Hongkong

Zehntausende demonstrieren in Hongkong erneut gegen China

Die Demonstranten blockieren eine Strasse im Honkonger Distrikt Sha Tin.

Die Demonstranten blockieren eine Strasse im Honkonger Distrikt Sha Tin.

Rund einen Monat nach Beginn der Grossdemonstrationen in Hongkong verlagert sich die Protestbewegung immer stärker in die Aussenbezirke. Am Sonntag gingen Zehntausende Menschen im Stadtteil Sha Tin gegen den Einkaufstourismus auf die Strasse

Nach amtlichen Statistiken haben in den ersten fünf Monaten des Jahres fast 24 Millionen Menschen aus der dem chinesischen Kernland Hongkong besucht - knapp 18 Prozent mehr als im Vorjahr. In Hongkong leben rund 7,4 Millionen Menschen.

Gegen Abbau der Sonderrechte

Gleichzeitig traten die Demonstranten erneut für einen Erhalt der Sonderrechte von Hongkong ein. Vereinzelt waren Transparente zu sehen, auf denen eine Unabhängigkeit Hongkongs gefordert wurde. "Carrie Lam, fahr zur Hölle", skandierten einige Demonstranten und forderten erneut ihren Rücktritt.

Einige Kundgebungsteilnehmer schwenkten britische und amerikanische Flaggen. Andere richteten sich mit den Worten "Bitte befreie Hongkong" auf einem Banner an US-Präsident Donald Trump. Ein anderes Transparent zeigte den chinesischen Staatschef Xi Jinping zusammen mit der Forderung "Nach China ausliefern, verschwinde für immer".

Am Rande der Massendemonstration übernahmen einige kleinere Protestgruppen eine Strasse. Die Polizei versuchte, den Protest mit Pfefferspray und Schlagstöcken aufzulösen. Maskierte Demonstranten bauten daraufhin Barrikaden aus Metallgittern auf. In der Folge kam es zu Zusammenstössen.

In der Innenstadt Hongkongs schlossen sich am Sonntag Hunderte Menschen einer Demonstration von Journalisten an, die gegen Polizeigewalt protestierten. Die Medienschaffenden werfen Polizisten vor, sie misshandelt zu haben, während sie über die Proteste der vergangenen Monate berichtet hätten.

Ausschreitungen am Samstag

Am Samstag hatten bereits zahlreiche Menschen in einer anderen Stadt im Umland der Metropole gegen Händler demonstriert, die sich in Hongkong mit grossen Mengen an Waren eindecken und sie dann in der Volksrepublik weiterverkaufen. Kritiker werfen ihnen vor, für steigende Preise verantwortlich zu sein und keine Steuern zu zahlen.

Bei den Kundgebungen war es in der Grenzstadt Sheung Shui zu Zusammenstössen mit der Polizei gekommen. Die Polizei ging mit Schlagstöcken und Pfefferspray vor. Hongkongs Regierung verurteilte die Gewalt und erklärte zudem, sie sei bereits gegen die Grenzhändler vorgegangen.

Sie habe wegen der fraglichen Geschäfte in den vergangenen 18 Monaten 126 Personen aus der Volksrepublik festgenommen und 5000 weiteren wegen des Verdachts auf ähnliche Pläne die Einreise in die Sonderverwaltungszone verwehrt.

Seit Wochen auf der Strasse

Mit den jüngsten Demonstrationen setzt sich die Protestbewegung fort, die in den vergangenen Wochen in Hongkong schon Millionen Menschen auf die Strasse gebracht hat. Die chinesische Regierung bestreitet die Vorwürfe der Demonstranten, sich in die inneren Angelegenheiten Hongkongs einzumischen.

Die Proteste hatte sich im Juni an Plänen für ein Auslieferungsgesetz entzündet, die Hongkongs Regierungschefin Carrie Lam inzwischen als "gestorben" bezeichnet. Doch Kritiker fordern eine offizielle Rücknahme des Entwurfs, der Auslieferungen aus Hongkong nach China ermöglicht.

Die Metropole wurde 1997 von Grossbritannien an China zurückgegeben. Sie geniesst aber eine Reihe von Freiheiten, die in der Volksrepublik tabu sind.

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