Chevrolet

Der Überflieger aus Amerika

Chevrolet Corvette Z06

Chevrolet Corvette Z06

Die Corvette Z06 kostet deutlich weniger als die Sportwagen-Konkurrenz – und ist unvergleichlich.

Seit gut einem Jahr ist die siebte Generation der Corvette auf dem Markt. Zwar könnten gerade in der Schweiz mehr Exemplare der amerikanischen Legende verkauft werden, als der Importeur liefern kann, doch so richtig angekommen ist die Vette immer noch nicht. Zu sehr umweht sie weiterhin der Ruch des Zuhälterschlittens, des Harry-Hasler-Bombers – geradeaus, so hält sich seit mehr als sechs Jahrzehnten der Ruf, sei sie schnell, in der Kurve aber eine Katastrophe. Das entsprach zwar nie den Tatsachen, ist ein Gerücht, das vor allem deutsche Magazine zum Schutz der eigenen Auto-Industrie eine Ewigkeit lang verbreitet haben, doch die Mär hält sich hartnäckig, obwohl schon der Vorgänger so ziemlich jeden Vergleichstest, nicht nur im Bereich Verhältnis Preis/Leistung, gewonnen hatte.


Die neue C7-Corvette, angetrieben von einem 6,2-Liter-V8, der 466 PS leistet, ist ab 94 900 Franken erhältlich. Ähnliche Fahrleistungen kosten bei der Konkurrenz aus Deutschland und Italien mindestens das Doppelte. Doch jetzt legt Chevrolet eine Schippe drauf. Z06 heisst das Top-Modell der Corvette, wieder der 6,2-Liter-V8, doch jetzt mit Kompressor und damit 659 PS. Und einem maximalen Drehmoment von 881 Nm. Geschaltet wird manuell über ein 7-Gang-Getriebe oder automatisch über 8 Gänge – die Kraft wird selbstverständlich ausschliesslich auf die Hinterräder übertragen. In 3,4 Sekunden rennt die Z06 auf 100 km/h, die Höchstgeschwindigkeit beträgt 315 km/h. Schon auf dem Papier dringt die Z06 also in den Bereich der Supersportwagen vor, Porsche 911 Turbo, Ferrari F12 berlinetta, Lamborghini Aventador. Bloss: Der Basispreis für diese Über-Vette beträgt schon fast beschämende 124 900 Franken. Der Turbo von Porsche kostet mindestens das Doppelte, der Ferrari und der Lamborghini das Dreifache.

Corvette Z06

Corvette Z06

Nun gut, sagt sich der aufs Image bedachte Pilot: Geradeaus mag die Corvette vielleicht flott sein, aber was ist in den Kurven? Weil ja nun noch ein paar Franken übrig sind, greift der wahre Kenner bei der Corvette Z06 noch zum Z07-Performance-Pack, das es für einen Aufpreis von 17 400 Franken gibt. Da sind dann die Keramik-Bremsen noch inbegriffen, Semi-Slicks von Michelin (hinten: 335/25 ZR 20...), ein paar aerodynamische Massnahmen und ein nochmals geschärftes Fahrwerk. Was zur Folge hat, dass die Corvette auf der Rennstrecke gemäss (deutschen!) Fachmagazinen alle Konkurrenten nass macht.


Ja, die Vette ist ein Vieh, ein grobes: Das Fahrpedal will sehr, sehr feinfühlig dosiert sein, sonst hat das Heck bald schon einen heftigen Drang nach aussen. Aber auch wenn dem so ist: kein Problem. Der Amerikaner kündet an, was er zu tun gedenkt; der einigermassen alerte Pilot hat keine Probleme, die entsprechenden Massnahmen einzuleiten und durchzuführen. Und wird es einmal gar zu wild, dann ist da noch das ESP, dessen Wirkung sich in vier Stufen auf das Können (und den Mut) des Fahrers einstellen lässt. Und so ist es dann das pure Vergnügen, die Vette über den Berg zu bewegen – ein Fahrzeug, das seinen Piloten noch fordert, das gefahren werden will. Im Gegensatz zum «Gefahrenwerden», das andere Hersteller propagieren.


Unglaublich, wie der V8-Motor dreht. Ab 1600/min ist auf dem Highway die Hölle los, wie eine Turbine dreht er hoch auf über 6000/min. Unglaublich der Sound. Sehr tief, sehr sonor, sehr souverän. Unglaublich das Fahrwerk, das elektromagnetisch quasi jede Unebenheit ausbügelt – und deshalb neben gnadenloser Sportlichkeit schönen Komfort bieten kann. Selbstverständlich ist die Corvette innen in Sachen Verarbeitung und Materialbeschaffenheit nicht auf der Höhe eines Porsche, auch ist das Leder nicht derart fein wie in einem Ferrari. Die Bedienung … man gewöhnt sich dran. Dafür gibt es einen Kofferraum, der auch einen Kombi erblassen lässt. Und die Sitze sind ausgezeichnet. Und die Bremsen ein Traum – es sind Rekordwerte für ein serienmässig hergestelltes Fahrzeug, welche die Z06 erzielt. Nicht Porsche, nicht Mercedes, nicht Audi – Corvette. Überhaupt die Technik: Es ist zwar nur ein Zweiventil-Motor, doch da ist darüber hinaus Alurahmen, Direkteinspritzung, Active Fuel Management (Zylinderdeaktivierung), kontinuierliche variable Ventilsteuerung, magnetorheologische Stossdämpfer (Magnetic Selective Ride Control), elektronisches Sperrdifferenzial, Trockensumpfschmierung.

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