911 Turbo S vs. GT-R

Das grosse Turbo-Duell

Porsche 911 Turbo S gegen Nissan GT-R

Porsche 911 Turbo S gegen Nissan GT-R

Nissan GT-R gegen Porsche 911 Turbo S – Sechs Zylinder, zwei Turbolader, Allradantrieb und jeweils weit über 500 PS.

Unterschiedlicher als der Nissan GT-R und der Porsche 911 Turbo S können zwei Sportwagen eigentlich nicht sein. Das macht schon die Optik klar: Das kantige Monster aus Japan trifft auf den rundlichen, vergleichsweise zierlichen Athleten aus Stuttgart. Doch unter dem Blech finden sich überraschend viele Gemeinsamkeiten. Beide Leistungssportler vertrauen auf sechs Zylinder, 3,8 Liter Hubraum und zwei Turbolader. Während die Zylinder beim Japaner in V-Anordnung unter der Fronthaube sitzen, sind sie beim 911er typischerweise in Boxer-Bauweise im Heck untergebracht. Leistung mobilisieren sie beide mehr als genug: 570 PS und 637 Nm sind es beim Nissan, 580 PS und 750 Nm beim Porsche. Daher macht es auch durchaus Sinn, dass beide Turbo-Monster auf Allradantrieb setzen. Geschaltet wird hier wie da über ein Doppelkupplungsgetriebe mit sechs Stufen beim Nissan und deren sieben beim Porsche. Trotz derart vieler Gemeinsamkeiten: Der Nissan GT-R und der Porsche 911 Turbo S sind zwei völlig unterschiedliche Wesen.

Brachial und zivilisiert
Angesichts der üppigen Leistungsdaten erstaunt es zunächst, wie geschmeidig und brav sich die beiden Kraftmeier im Alltag bewegen lassen. Hier wie da schaltet das Getriebe im Automatik-Modus verschliffen und hält die Drehzahl tief. Mit dem Facelift auf die aktuelle Version konnte der GT-R in dieser Hinsicht klar zulegen – und kann dem Porsche durchaus Paroli bieten. Nur auf der Autobahn ist das Drehzahlniveau hörbar höher, da der Japaner auf einen siebten Gang verzichtet. Auch die Abrollgeräusche sind höher. Dennoch: Auch lange Strecken sind in beiden Probanden angenehm und problemlos machbar, zumal sich auch der Verbrauch in Grenzen hält. Der GT-R lässt sich bestenfalls mit 10,5 l/100 km bewegen, der Porsche lässt sich gar auf rund 9 l/100 km drücken. So geschmeidig und klaglos die beiden Turbo-Sprinter den Alltag auch über sich ergehen lassen, gebaut sind sie eigentlich für puren Fahrspass.

Der Nissan GT-R legt in dieser Disziplin schon mal stark vor. Sein Turbomotor nimmt spontan Gas an und wirkt unheimlich druckvoll. Gepaart mit der starken Allrad-Traktion und dem schnell schaltenden Getriebe, stürmt er unerbittlich nach vorne. Trotz rund 1800 kg Leergewicht kann der GT-R aber nicht nur auf der Geraden überzeugen. Die gefühlvolle Lenkung wirkt sehr präzise und lässt «Godzilla», wie das japanische Monster umgangssprachlich genannt wird, direkt einlenken. Zwar wurde das Fahrwerk mit dem neuesten Facelift deutlich weicher abgestimmt und erlaubt daher eine Spur mehr Rollneigung. Doch das steht dem Sportler gut zu Gesicht, da er sich dadurch besser einschätzen lässt. Zwar zeigt der GT-R, vor allem unter Last, eine deutliche Tendenz zum Übersteuern, bleibt aber gut beherrschbar. Und bringt kurvige Passagen beeindruckend leichtfüssig hinter sich.

Porsche 911 Turbo S vs. Nissan GT-R

Porsche 911 Turbo S vs. Nissan GT-R

Vergleich: Porsche 911 Turbo S gegen Nissan GT-R

Mehr kostet mehr
Die Messlatte liegt also hoch. Doch davon lässt sich der 911 Turbo S nicht wirklich abschrecken. Schliesslich bringt er ein über 100 kg tieferes Eigengewicht, 10 PS und über 90 Nm mehr Drehmoment mit. Zudem verfügt der 911er über eine aktiv gelenkte Hinterachse, die ihn in engen Kehren agiler und bei hohen Geschwindigkeiten stabiler auf der Strasse liegen lässt. Schon auf den ersten Metern wirkt der Turbo noch verschliffener und perfektionierter als der GT-R. Der Porsche wirkt dadurch erwachsener, der Nissan dafür wilder. In Sachen Fahrdynamik ist der Zuffenhausener schliesslich aber alles andere als zurückhaltend und kann so gar im Vergleich zum GT-R nochmals eine Schippe drauflegen. Er wirkt noch direkter, noch agiler und noch präziser. Überragend ist vor allem, wie der Turbo S aus engen Kehren herausbeschleunigt und sogar «Godzilla» das Fürchten lehrt. Der Turbomotor im 911er-Heck verfügt über variable Lader für noch besseres Ansprechverhalten und kann dies auch spürbar in die Realität umsetzen. Trotz allem wirkt er – nicht zuletzt dank dem feinfühligen Allradsystem und den sauber abgestimmten Regelsystemen – sehr leicht beherrschbar. Er teilt seinem Fahrer mit, was an den Rädern geschieht, und bietet Optionen, um die Situation zu entschärfen; zur Not auch mit der massiven Keramikbremse, die erbarmungslos und ausdauernd verzögert. Aber: Dieses Plus an Fahrdynamik und Hightech hat auch seinen Preis. Der Nissan GT-R ist 119 900 Franken zu haben. Gemessen am Gebotenen ein sehr fairer Preis. Der Turbo S kostet gut das Doppelte.

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