Katar

Wie Donald Trump am Persischen Golf einen Kalten Krieg entfacht hat

Düstere Wolken ziehen auf über dem kleinen Golfstaat Katar: Seit gestern ist er fast auf sich alleine gestellt. Yoan Va0at/EPA/key

Düstere Wolken ziehen auf über dem kleinen Golfstaat Katar: Seit gestern ist er fast auf sich alleine gestellt. Yoan Va0at/EPA/key

In einer einzigartigen diplomatischen Strafaktion haben fünf arabische Staaten am Montag ihre Beziehungen zu Katar gekappt und damit in den eigenen Reihen das tiefste Zerwürfnis seit Jahrzehnten ausgelöst. Grund dafür war die Rede von US-Präsident Trump in Saudi-Arabien.

Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Jemen, Bahrain und Ägypten kündigten an, alle katarischen Diplomaten müssten innerhalb von 48 Stunden ihre Posten verlassen. Obendrein wurden alle Flug-, Land- und Seeverbindungen zu der reichen Halbinsel unterbrochen. Sämtliche Kataris müssen innerhalb der nächsten zwei Wochen aus Saudi-Arabien, den Emiraten und Bahrain ausreisen.

Auch die international nicht anerkannte Regierung in Ost-Libyen, die unter dem Einfluss von Kairo steht, schloss sich diesem spektakulären Boykott an. Oman und Kuwait, ebenfalls Mitglieder im mächtigen Golfkooperationsrat, verweigerten sich dem gestern ausgesprochenen Boykott.

Praktisch sämtliche arabischen Fluggesellschaften am Golf kündigten an, Katars Hauptstadt Doha von Dienstag früh an nicht mehr anzufliegen. Umgekehrt stellte Qatar Airways alle Flüge in die Nachbarstaaten und nach Ägypten ein. Die Flugzeuge der katarischen Fluggesellschaft müssen nun nach dem Start über den iranischen Luftraum fliegen. Über seine Landgrenze zu Saudi-Arabien importiert die Halbinsel mit ihren 300'000 Bewohnern etwa 40 Prozent der Lebensmittel. Auch die Baustellen der Fussball-Weltmeisterschaft 2022 dürften betroffen sein, sollte die Seeblockade länger anhalten.

Trump hat Krise ausgelöst

Der aussenpolitische Paukenschlag steht offenbar in direktem Zusammenhang zum Besuch von Donald Trump in Riad vor zwei Wochen. Der US-Präsident hatte in seiner Rede vor 35 muslimischen Staatschefs den Iran als Hauptursache für die Instabilität in der Region angeprangert und für eine gemeinsame sunnitische Front gegen die Islamische Republik plädiert.

Gestärkt durch Trumps Zusagen an die sunnitische Welt schwappte eine regelrechte Repressionswelle über die Länder der Region. Ägyptens Präsident al-Sisi setzte ein umstrittenes NGOGesetz in Kraft, das seine Macht weiter festigt. Gleichzeitig liess er zwei Dutzend Websites von regimekritischen Medienorganisationen sperren, darunter «Al Jazeera». Bahrain verbot die wichtigste Oppositionspartei. Saudi-Arabien verurteilte einen weiteren Bürgerrechtler zu einer langen Haftstrafe, unter anderem wegen seiner Kontakte zu ausländischen Journalisten.

«Das Ganze ist das erste vorläufige Ergebnis des Schwerttanzes», twitterte ein enger Mitarbeiter von Irans Präsident Hassan Rohani, der damit auf Trumps Tanzeinlage bei dem traditionellen Spektakel in Riad vor zwei Wochen anspielte. US-Aussenminister Rex Tillerson rief die Streithähne am Golf auf, ihre Differenzen durch Dialog beizulegen, und spielte die Folgen für die internationale Allianz gegen den «Islamischen Staat» herunter. Der Grund für Tillersons Vermittlungsversuch ist offensichtlich: Die USA unterhalten in Katar den wichtigen Stützpunkt Al Udeid mit 10'000 Soldaten, von dem aus alle Militäroperationen im Nahen und Mittleren Osten sowie in Afghanistan gesteuert werden.

Drohungen auf Twitter

Zur Begründung für den aussergewöhnlichen Blockade-Akt hiess es in Riad und Abu Dhabi, Katar unterstütze militante Islamisten von al-Kaida und dem «Islamischen Staat». Man müsse die eigene staatliche Sicherheit vor den «Gefahren des Terrorismus und Extremismus» schützen. Die Führung in Doha wies die Anschuldigungen als «ungerechtfertigt» und «aus der Luft gegriffen» zurück und warf den anderen Golfstaaten vor, sie wollten Katar politisch bevormunden. Ein Dorn im Auge ist den sunnitischen Monarchen und Emiren in Katars Nachbarländern vor allem dessen Unterstützung der Muslimbruderschaft sowie Katars Beziehungen zum Erzfeind Iran, mit dem sich Katar sein wichtigstes Gasfeld teilt.

Vor wenigen Tagen erst hatte der Chef einer saudischen Lobbyorganisation Katars Herrscher per Twitter gedroht, ihm könne das gleiche Schicksal blühen wie Ägyptens Ex-Präsident Mohammed Mursi. Mursi, ein Anhänger der Muslimbrüder, war im Juli 2013 durch einen Militärputsch des heutigen Staatschefs Abdel Fattah al-Sisi gestürzt worden und sitzt seither in Haft.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1