Ebola-Epidemie

WHO legt 100-Millionen-Programm gegen Ausweitung von Ebola auf

WHO-Generaldirektorin Margaret Chan in Genf (Archiv)

WHO-Generaldirektorin Margaret Chan in Genf (Archiv)

Mit einem Sofortprogramm im Volumen von 100 Millionen Dollar reagiert die Weltgesundheitsorganisation (WHO) auf den bisher schwersten Ausbruch von Ebola. Der gegenwärtige Ebola-Ausbruch in Westafrika sei beispiellos, sagte WHO-Generaldirektorin Margaret Chan in Genf.

Die Ausmasse der Epidemie mache es nötig, dass die WHO gemeinsam mit den betroffenen Staaten die Gegenmassnahmen "auf ein neues Niveau" hebe, erklärte Chan. Nötig seien mehr finanzielle Mittel und eine bessere Unterstützung der betroffenen Regionen durch Fachleute.

Dringend benötigt würden vor allem Seuchenfachleute, Ärzte und Krankenschwestern. Auch Logistikfachleute würden gesucht, appellierte Chan an die Staatengemeinschaft. Insgesamt müsse das Helferkontingent dringend um einige Hundert Experten aufgestockt werden.

USA ziehen Helfer ab

Die Angst vor der Krankheit führte jedoch gerade dazu, dass Helfer das Krisengebiet in Scharen verlassen. So zieht das US-Friedenscorps wegen der Ebola-Epidemie Hunderte Helfer aus Liberia, Sierra Leone und Guinea ab. Man wolle die Lage gemeinsam mit Experten der US-Gesundheitsbehörde CDC sowie des Aussenministeriums in Washington beobachten, teilte das Peace Corps auf seiner Webseite mit.

Die französische Regierung rief zu erhöhter Wachsamkeit auch in Frankreich auf. Derzeit sei zwar "das Risiko einer Einschleppung des Virus nach Europa und Frankreich gering", sagte die französische Gesundheitsministerin Marisol Touraine der Zeitung "Le Parisien". Dennoch sei äusserste Wachsamkeit geboten.

Das medizinische Personal sei alarmiert worden, um im Falle von Ebola-Symptomen bei Rückkehrern sofort reagieren zu können.

Nationaler Notfall in Sierra Leone

Nach Liberia erklärte auch Sierra Leone die schwere Ebola-Epidemie in der Region zum Gesundheitsnotfall. Präsident Ernest Bai Koroma will durch den Schritt versuchen, die Seuche mit einem verschärften Massnahmenpaket in den Griff zu bekommen.

So sollen ganze Gebiete im Osten des Landes unter Quarantäne gestellt werden. Die Sicherheitskräfte seien angewiesen worden, für die Durchführung der Anordnung zu sorgen, berichtete der britische Sender BBC.

Koroma will zudem nach eigenen Angaben alle öffentlichen Zusammenkünfte untersagen. In den von der Epidemie betroffenen Gebieten sollen alle Häuser nach Patienten oder Bewohnern mit verdächtigen Symptomen durchsucht werden. Die Massnahmen gelten zunächst für 60 bis 90 Tage.

Liberia schliesst Grenzen

Das Nachbarland Liberia hatte die Epidemie bereits am vergangenen Wochenende zum nationalen Notfall erklärt. Kurze Zeit später wurden alle Grenzen geschlossen. Ausnahmen sind lediglich zwei Flughäfen und drei andere Grenzpunkte, an denen aber Zentren eingerichtet wurden, um Ein- und Ausreisende auf eine mögliche Erkrankung zu prüfen.

Am Mittwoch hatte Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf die Schliessung aller Schulen des Landes angeordnet. Sirleaf erklärte zudem den Freitag zum Ferientag, an dem alle öffentlichen Gebäude desinfiziert würden.

Nigeria hatte vor einigen Tagen nach dem Tod eines Ebola-Kranken seine Sicherheitskräfte an Flughäfen, Seehäfen und Landesgrenzen in höchste Alarmbereitschaft versetzt. Die Luftaufsichtsbehörde verbot der Fluglinie ASky, Ziele in dem Land anzusteuern. In einer ASky-Maschine hatte der infizierte Mann aus Liberia gesessen.

Schwerster Ausbruch seit Entdeckung

Erste Ebola-Fälle waren in Guinea im März registriert worden, rückblickend wurde darauf geschlossen, dass es schon im Dezember 2013 erste Infektionen gab. Rasch wurden auch das nahe Liberia und Sierra Leone erfasst, hinzu kommt ein erster Todesfall in Nigeria.

Mehr als 1300 Menschen wurden nach neuen Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO vom Donnerstag bisher infiziert, 729 von ihnen starben. Es handelt sich um den schwersten Ausbruch der Krankheit seit ihrer Entdeckung im Jahr 1976. Auch ist es die erste Epidemie mit dem gefährlichen Zaire-Ebolavirus in Westafrika.

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