Russland-Affäre

Wie eine russische Anwältin sich Zutritt zum Trump Tower verschaffte

Donald Trump jr. sprach im Juni 2016 eine halbe Stunde lang mit der russischen Anwältin Natalja Weselnitzkaja. SHAWN THEW/key

Donald Trump jr. sprach im Juni 2016 eine halbe Stunde lang mit der russischen Anwältin Natalja Weselnitzkaja. SHAWN THEW/key

Trump junior traf Anwältin, die Informationen über Hillary Clinton versprochen hatte.

Es dauerte eine ganze Weile, aber schliesslich rückte Donald Trump junior mit der Wahrheit heraus. Nachdem der Sohn des US-Präsidenten gegenüber der «New York Times» am Samstag zuerst behauptet hatte, bei einem Treffen mit einer notorisch bekannten russischen Anwältin im vergangenen Jahr habe es sich um einen Freundschaftsdienst gehandelt, machte er am späten Sonntagabend (Ortszeit) eine neue Stellungnahme publik, die der verworrenen Geschichte einen neuen Dreh gibt.

Demnach kam das Treffen zwischen Trump junior und der Anwältin Natalja Weselnitzkaja zustande, weil ein Geschäftspartner versprochen habe, dass die Russin «möglicherweise hilfreiche Informationen» für den Wahlkampfstab des republikanischen Präsidentschaftskandidaten habe.

Don Trump, der im vergangenen Jahr regelmässig für seinen Vater um Stimmen gebuhlt hatte, willigte in das Treffen ein, obwohl der Geschäftspartner (ein Musik-Promoter) angeblich zuerst nicht verraten wollte, wer die mysteriöse Person sei. An der Sitzung im Trump Tower in New York, die am 9. Juni 2016 stattfand, nahmen auch Jared Kushner, der einflussreiche Gatte von Ivanka Trump, und Paul Manafort, der damalige Wahlkampfchef Trumps, teil.

Nur «vage Thesen»

Weselnitzkaja sagte während der Sitzung, sie verfüge über Informationen, wonach der nationale Parteiapparat der Demokraten von Leuten mit Verbindungen zu Russland finanziert würde. Dies käme einem Gesetzesverstoss gleich, ist es Ausländern ohne US-Aufenthaltsbewilligung doch explizit verboten, amerikanische Parteien und Kandidaten finanziell zu unterstützen. Auch Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton werde von Moskau unterstützt. Nach den Worten von Trump junior aber habe Weselnitzkaja keine entsprechenden, «bedeutsamen» Informationen vorlegen können. Und er habe rasch das Interesse an ihren «vagen Thesen» verloren, die «keinen Sinn ergaben», sagte der Präsidentensohn der «New York Times».

Deshalb kam die Anwältin auf das Thema zu sprechen, das ihr tatsächlich unter den Nägeln brannte: der «Magnitsky Act». Dabei handelt es sich um ein amerikanisches Sanktionsgesetz, das im Zuge des Todes des unbequemen russischen Anwalts und Buchhalters Sergei Magnitsky im Jahr 2012 verabschiedet worden war. Weselnitzkaja ist zumindest unter Washingtons Aussenpolitikern bekannt dafür, dass sie sich für eine Abschwächung der US-Sanktionen gegen Moskau einsetzt, obwohl sie in der Hauptstadt nicht als Lobbyistin registriert ist. Laut Trump junior endete das Gespräch nach 20 oder 30 Minuten, ein Folge-Treffen fand nie statt. Auch habe er seinen Vater nie über das Treffen informiert.

War es eine Falle?

In den Augen der Politbeobachter ist die Episode dennoch brisant. Denn erstmals hat nun ein Mitglied des inneren Zirkels von Donald Trump eingeräumt, dass er sich im vorigen Jahr mit einer russischen Staatsbürgerin getroffen hat, um «möglicherweise hilfreiche Informationen» über den politischen Gegner auszutauschen. Natürlich ist Politik ein dreckiges Geschäft, auch und gerade in den USA, aber gemeinhin spannen hochrangige amerikanische Wahlkampfberater keine Ausländer ein, um belastendes Material zu sammeln.

Unter Trump-Alliierten zirkuliert in Washington allerdings auch eine andere Theorie über das Treffen. Demnach habe es sich dabei um eine Falle gehandelt, die von einer Lobby-Firma gestellt worden sei, die Verbindungen zu Russland besitze und häufig mit Demokraten zusammenarbeite. Bei dieser Firma handelt es sich um Fusion GPS, die angeblich auch damit beauftragt worden sei, das Parlament von einer Abschwächung des «Magnitsky Acts» zu überzeugen. Insider wissen: Fusion GPS war im vorigen Jahr der Auftraggeber des britischen Ex-Agenten Christopher Steele, der im Auftrag unbekannter Geldgeber untersuchte, ob Donald Trump Verbindungen zum Kreml besitzt. Das Resultat: Ein 35 Seiten zählendes Dossier, in dem Steele über angebliche kompromittierende Akte schrieb, die der heutige Präsident in Russland begangen haben soll.

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