutzbestimmungen. 79 davon hat er bereits gekippt. Er macht Ernst mit seinen Plänen, selbst in Nationalparks nach Öl, Gas und Edelmetallen zu suchen. Dabei sind weder Alaskas eisige Tundras noch der Grand Canyon sicher.

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Landet er als Kims Ehrengast an einer Militärparade?

Und die Migration? Die soll’s am liebsten gar nicht mehr geben. Trump treibt die Ausschaffung illegaler Migranten (ein wichtiges wirtschaftliches Element in der US-Wirtschaft) voran und erschwert es ausländischen Studierenden und Fachkräften, ins Land zu kommen. Daneben macht er Stimmung gegen das Recht auf Abtreibung, um als Kämpfer für die evangelikalen Werte in die Geschichtsbücher einzugehen. Gut möglich, dass das Oberste Gericht, das dank ihm eine konservative 6-zu-3-Mehrheit hat, das Recht auf Abtreibung schon bald stark beschneiden wird.

«Wir haben gewonnen!»: Trump verkündet Wahlsieg und will wegen "Betrug" vor Gericht ziehen

«Wir haben gewonnen!»: Trump verkündet Wahlsieg und will wegen «Betrug» vor Gericht ziehen

US-Präsident Donald Trump hat angesichts der Verzögerung bei einem Wahlergebnis bei der US-Wahl von «Betrug» gesprochen. Trump kündigte am Mittwochmorgen (Ortszeit)im Weissen Haus an, vor das Oberste US-Gericht zu ziehen, um eine weitere Auszählung der Stimmen zu stoppen. Und er erklärte sich selbst schon mal zum Wahlsieger.

Und apropos Gericht: Trump verengt seinen Klammergriff um das Justizsystem. Er begnadigt ihm wohlgesinnte Angeklagte. Seinen Ex-Berater Roger Stone hat er schon aus dem Knast geholt. Weitere dürften folgen.

Daneben will er Sonderermittlungen gegen Joe Biden und Hillary Clinton wegen angeblicher Korruption lancieren. «Lock them up!» («Sperr sie ein!»): Dieser Refrain der Trump’schen Wahlkampf-Ära hallt auch in seiner zweiten Amtszeit noch immer durch die vollen Stadien, in denen sich der Politmagier wöchentlich seine Portion patriotische Verehrung abholt.

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Aussenpolitisch knüpft der 74-Jährige da an, wo er aufgehört hat: Globale Institutionen wie die UNO verachtet er. Aus der Nato aber steigt er nicht aus: Denn Europas Militärmächte geben dem Trump’schen Druck nach und erhöhen ihre Militärbudgets. Sie stimmen in Trumps aggressive China-Rhetorik ein, um die noch immer wichtige militärische Schutzmacht USA nicht zu verärgern. Trotzdem zieht Trump weitere Truppen von den Militärbasen ab – auch an der Grenze zu Nordkorea, wo heute 32000 US-Soldaten stehen.

Schweiz-Reisli und Insel-Shopping

Sehen wir Trump gar mal als Ehrengast an einer nordkoreanischen Militärparade sitzen, an der Seite seines «guten Freundes» Kim Jong Un? Nein. Dieses Tabu bricht Trump nicht. Auch, weil er damit die Chinesen verärgern würde, mit denen er in seiner zweiten Amtszeit einen «grossartigen Handelsdeal» aushandeln will. Schliesslich verkaufen die Chinesen noch immer mehr Produkte nach Amerika als umgekehrt. Das will Trump unbedingt ändern. Dass China gegenüber der muslimischen Minderheit der Uiguren schwere Menschenrechtsverstösse begeht, ist ihm dabei völlig egal. Menschenrechte sind was für Schwache, für «Loser»!

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Und wie steht’s um das Verhältnis zur Schweiz? Das wird blühend. Trump freut sich über die jährliche Teilnahme am Weltwirtschaftsforum. Die Schweiz, dieses widerspenstige, EU-kritische Land, das gefällt Trump. Deswegen kommt es in seiner zweiten Amtszeit endlich zum lange erhofften Freihandelsabkommen.

Das war’s. Ach, nein, eine Sache noch: Trump unterbreitet den Dänen ein zweites Kaufangebot für Grönland. Diesmal getraut sich niemand mehr, darüber zu lachen.

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