Erst die Pflicht, dann die Kür. Ein Credo, das sich auch Autoentwickler oft zu Herzen nehmen müssen.

Mit dem i30 haben die Verantwortlichen bei Hyundai die Pflicht mehr als erfolgreich abgehakt. Der in Europa entwickelte Kompakte gefällt nicht nur mit seinem Design, sondern auch mit seinen tadellosen Fahreigenschaften zum vernünftigen Preis. Damit lässt der i30 eigentlich keine Wünsche offen.

Nur wenn es um Emotionen geht, konnte der i30 bislang noch nicht allzu viel bieten. Doch das soll sich nur ändern: Der Buchstabe «N», er steht bei der Marke nicht nur für den Firmensitz Namyang, sondern auch für «Nürburgring», soll nun für sportliches Flair und positive Emotionen sorgen.

Was «RS» bei Audi, «M» bei BMW oder «AMG» bei Mercedes ist, soll bei Hyundai künftig also «N» sein. Eine sportliche Linie, die sich in Zukunft durch die ganze Modellpalette der Koreaner ziehen soll. Ein ehrgeiziges Projekt, das aber gut zu den ohnehin hochgesteckten Zielen von Hyundai passt. Die Koreaner wollen die Nummer eins unter den asiatischen Marken in Europa werden und planen eine grosse Produktoffensive: Bis 2021 sollen dreissig neue Modelle hinzukommen; davon bestimmt auch einige mit dem Buchstaben «N» an Front und Heck.

Lang ersehnt

Den Anfang macht nun der i30 N. Der kompakte Fünftürer will von nun an gegen VW Golf GTI, Ford Focus ST, Seat Leon Cupra und weitere Vertreter aus der Liga der kompakten Alltagssportler antreten. Ein umkämpftes Segment, in dem es nicht nur um pure Leistung, sondern auch um Image und Kosten geht. Doch am Anfang steht nun mal die Leistung: 275 PS aus einem 2-Liter-Turbomotor können sich in den Riegen der kompakten Sportskanonen durchaus sehen lassen und bescheren dem Neuling gar einen Vorsprung auf den Klassiker schlechthin, den VW Golf GTI Performance, der mit 245 PS an den Start rollt. Beim Sprint auf 100 km/h herrscht allerdings Gleichstand: 6,4 Sekunden braucht der i30 N, den es nur mit knackig-präziser 6-Gang-Handschaltung gibt, dafür. Schluss ist erst bei 250 km/h.

Beschleunigung und Höchstgeschwindigkeit sind zwar beliebte Kennzahlen, wenn es darum geht, ein sportliches Auto einzustufen, letztendlich aber eben doch nur die halbe Miete. Denn auf jede Gerade folgt wieder eine Kurve. Und auf die hat es Hyundaimit dem i30N besonders abgesehen, schliesslich soll der Buchstabe «N» nicht nur aus Zufall an die berühmte Rennstrecke in Deutschland erinnern, wo der neue Sportler getestet und abgestimmt wurde.

Keck ums Eck

Im Vergleich zum herkömmlichen i30 liegt die «N»-Version um acht Millimeter tiefer. Das Fahrwerk wurde komplett überarbeitet und verfügt über adaptive Stossdämpfer, die sich in drei Stufen verstellen lassen. Dies geschieht über zwei grosse Tasten am Lenkrad. Im Normal-Modus wirkt das Fahrwerk zwar sportlich straff, federt aber auch grobe Schlaglöcher noch weg, ohne durchzuschlagen. Das wirkt durchaus alltagstauglich, auch wenn die Abrollgeräusche im Innern deutlicher zu hören sind, als in den zivileren Varianten.

Dafür wirkt der i30N vor allem im Sportmodus, oder gar im extrascharfen «N-Mode» sehr knackig und handlich. Der Koreaner lenkt direkt und willig in Kurven ein und erfreut mit guter Balance. Beim harten Anbremsen auf der Rennstrecke kann das Heck vor der Kurve zwar etwas leicht werden, wie es sich für einen sportlichen Fronttriebler gehört, insgesamt wirkt der i30 N aber sogar hier sehr sicher und stabil.

Der Einsatz auf der Rennstrecke wird zwar nicht zum Alltag gehören, doch wer sich das Sportmodell von Hyundai gönnt, wird einen Abstecher auf abgesperrtes Terrain vielleicht hie und da in Erwägung ziehen. Dass der «N» das mitmacht, ist also nicht unwichtig.

So sind im Hyundai -Zubehör unter anderem auch sportliche Semislick-Reifen und stärkere Bremsbeläge erhältlich. Die Bremsanlage an sich stammt nicht wie bei vielen Sportmodellen heutzutage von Brembo oder einem ähnlich renommierten Zulieferer.

Sie verfügt auch weder über gelochte oder geschlitzte Scheiben noch über einen besonders widerstandsfähigen Festsattel. Stattdessen hat Hyundai die Bremsanlage aus den grösseren und schwereren SUV-Modellen adaptiert, um kosten zu sparen. Bei den ersten Testfahrten auf der Rennstrecke von Vallelunga, nahe Rom, zeigt die Bremse auch so kaum Schwäche und fühlte sich auch nach mehreren Runden noch verlässlich stark an.

Aber natürlich wird sich der i30 N hauptsächlich auf geschwungenen Landstrassen behaupten müssen.

Hier, wo es nicht um messbare Bestzeiten, sondern vor allem um Emotionen und Herzklopfen geht, scheint der i30 N schliesslich vollends in seinem Element zu sein.

Das knallt

Vor allem enge Kehren liegen dem Fronttriebler überraschend gut. Das Sperrdifferenzial an der Vorderachse baut wirkungsvoll Grip auf und lässt den Fünftürer wie auf Schienen ums Eck ziehen; sofern man ihn an harter Hand führt. Denn die Antriebseinflüsse sind an der Lenkung deutlich spürbar. Das kann man als störend empfinden, genauso gut aber auch als Anreicherung des Fahrspasses empfinden.

Auf jeden Fall dem Fahrspass zuträglich ist der Klang, den der 4-Zylinder im sportlichen Fahrmodus von sich gibt. Zwar wird dieser im Innenraum digital über die Stereoanlage angereichert, doch steckt auch viel ehrliche, mechanische Arbeit dahinter, damit sich der erste Sportler von Hyundai auch von aussen kernig und sportlich anhört. Mit sonorem Bass bei tiefen Drehzahlen, knackig einsetzendem Drehzahlbegrenzer und kräftigen Fehlzündungen im Schubbetrieb gehört der i30 N in Sachen Klang zweifellos zu den Besten in seiner Klasse.

Das mag zwar objektiv gesehen Nebensache sein, ist aber nicht zu unterschätzen, wenn es darum geht, sich eine treue Fangemeinde für die Zukunft zu schaffen.

Fans dürfte der i30 N zweifellos finden. Nicht nur weil er mit kräftiger Stimme auf sich aufmerksam macht, sondern schlussendlich auch, weil er sehr viel bietet fürs Geld.

Der Sportler, der ab 1. November erhältlich ist, kostet ab 36990 Franken. Mit voller Ausstattung als i30 N «Exclusive» kostet der Koreaner 41 900 Franken. Und damit genauso viel wie ein VW Golf GTI Performance in der Basisausstattung ohne Optionen. Das kann sich sehen lassen, zumal der i30 N sowohl was den Alltagsnutzen als auch was den Komfort betrifft keinerlei Kompromisse eingeht.

Der Einstand von Hyundai in die Welt der sportlichen Strassenautos ist mit dem i30 N also durchaus geglückt. Er bietet viel Fahrfreude, wirkt aber dennoch nicht zu kompromisslos.