Schätzungen zufolge nahmen Hunderttausende an den Demonstrationen teil. Sie forderten grundlegende politische Reformen im Land sowie den Rücktritt weiterer führender Vertreter der politischen Elite.

Die Proteste wandten sich auch gegen den starken Einfluss des Militärs auf die Politik. In Algier trugen die Demonstranten Plakate mit der Aufschrift "Nein zur Herrschaft der Generäle". Die Wut richtete sich vor allem gegen Armeestabschef Ahmed Gaid Salah, in dem viele ein Symbol der Herrschaft des zurückgetretenen Langzeitpräsidenten Abdelaziz Bouteflika sehen.

Die Polizei versuchte am Freitag zunächst, den Demonstranten in Algier den Zugang zum zentralen Platz an der Hauptpost zu versperren, wie Augenzeugen berichteten. Als die Zahl der Menschen jedoch immer weiter zunahm, gaben die Sicherheitskräfte den Weg frei.

Bouteflika war im April nach 20 Jahren an der Macht auf Druck der Strasse und der Armee zurückgetreten. Gegen enge Vertraute des früheren Staatschefs laufen mittlerweile Ermittlungen wegen Korruption. Unter anderem wurden Bouteflikas Bruder Said sowie zwei frühere Geheimdienstchefs festgenommen. Beobachter sehen darin einen Versuch der Armee, Konkurrenten um die Macht auszuschalten.