Bis 2013 war Josef Wesolowski Botschafter des Papstes. Ab Juli steht er vor Gericht. Dem früheren polnischen Erzbischof werden unter anderem sexueller Missbrauch von Kindern und der Besitz von kinderpornografischem Material vorgeworfen. Es ist das erste Mal, dass im Vatikan ein hochrangiger katholischer Geistlicher wegen Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs vor Gericht gestellt wird.

Wesolowski droht nun eine Haftstrafe bis zu zwölf Jahren. Er war bis 2013 Nuntius in der Dominikanischen Republik, wo er Kinder sexuell missbraucht haben soll. Papst Franziskus hatte ihn nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe im August 2013 von seinem Posten abberufen. Im September 2014 war er festgenommen und unter Hausarrest gestellt worden. Wenige Monate zuvor hatte ihn die vatikanische Glaubenskongregation in den Laienstand zurückversetzt.

Der Vatikan erklärte, die schweren Vorwürfe gegen Wesolowski sollten nun detailliert aufgearbeitet werden. Die katholische Kirche war vom Skandal um jahrzehntelangen Missbrauch von Kindern in vielen Ländern massiv erschüttert worden. Papst Franziskus hatte daraufhin unter anderem die Anti-Missbrauchs-Gesetze in der Kirche verschärft.