Sanft zieht sich die Tür ins Schloss und mit einem Augenblick ist die Hektik der Grossstadt am Zürcher Hauptbahnhof ausgesperrt. «Das ist wie ein NoiseCancelling-Kopfhörer, der Umgebungsgeräusche ausblendet. Nur der unangenehme Druck auf die Ohren fehlt», sagt Simon Lilli, als er in den grossen 7erBMW einsteigt. Begleitet wird er von Kollege Jan Wollmann. Die beiden Musiker des Basler Kammerorchesters müssen zum Opernhaus chauffiert werden – und sollen unterwegs genau hinhören. Denn der neue M760 Li von BMW ist nicht zuletzt auch ein Fest für die Ohren. Ein sanftes Beben geht durch den Wagen, wenn der Anlasser den mächtigen 12-Zylinder anreisst. 6,6 Liter Hubraum und zwei Turbolader sorgen für 610 PS und 800 Nm Drehmoment. Man könnte natürlich sofort lospreschen, den über zwei Tonnen schweren Wagen in weniger als vier Sekunden auf 100 km/h beschleunigen – oder theoretisch gar mit über 300 km/h über die Autobahn hetzen. Oder aber: Man geniesst die absolute Souveränität und die beeindruckende Stille. Vom Motor ist nach dem Anlassen praktisch nichts mehr zu vernehmen. Sowohl Geräusche als auch Vibrationen sind im Innenraum schlichtweg nicht vorhanden. Dies nicht nur dank der guten Dämmung, sondern auch, weil der 12-Zylinder-Motor diesbezüglich fast unschlagbar ist. Er ist, vereinfacht formuliert, perfekt ausbalanciert, sodass keine Vibrationen entstehen können. Zudem braucht er sich dank grossem Hubraum und viel Durchzugskraft kaum anzustrengen, um die grosse Limousine souverän im Verkehr mitschwimmen zu lassen. Das alles macht den Innenraum des 7ers erst recht zur Oase der Stille. Oder reicht es gar zum Konzertsaal? Genau das sollen die beiden Berufsmusiker beurteilen.

Feine Töne

«Klassische Musik eignet sich normalerweise schlecht fürs Auto», meint Wollmann. Es gibt einfach zu viele Störgeräusche, welche die leisen Passagen überdecken. Der M760 Li kann aber nicht nur mit den beschriebenen leisen Tönen punkten. Er ist obendrein mit einem Audio-System ausgestattet, das diese Stille zum echten Konzertsaal machen will. Der britische Audio-Spezialist Bowers & Wilkins verbaut 16 Lautsprecher im Innenraum – sogar Hochtöner mit echten Diamanten, die für besonders klare Spitzen sorgen sollen. Das System kommt auf eine Gesamtleistung von 1400 Watt und will auch anspruchsvolle Musikkenner begeistern können. Wir beginnen mit leisen Tönen: Bruckners 7. Sinfonie. «Das im Pianissimo flirrende Tremolo zu Beginn geht unter die Haut. Und das in der Zürcher Rushhour!», gibt sich der Experte begeistert. Musik, die im Auto eigentlich fast nicht geniessbar ist, wird plötzlich zum Erlebnis. «Wenn dann die Celli einsetzen, fühlt man sich vom warmen, sonoren Klang eingebettet und vergisst, dass man in einem Auto sitzt.» Man setzt sich also besser in den geräumigen Fond der 5,24 Meter langen Limousine, um vollends dem Musikgenuss zu verfallen; denn auch wenn der 7er BMWs Technikvorreiter sein will und bei Bedarf zudem selbstständig die Spur halten kann, ist im Stadtverkehr Konzentration gefragt.

Die volle Vielfalt

Als M760 Li xDrive, wie der Top-7er mit vollem Namen heisst, bietet die grosse Limousine eine breite Auswahl an Talenten: Vom fast geräuschlosen, äusserst geschmeidigen Dahingleiten bis zum dynamischen Kurvenflitzen dank Allradantrieb und Vierradlenkung ist fast alles möglich. Nur allzu enge Strässchen sind aufgrund der grossen Abmessungen nicht das bevorzugte Revier der Limousine.
Genauso vielseitig talentiert gibt sich auch das Audio-System. Es begeistert bei Dunkelheit auch optisch mit edlen, aus dem Vollen gefrästen Abdeckungen und stilvoller Beleuchtung, kann unauffällig und präzise auch gesprochene Nachrichten oder Hörbücher wiedergeben, für dezente Hintergrundmusik sorgen oder eben auch den Innenraum zum Konzertsaal machen. Man wähne sich in einem grossen Konzertsaal, oder fühle sich gar, als sässe man mitten im Orchester, «wenn die ‹Alpensinfonie› von Richard Strauss an ihren klanggewaltigen Höhepunkten alle Register des Orchesters fordert», meint Jan Wollmann. «Fast», wirft sein Kollege Simon Lilli ein. «Es fehlt natürlich der optische Reiz. Dass man die Musiker auch spielen sieht.» In Sachen Klang gibt es aber gar nichts einzuwenden. Auch nicht, wenn wir von klassischer Musik zu einem Klassiker der Rockmusik wechseln: «September» von Earth Wind & Fire. Eine Herausforderung für die Stereoanlage. Schliesslich will man auch beim vollen Einsatz des Schlagzeuges die Trompete noch klar und unverfälscht hören. Ein Spagat, der die Anlage im 7er problemlos meistert. Und: Egal, wie laut man aufdreht, es verzerrt nichts. Wetten, dass die Ohren vor der Musikanlage an ihre Grenzen stossen?
Ein angenehmer Nebeneffekt der guten Klangisolation: Die Musik dringt bei geschlossenen Fenstern kaum nach aussen. Der «Noise-Cancelling-Effekt» funktioniert auch andersrum. Man kann sich im M760 Li also auch ein lautstarkes Konzert nachts im Wohnquartier gönnen, ohne jemanden zu verärgern. Zumindest solange, wie Fenster und Türen geschlossen bleiben.

Der Preis der Stille

Gewiss, der M760 Li bewegt sich bevorzugt in Kreisen, in denen man nicht über Geld spricht. Man hat es. Dennoch stellt sich bei der Ankunft am Opernhaus die Frage nach dem Preis. Musiker Simon Lilli öffnet die Tür, das hektische Treiben der Stadt ist nun plötzlich wieder deutlich zu hören und schwappt wie eine Welle über die beschauliche Stille im luxuriösen Interieur. «Dieses Auto ist gewissermassen eine Oase der Stille. Ein echter Luxus in der heutigen, hektischen Zeit», meint er. Und dieser Luxus kostet mindestens 220 710 Franken für das Topmodell. Das Soundsystem von Bowers & Wilkins kann für jeden 7er optional geordert werden; es kostet 5640 bis 7170 Franken. Den absolut souveränen 12-Zylinder-Motor gibt es allerdings nur im Topmodell.