Seat war einst als die sportlichste noch bezahlbare Marke des VW-Konzerns gedacht. Doch immer wieder wurde die Ausrichtung der spanischen Traditionsmarke korrigiert. Mal hiess es Emotionen über alles, dann wurden Brot-und-Butter-Autos ohne Pep auf die Räder gestellt. Was trotz Krise und Orientierungslosigkeit immer gleich war: Seat stellte in der Kompaktklasse ein besonders sportliches Modell zu den Händlern, egal was die Konzernchefs in Wolfsburg gerade für richtig hielten. Klar, dass auch der neue Seat Leon nun eine Cupra-Version bekam – und die hat es wirklich in sich. Der Leon Cupra hat 280 PS, liegt also leistungsmässig irgendwo zwischen seinen Brüdern Golf GTI und Golf R. Aber: Er hat keinen Allradantrieb, dafür das prima funktionierende Sperrdifferenzial aus dem GTI mit Performance Paket. Und für die «Sparfüchse» gibt es auch eine 265-PS-Version. Die wird in der Schweiz wohl kaum Beachtung finden.

Doch was will der Cupra zwischen all den Golf, dem Audi S3 und so weiter? Wieso soll man sich den Spanier mit  den deutschen Genen gönnen? Nur des Preises wegen? Das wäre zumindest ein guter Grund, denn der Leon Cupra ist doch deutlich günstiger als ein Golf R und in etwa mit dem Golf GTI zu vergleichen. Aber der hat «nur» 230 PS. Den Wolfsburger gibts ab 39  300 Franken, den Audi S3 mit 300 PS ab 53  300 Franken. Und der Seat? Da beginnt das Spiel bei 37  950 Franken (265 PS). Damit ist klar, das beste Preis-Leistungs-Verhältnis liegt beim Spanier. Doch reicht das? Deshalb haben wir gesucht. Und gefunden: Der Leon Cupra mit 280 PS ist das bissigste Auto aus dem Weltkonzern. Nein, nicht bösartig, aber agil, direkt, etwas ehrlicher als die Autos aus Wolfsburg oder Ingolstadt. Der Cupra fühlt sich im Vergleich zu Golf und Audi S3 am leichtfüssigsten an. Der Seat hat ein leichtes Heck, ist deutlich nervöser auf der Hinterhand als ein GTI. Und an der Traktion gibt es dank der mechanischen Sperre trotzdem nichts auszusetzen. Genauso wie beim Performance-Golf-GTI. Dank der guten Sitze sind flotte Kurvenfahrten erst recht ein Vergnügen. Schade nur, dass wir das mit dem Verbrauch nicht ganz glauben können. 6,6 Liter pro 100 Kilometer (egal, ob mit 265 oder 280 PS) erscheinen uns anhand der Testfahrten trotz serienmässiger Stopp-Start- Funktion doch etwas untertrieben. 7,5 Liter auf 100 Kilometer scheinen uns da viel realistischer.

Natürlich klingt der aufgeladene Vierzylinder im Bug nicht wie ein V8-Rennmotor, trotzdem ist er präsent. Und die virtuelle Geräuschanreicherung im Innenraum, die mittels Soundgenerator erreicht wird, ist angenehm zurückhaltend ausgefallen. Auch wenn uns die Abgasanlage mit den beiden ovalen Endrohren irgendwie unpassend erscheint. An diesem Auto ist nichts oval, ausser eben den beiden Endrohren. Zwei Rohre in der Mitte würden dem Seat sehr gut anstehen. Fahrdynamisch ist der Seat also nicht zu unterschätzen. Ist das der Punkt? Soll man ihn deshalb kaufen? Vielleicht, sicher ist aber, dass er – egal ob als Drei- oder Fünftürer – sehr schnittig aussieht. Und dass sich im Innenraum endlich was getan hat. Der Unterschied zu den VW-Modellen in Bezug auf Materialwahl und Verarbeitung ist nicht mehr so gross wie bisher; der Unterschied zu den zivilen Leon-Versionen ist aber leider auch nur marginal.

Wir können nicht abschliessend beurteilen, ob der Seat alles so gut kann wie seine Brüder und einfach nur billiger ist. Oder ob sich die Preisdifferenz doch anders erklärt. Aber wir kommen zum Schluss: Der heissblütige Spanier ist eine Überlegung wert. Allein schon, weil er im Vergleich zum Golf kaum auf den Strassen zu sehen ist. Wer nicht auf Allradantrieb angewiesen ist, ist mit dem Cupra bestens bedient. Ganz egal ob mit manuellem 6-Gang-Getriebe oder mit dem Doppelkupplungsgetriebe DSG. Einziger Dämpfer: Eine Cupra-Version für den Leon-Kombi ist leider nicht in Planung – dabei wäre diese Kombination aus Sportlichkeit und Nutzwert wahrscheinlich besonders reizvoll.