Test: VW Tiguan

Er klettert und klettert und klettert

VW Tiguan

VW Tiguan

Der neue VW Tiguan klettert in der Verkaufsstatistik nach oben. Warum, das zeigt der Test.

Die meistverkauften VW bleiben Golf und Polo, daran lässt sich nicht rütteln. Doch bei den weiteren Modellen der Marke gibt es einen Aufsteiger, der den etablierten Modellnamen wie Passat, Sharan und Touran langsam aber sicher den Rang abläuft: Der Tiguan. In seiner Neuauflage wird er mehr denn je zur Alternative zu Kombi und Van und lockt die Kunden.

Mit 4089 Zulassungen bis Ende August liegt er zwar dieses Jahr noch hinter Golf und Polo, doch die neue Generation ist auch gerade eben gestartet. Erstmals basiert der Tiguan nun auf dem MQB, der Konzernplattform, auf der auch Golf und Passat aufgebaut sind. Entsprechend vertraut fühlt es sich auch an, wenn man im Tiguan Platz nimmt; nur ist eben die Sitzposition ein gutes Stück höher, was nicht nur das Ein- und Aussteigen erleichtert, sondern auch die Übersicht verbessert; genau das, was die Kunden eben wünschen. Die Offroad-Eigenschaften dürften bei den meisten Käufern eine eher untergeordnete Rolle spielen, auch wenn sie durchaus vorhanden wären. Allradantrieb gibt ausser in der Basisversion immer, zahlreiche Fahrmodi und 20 Zentimeter Bodenfreiheit besorgen den Rest. Wenn es denn doch mal sein muss.

Viel wichtiger ist im Leben mit dem Tiguan aber das alltägliche Leben auf der Strasse. Und das meistert der Wolfsburger Liebling sehr souverän. Das beginnt schon beim Entern des Cockpits. Hier passt alles wie angegossen. Die Sitzposition ist vielfach einstellbar und passt hervorragend, die Verarbeitung im Interieur ist grundsolide. Die Navi-Einheit stammt ebenfalls aus dem Konzernregal und gibt auch im Tiguan keine Rätsel auf. Allgemein wirkt die Bedienung durchdacht und simpel – man fühlt sich sofort zu Hause und findet auch Funktionen wie die Einpark-Automatik auf Anhieb.

Erstmals im Tiguan ist auch ein Headup-Display erhältlich. Mit dem sinnvollen Technik-Paket für 2240 Franken kommt dies zwar ohne Aufpreis, wirklich notwendig ist es aber nicht. Einerseits, weil es nichtdirekt in die Frontscheibe, sondern in einen nicht sehr edel wirkenden Reflektor projiziert, vor allem aber, weil der Tiguan auch mit dem digitalen Cockpit ausgestattet ist. Anstelle von analogen Instrumenten ist ein 12,3-Zoll grosser Monitor verbaut, der sämtliche relevanten Infos anzeigen kann. Von Geschwindigkeit und Drehzahl über Verbrauch und Reichweite, bis hin zu Navigation und Tempolimit. Das Headup-Display sorgt also schon fast für einen Informationsüberfluss. Aber: Wie man fast alles im Tiguan auf seinen Geschmack anpassen kann, kann man auch dies ein- oder ausschalten.

Flott und wendig

Der Testwagen ist mit einem 2-Liter-Benziner mit 180 PS ausgestattet. Der erfreut im Alltag vor allem mit unauffälliger Laufkultur und gutem Durchzug, auch wenn das 7-Gang-DSG-Getriebe bei tiefen Drehzahlen ab und zu ein bisschen zügiger arbeiten dürfte. Jammern auf hohem Niveau, denn im Grunde passt der agile Benziner, der sich im Test knapp 8 l/100 km Benzin genehmigte (Werksangabe 7,4 l/100 km), perfekt zum kompakten SUV, dass sich auf der Strasse durchaus sportlich anfühlt. Auch hier erinnert der Tiguan stark an seine flacher gebauten Brüder und fühlt sich auch auf kurvigen Strecken nicht fehl am Platz an. Er fühlt sich genauso kontrolliert und verschliffen an, wie man es von Golf und Passat kennt. Auch der Fahrkomfort hebt sich nicht ab, was aufgrund der höheren Bodenfreiheit etwas erstaunt. Es braucht aber schon sehr grobe Lücken im Asphalt, um den Tiguan tatsächlich aus der Ruhe zu bringen.

Zugelegt hat der Tiguan auch beim Platzangebot, bis zu 1655 Liter lassen sich bei umgelegter Rückbank verstauen. Hinzu kommt, dass sich die hinteren Sitze verschieben und in der Neigung verstellen lassen, was das Reisen in der zweiten Reihe noch bequemer macht – oder für mehr Gepäckraum sorgt. Ein stimmiges Paket, was den Tiguan zu Recht zum neuen Liebling im VW-Programm macht.

VW will dafür mindestens 28200 Franken, dann allerdings ohne Allradantrieb und in bescheidener Ausstattung. Der gut ausgestattete Testwagen, unter anderem mit Panorama-Dach, Lederausstattung, Rundum-Kamera und LED-Licht mit Fernlichtautomatik kommt auf 54 720 Franken.

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