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Trumps einstiger Chefstratege Steve Bannon sitzt wegen Geldwäsche-Vorwurf in Haft: Ihm drohen bis zu 40 Jahre Gefängnis

Wurde am Donnerstag verhaftet: Trumps Ex-Chefstratege Steve Bannon.

Wurde am Donnerstag verhaftet: Trumps Ex-Chefstratege Steve Bannon.

Der Politstratege Steve Bannon habe hunderttausende Investoren betrogen, die Geld für den Bau einer Grenzmauer spendeten.

Das Radioprogramm «War Room Pandemic», in dem rechtskonservative Strategen US-Präsident Donald Trump täglich übers Klee loben und seine Gegner mit ätzender Kritik überziehen, ging am Donnerstag pünktlich um 10 Uhr auf Sendung. «Your host Stephen K. Bannon», der Mann, der die Sendung jeweils moderiert, liess sich aber für einmal entschuldigen.

Aus gutem Grund: Bannon befand sich am Donnerstagmorgen bereits in Haft. Der Medienunternehmer, der im Jahr 2017 als Chefstratege in der Regierung von Donald Trump waltete und jahrelang die rechtskonservative Redaktion von «Breitbart News» leitete, war kurz vor Sendungsbeginn auf einem Boot im Bundesstaat Connecticut festgenommen worden. Die Staatsanwaltschaft im südlichen Bezirk von New York – ein verlängerter Arm des nationalen Justizministeriums – wirft ihm vor, er sei Teil eines grossangelegten Betrugsversuches gewesen.

Trump bezeichnet die Verhaftung als «sehr traurig»

Die Vorwürfe drehen sich um die gemeinnützige Organisation «We Build the Wall», die seit dem Jahr 2018 versucht, mit privaten Geldern eine Mauer an der Grenze zwischen den USA und Mexiko zu bauen. Diese Organisation war eine Reaktion auf die politische Blockade in Washington im Streit um eine Grenzmauer. Innert Kürze kamen mehr als 25 Millionen Dollar zusammen.

Kopf der Organisation war der 38-jährige Luftwaffen-Veteran Brian Kolfage. Er versprach seinen Gönnern, auf ein Salär zu verzichten. Sämtliche Mittel würden in den Bau der Mauer fliessen. Die Staatsanwaltschaft behauptet nun, dass es sich dabei um eine Lüge gehandelt habe.

Steve Bannon persönlich, der von Kolfage zum Chef eines Beratungsgremiums von «We Build the Wall» ernannt worden war, sorgte dafür, dass dieser mit einem monatlichen Salär entschädigt wurde. Insgesamt wurde Kolfage alleine zwischen Januar und Oktober 2019 mit mehr als 350000 Dollar entschädigt.

Auch Bannon habe sich finanziell bereichert und hunderttausende Investoren getäuscht, heisst es in der Anklageschrift. Mehr als eine Million Dollar solle in eine von Trumps Ex-Chefberater kontrollierte Briefkastenfirma geflossen sein, die Bannon kontrolliert habe. «Ein substanzieller Teil» dieses Geldes habe er für private Zwecke abgezweigt, sagt die Anklagebehörde. Sollte Bannon schuldig gesprochen werden, drohen ihm bis zu 40 Jahre Haft. Donald Trump bezeichnete Bannons Verhaftung als «sehr traurige Sache». Er habe aber seit langem «nichts mehr» mit seinem einstigen Chefstrategen zu tun.

Bannons erfolgloser Ausflug nach Europa

Nach dem Sieg Trumps liess sich Bannon als Helden feiern. So veröffentlichte die Zeitschrift «Time» eine Titelgeschichte mit der Schlagzeile: «Der grosse Manipulator». Dies stiess dem Präsidenten sauer auf. Nach den blutigen Ausschreitungen in Charlottesville (Virginia) im Sommer 2017 trennte er sich deshalb von seinem Chefstrategen. Als Bannon später dem Buchautor Michael Wolff als Auskunftsperson für dessen Enthüllungsbuch «Feuer und Zorn» diente, brach der Präsident öffentlich mit ihm. «Er hat seinen Verstand verloren», sagte Trump über seinen ehemaligen Weggefährten.

Bannon allerdings versuchte sich, neu zu erfinden. In Europa trat er als Wahlkampfstratege für Parteien am rechten Rand auf, ohne dabei aber grosse Erfolge zu erzielen. Im Amtsenthebungsverfahren gegen Trump sah Bannon dann im vergangenen Herbst eine Chance, sich wieder Zugang zum engeren Kreis des Präsidenten zu verschaffen. Zuletzt wetterte er in seiner täglichen Radiosendung gegen China, den «wahren Schuldigen» der Coronapandemie.

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