Der meistverkaufte Jaguar ist inzwischen ein SUV: 640 F-Pace hat die Traditionsmarke bis Ende Oktober in der Schweiz verkauft.

Von den klassischen Limousinen und Sportwagen, für die die britische Marke eigentlich bekannt und beliebt ist, waren es deutlich weniger. Ein Grund für den grossen Vorsprung des SUVs könnte anderswo in der Modellpalette zu finden sein, zumindest auf dem Schweizer Markt: Bei Jaguar gab es zwar von der Vorgänger-Generation des XF von 2012 bis 2015 einen Kombi. Doch dieser wurde ausschliesslich mit Hinterradantrieb verkauft. Seit 2015 steht Jaguar sogar ganz ohne Kombi da.

Das ändert Jaguar nun mit der zweiten Generation des XF Sportbrake. Damit er gegen die Übermacht der SUVs besser gerüstet ist, wird dieser nun auch mit Allradantrieb gebaut. Doch er will nicht nur damit punkten. Denn mit der neuen Generation des XF hat Jaguar schon einen grösseren Schritt in die Moderne gemacht; sowohl beim Design als auch bei der Technik. Diesen Weg geht der Sportbrake nun konsequent weiter.

Optische Täuschung

Ein grosser Kombi stellt nicht zuletzt auch für die Designer eine Herausforderung dar: Es gilt, möglichst viel Stauraum möglichst elegant zu verstecken. Der Kombi soll möglichst fliessend und sportlich erscheinen, aber dennoch Platz ohne Ende bieten.

Auch beim XF Sportbrake ermöglicht die Gestaltung der Fensterlinien die Lösung dieses Konflikts. Während die Linie der Seitenscheiben am Heck leicht abfällt, um den Kombi leichter und flacher wirken zu lassen, bleibt die Dachlinie höher, um Platz für Gepäck freizulassen. Bis zu 1700 Liter sind es bei umgeklappter Rückbank, mindestens 565 Liter bleiben noch übrig, wenn man zu fünft reist. Das ist kein Klassenbestwert, aber auf jeden Fall sehr geräumig und nützlich.

Damit der Kombi auch bei starker Beladung nicht in die Knie geht, kommt er serienmässig mit einer Luftfederung an der Hinterachse und automatischem Niveauausgleich. So gerüstet, können die Allrad-Varianten bis zu zwei Tonnen Anhängelast bewältigen. Auch wenn es der XF Sportbrake äusserlich verbergen will: Er ist ein sehr talentierter Lastenschlepper.

Gewohnte Stärken

In Sachen Nutzwert ist der Sportbrake also eine Alternative zum SUV. Bei den Fahreigenschaften schlägt er aber eine gänzlich andere Richtung ein. Die Allrad-Kombis können mit guter Traktion punkten und kommen damit auch problemlos durch den Winter. Geländetauglich ist der Kombi natürlich nicht; aber bekanntlich werden auch SUVs äusserst selten abseits befestigter Strassen bewegt. Insofern lässt sich dieser Abstrich verschmerzen, zumal der XF Sportbrake auf der Strasse mehr als nur überzeugen kann. Wie auch die Limousine bietet er einen ausgezeichneten Kompromiss zwischen gutem Reisekomfort und sportlichem Fahrgefühl.

Natürlich ist der knapp fünf Meter lange und gut 1800 kg schwere Kombi, der sich gegen Audi A6, BMW 5er und Mercedes E-Klasse behaupten will, kein sportlicher Flitzer, doch kann er auch auf kurvigen Strassen überzeugen: Die Lenkung wirkt direkt und klar definiert, das Fahrwerk lässt nicht zu viel Seitenneigung zu und hat den Kombi gut im Griff. So meistert er auch kurvenreiche Bergstrecken souverän und vergleichsweise leichtfüssig.

Gesitteter Vortrieb

Einen grossen Teil zum guten Fahrkomfort im grossen Kombi tragen auch die Antriebe bei. Erhältlich sind derzeit vier Diesel und ein Benzinmotor. Den Einstieg bildet ein 2-Liter-Diesel mit 163 PS, Schaltgetriebe und Hinterradantrieb. Er ist ab 53 900 Franken zu haben, das Automatikgetriebe kostet 2900 Franken Aufpreis.

Beim 2-Liter-Diesel mit 180 PS ist die empfehlenswerte 8-Stufen-Automatik, serienmässig mit dabei (ab 58100 Franken), der Allradantrieb kostet 2800 Franken mehr. Ausschliesslich mit Automatik und Allradantrieb ist der «25d» mit 240 PS aus einem 2-Liter-Diesel zu haben. Er überzeugt bei der ersten Testfahrt mit starkem Durchzugsvermögen und ruhigem Lauf. Er kostet ab 68700 Franken. Noch etwas souveräner wirkt der 3-Liter-V6-Diesel mit 300 PS (ab 81200 Franken), der allerdings nur mit Hinterradantrieb zu haben ist. Dasselbe gilt auch für den einzigen Benziner im XF Sportbrake, den 2-Liter-Turbo mit 250 PS. Er überzeugt mit guten Manieren und passt ebenfalls gut zur 8-Stufen-Automatik, ist aber nicht mit Allrad lieferbar.

Der «25d» dürfte daher für die Schweiz erste Wahl sein. Zumal er, gemessen am Gebotenen, bei Preis und Verbrauch (5,8 l/100 km) sogar noch eine gute Prise Vernunft bieten kann.