Dass Nikki Haley eine begabte Politikerin ist, war bereits vor ihrer überraschenden Ankündigung bekannt, dass sie auf Ende Jahr als amerikanische Botschafterin am UNO-Hauptsitz in New York zurücktreten werde – schliesslich war es der 46-jährigen Republikanerin gelungen, im erzkonservativen Bundesstaat South Carolina zweimal die Wahl um den Gouverneursposten zu gewinnen. Am Dienstag legte sie aber noch einen Zacken zu.

Während einer kurzen Zeremonie im Oval Office des Weissen Hauses verkündete Haley nämlich ungefragt, dass sie keinesfalls die Absicht hege, Präsident Donald Trump bei der nächsten Präsidentenwahl im Jahr 2020 herauszufordern. Vielmehr werde sie den Amtsinhaber unterstützen und Wahlwerbung für ihn betreiben. Auch sagte die Noch-Diplomatin, sie fühle sich wie ein «glückliches Mädchen», weil der Präsident ihr die Möglichkeit gegeben habe, ihr Heimatland, dass sie «so stark liebe», vor der UNO zu vertreten.

Mit dieser Lobeshymne stellte Haley erstens sicher, dass sie den guten Draht zu Präsident Trump nicht verliert, wenn sie ab Anfang des kommenden Jahres «eine kurze Auszeit» nimmt, wie sie das selbst formulierte. Angeblich habe sie Trump bereits vor sechs Monaten über diese Pläne informiert. In einer Partei, die zunehmend nach der Pfeife des Weissen Hauses tanzt, ist dies wichtig, kann Trump doch mit einem Fingerzeig die Karriere eines Parteifreundes zerstören. Zweitens liess Haley die Möglichkeit offen, dass sie früher oder später in die Regierung zurückkehren werde – sollten Aussenminister Mike Pompeo oder Sicherheitsberater John Bolton den Wunsch nach Veränderung verspüren.

Und obwohl Haley am UNO-Hauptsitz recht zuverlässig die kraftstrotzende Aussenpolitik der Regierung Trump vertrat, gelang es ihr irgendwie auch, sich als unabhängiges Mitglied der Regierung zu profilieren. So hatte Haley während ihrer Amtszeit, die kurz nach der Inauguration des Präsidenten begann, immer wieder mit Stellungnahmen für Schlagzeilen gesorgt, in denen sie gegen den Strich bürstete. So distanzierte sie sich vor einigen Wochen von der Veröffentlichung eines anonymen Meinungsbeitrages in der «New York Times», in der ein hochrangiger Regierungsmitarbeiter über eine interne Widerstandsbewegung gesprochen hatte – aber in ihrer Replik in der «Washington Post» betonte sie ebenfalls, dass sie nicht immer mit Präsident Trump einverstanden sei. Wenn sie ihren Vorgesetzten kritisiere, dann tue sie dies im direkten Gespräch und nicht über die Medien. Dennoch wird sie in der Hauptstadt immer noch verdächtigt, die Autorin des Beitrags zu sein.

An Einfluss verloren

Zuvor hatte Haley im Dezember das Weisse Haus scharf zurechtgewiesen, nachdem Berater des Präsidenten im Zuge einer Debatte um neue Sanktionen gegen Russland gesagt hatten, sie sei «verwirrt» gewesen. In ihrer Replik, die sie veröffentlichte, wies Haley die sexistische Kritik zurück und sagte: «Mit Verlaub, ich bin nie verwirrt.» Zuletzt, sagten Politbeobachter am Dienstag, habe Haley allerdings im Weissen Haus stark an Einfluss verloren. Das Duo Pompeo/Bolton bestimme immer stärker die Leitlinien der Aussenpolitik. Hinzu kommt: Bolton ist in Washington schon lange als Kritiker der überhöhten Stellung bekannt, die der amerikanische UNO-Botschafter besitzt. Der Sicherheitsberater findet, dass die Vereinten Nationen nicht derart wichtig seien, als dass sie einen Stuhl am Kabinettstisch im Weissen Haus verdienten.