Seit BMW im Jahr 2004 mit dem 1er in die Kompaktklasse eingestiegen ist, konnten die Bayern von der Modellreihe knapp 2,5 Millionen Wagen verkaufen. Entsprechend hoch hängen die Erwartungen an die neue, dritte Generation, die Ende September zu den Händlern rollt. "Der Input der Kunden betraf oft den Wunsch für mehr Platz im Fond und für Gepäck", sagt Bernhard Blättel, Vizepräsident Produktmanagement der Kompaktklasse. Das sei ein Haupttreiber für die Umstellung von Hinter- auf Vorderradantrieb gewesen. Erfüllt! Denn durch den Wegfall der angetriebenen Hinterachse und durch den reduzierten Kardantunnel bietet die neue Rücksitzbank mehr Raum im Schulter- sowie im Beinbereich. Der Kofferraum ist um 20 auf 380 Liter gewachsen.

Fahrdynamik

Für die BMW-Entwickler stand daneben die Beibehaltung der bisherigen Fahrdynamik ganz oben auf der Traktandenliste. Die komplett neue Architektur des Wagens ist rund 30 kg leichter geworden, obwohl sie von immensen Bemühungen um eine hohe Torsionssteifigkeit begleitet ist. "Die gezielte Steifigkeit in der Struktur garantiert ein präzises Ansprechen von Federbeinen und Dämpfern und sorgt für ein ungetrübtes Fahrverhalten", sagt Andreas Stumm vom Fahrwerkteam. Ein eigentliches Strebensystem bietet speziell auf jede Motorisierung abgestimmte Versteifungen an Vorder- und Hinterachse.

Zum Marktstart gibt es zwei Benzin- und drei Dieselmotoren. Beide Basismotoren (118i und 116d) sind 1,5-Liter-Dreizylinder mit 140, resp. 116 PS, die wahlweise auch mit 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe erhältlich sind. Der mittlere Diesel 118d ist ein Zweiliter-Vierzylinder mit 150 PS und kann auf Wunsch mit einer 8-Gang-Wandlerautomatik geordert werden. Die beiden Topmodelle 120d und M135i sind ebenfalls Zweiliter-Triebwerk mit 190, respektive 306 PS. Sie tragen beiden den Zusatz xDrive, sind daher serienmässig mit Allradantrieb bestückt und kommen mit der 8-Stufen-Automatik.

Traktion über alles

"Unsere grösste Herausforderung lag darin, die Traktion derart sicher zu stellen, dass das Fahr- und Kurvenverhalten möglichst nahe am bisherigen Hinterradantrieb zu liegen kommt", sagt der leitende Antriebsingenieur Christian Bock. Die Lösung liegt in der sogenannten Aktor-nahen Radschlupf-Begrenzung ARB. Sie hatte mit dem BMW-E-Mobil i3S Premiere und findet im 1er jetzt erstmals bei einem Verbrennungsmotor Einzug. Bislang wird die Traktionskontrolle von der Fahrdynamikregelung ESP gesteuert, welche die Korrekturen an den Motor und die Bremsen weiterleitet. Beim ARB erkennen auch die Radsensoren die Traktionsprobleme, aber die Regelung erfolgt direkt in der Motorsteuerung, welche die Kurbelwellendrehzahl korrigiert. "Dadurch regeln wir bis zu zehn Mal schneller als bisher", erklärt Bock den gut spürbaren Unterschied.

Ergänzend zu ARB setzt BMW im neuen 1er auch Performance-Control serienmässig ein. Hier wird mittels gezielter Bremseingriffe auf den kurveninnern Rädern die Giermoment-Verteilung beeinflusst und dem Wagen ein neutrales Eigenlenkverhalten anerzogen. Das funktioniert auch bei den AWD-Modellen, wo der sogenannte Hang-on-Allrad bei Bedarf bis zu 50 Prozent des Drehmoments auf die Hinterräder leitet. Im M135i xDrive nutzt BMW zudem ein Torsendifferenzial an der Vorderachse.

Erleben

Auf einer ersten Erkundungstour sind wir den 118d mit Automatik und das sportliche Topmodell M135i xDrive gefahren. Dabei hat uns die Fahrwerksabstimmung des Diesels besonders gefallen, mit hohem Schluckvermögen und gleichwohl dynamischem Kurvenverhalten. Die optionale Dämpferverstellung lässt das Fahrwerk spürbar steifer agieren. Beim Sportmodell sorgen die M-Sport-Abstimmung und die Tieferlegung um 10 mm für ein sehr straffes Fahrgefühl, das sich optional ebenfalls durch adaptive Dämpfer zusätzlich "dynamisieren" lässt. Bei beiden Fahrzeugen bleiben die Antriebseinflüsse auf ein Minimum beschränkt, was für die effiziente Regelung von ARB spricht.

In Sachen Konnektivität und Assistenzsysteme bietet der neue 1er neu die Möglichkeit, das Smartphone zum Fahrzeugschlüssel umzufunktionieren und diese Funktion auf bis zu fünf Handys zu nutzen. Zudem gibt es den Auspark-Assistenten. Er merkt sich die stets letzten 50 Meter und übernimmt beim Zurückfahren auf Geheiss die Lenkarbeit auf der kurzen Strecke. Das ist in komplexen oder besonders engen Gegebenheiten hilfreich.

Die Preise beginnen mit dem 118i bei 36'100 Franken und enden mit dem M135i xDrive bei 58'600 Franken. Bei den drei Dieselversionen dazwischen stehen die Preise beim 116d bei 37'800 Franken, beim 118d bei 39'300 Franken und beim 120d xDrive bei 44'200 Franken.