Coronakrise

Wie Polens Priester das Virus mit Hostien und Gebeten bändigen wollen

Gläubige Polen verfolgen die sonntägliche Messe jetzt online. (Bild: Keystone)

Gläubige Polen verfolgen die sonntägliche Messe jetzt online. (Bild: Keystone)

In Breslau fliegt ein Pfarrer mit dem Flugzeug lobpreisend kreuz und quer über die Stadt. Andernorts kursieren gefährliche Gerüchte über das angeblich heilende Weihwasser.

Polen greift im Kampf gegen das Coronavirus hart durch: Ansammlungen von mehr als zwei Bürgern sind seit Mitte Woche verboten – mit einer Ausnahme: In den Kirchen dürfen die Gläubigen nach wie vor zu fünft beten. Im erzkatholischen Land, wo die Menschen normalerweise in Scharen in die Gotteshäuser strömen, wird der Glaube in dieser schweren Zeit noch wichtiger. Gefragt sind daher kreative Lösungen von der Kirche.

«Die Leute haben Angst, die Kirche muss ihnen beistehen», sagt Pfarrer Andrzej Ziemba. In seiner Gemeinde in der westpolnischen Stadt Legnica hat er deshalb kurzerhand die Monstranz vom Hauptaltar geholt und zieht mit der heiligen Hostie jetzt täglich durch die Strassen der Stadt. In schwierigen Zeiten sei die Kirche immer schon zu den Gläubigen gekommen, wenn diese nicht zu ihre kommen konnten, erklärte der Pfarrer im polnischen Fernsehen. «Auch ich will ihnen jetzt Hoffnung bringen.»

Zähneknirschend hat jetzt auch der Erzbischof eingelenkt und den Gläubigen geraten, am Sonntag nicht in die Kirche zu gehen

Viele katholische Priester im Land haben sich ein Beispiel an Pfarrer Andrzej genommen. In Breslau hat ein findiger Pfarrer gar ein Kleinflugzeug gemietet und fliegt mit Reliquien des polnischen Papstes Johannes-Paul II über der Stadt hin und her. Im Flugzeug betete er laut für eine Verschonung Breslaus.

Das Herumführen heiliger Gegenstände zur Glaubensbestärkung in Gefahrensituation hat in Polen eine lange Tradition. In den Zeiten der kommunistischen Diktatur war die Kirche ein wichtiger Hort des Widerstands. Legendär ist die Prozession der «Schwarzen Madonna von Tschentschochau» durch ganz Polen, nachdem die Kommunistische Partei die Zurschaustellung des seit dem 17. Jahrhundert hochverehrten Wunderbildes verboten hatte.

Wieder hatte man den Kommunisten ein Schnippchen geschlagen. Dass dies mit dem weit mächtigeren Feind Covid-19 schwieriger wird, musste Polens Erzbischof aber erst einsehen. Zähneknirschend hatte Stanislaw Gadecki kürzlich Dispensen für den sonntäglichen Messebesuch kommuniziert und empfohlen, bis auf Weiteres auf Zungen-Kommunion und Weihwasser zu verzichten.

Dagegen rührte sich sofort Widerstand, etwa von Priester Roman Kneblowki, der in Bromberg die Messe noch nach dem Ritus aus dem Jahre 1545 auf Lateinisch liest. Das Weihwasser schütze vor dem Virus, behauptete Kneblowki und sagte noch vor einer Woche zu seiner Kirchgemeinde: «Ich bin stolz, dass ihr so zahlreich in die Kirche gekommen seid.» Mittlerweile ist auch diese Kirche verriegelt. Gebetet wird nun online.

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