Die untere Mittelklasse wird oft auch Golf-Klasse genannt. Doch gerät der Golf immer wieder tüchtig unter Druck, wenn es um die weltweiten Absatzzahlen geht. In den vergangenen Jahren war ihm der Focus immer dicht auf den Fersen – oder hat sich teilweise sogar vor die Ikone aus Wolfsburg gesetzt. Der Focus ist für Ford also ein enorm wichtiges Modell, das gehegt und gepflegt werden muss.
Pünktlich zum 20-Jahr-Jubiläum schickt Ford daher die inzwischen vierte Generation des Volumenmodells auf die Strasse; mit dieser will die Marke an die bisherigen Erfolge anknüpfen. Das heisst, dass der neue Ford Focus die Stärken seiner Vorgänger fortführen muss, um sich weiterhin zu behaupten.

Fokus aufs Fahren

Ein Punkt, der den Focus bis anhin so beliebt gemacht hat, ist natürlich sein Fahrverhalten. Hier konnten schon die Vorgänger viele Käufer überzeugen. Schliesslich hat es bei Ford Tradition, sich bei der Fahrwerksabstimmung besondere Mühe zu geben. Ein knackig-sportliches Fahrverhalten, das aber jederzeit leicht beherrschbar ist, bei gleichzeitig gutem Federungskomfort. Diesen Spagat beherrscht auch Generation vier auf eindrückliche Weise, nochmals besser als der Vorgänger, wie er bei ersten Testfahrten in Frankreich unter beweis stellen konnte.

Ford Focus

Ford Focus

Der Focus wurde komplett neu entwickelt und kann nun erstmals auch mit adaptiven, in drei Stufen verstellbaren Stossdämpfern geordert werden. So erlaubt er eine noch grössere Spreizung seiner Talente. Wirklich notwendig ist dies aber nicht; denn bei den ersten Testfahren auf kurvigem Geläuf mit teilweise schlechten Strassen kann auch schon die Basisversion ohne verstellbare Dämpfer vollends überzeugen. Der Wagen schluckt Unebenheiten souverän weg, lenkt willig und sicher in Kurven ein und durchfährt diese mit gut dosierter Seitenneigung. So vermittelt auch schon die Basis viel Fahrspass – und lässt sich vor allem mit Leichtigkeit souverän und flüssig bewegen.
Auch unter der Haube ist der Focus neu aufgestellt. Bei den Benzinern reicht die Palette von 85 bis 182 PS, bei den Dieseln von 95 bis 150 PS. Auffällig ist vor allem, dass die Benziner allesamt über lediglich drei Zylinder verfügen; der 1,0-Liter ist mit 85, 100 oder 125 PS zu haben, das Topmodell mit 182PS verfügt über 1,5 Liter Hubraum. Dank Turbolader stehen dennoch 170 (1.0) respektive 240 Nm Drehmoment bereit. Die stärkste Variante überzeugt beim ersten Fahreindruck jedenfalls mit spontaner Gasannahme, linearer Kraftentfaltung und kernigem Klang. Das passt hervorragend zum sportlichen Charakter des Focus .
Als Diesel steht der Focus entweder mit 95 oder 120 PS (1,5-Liter, 4 Zylinder) oder mit 150 PS als 2-Liter-Variante zur Wahl. Der gefahrene 120 PS-Diesel mit Automatik überzeugt mit guten Manieren und grundsätzlich kraftvollem Durchzug (300 Nm). Nur beim Beschleunigen aus tiefen Geschwindigkeiten wirkt der Wagen etwas träge, was vor allem an der 8-Gang-Automatik liegt, die zu lange im hohen Gang verweilt. In allen übrigen Situationen verhält sich der Automat aber tadellos. Er schaltet passend und kaum spürbar.

Fokus auf Sicherheit

Nebst dem Fahrverhalten hatten auch die Sicherheit und das Wohlbefinden an Bord grosses Gewicht bei der Entwicklung. Letzteres ergibt sich hauptsächlich durch die tadellose Sitzposition und die grundsätzlich solide Verarbeitung im Innenraum.
Für Sicherheit sorgt vornehmlich die Armada an Assistenzsystemen; so gibt es beispielsweise eine Lenkunterstützung, die dem Fahrer beim Ausweichen von Hindernissen hilft, einen aktiven Spurhalteassistenten, der auf der Autobahn grösstenteils selbstständig die Spur halten kann und zudem auch Gas und Bremse übernimmt (in Verbindung mit dem Automatikgetriebe bis zum Stillstand) und ein aktives Fernlicht, das den Gegenverkehr nicht blendet. Erstmals bei einem europäischen Ford-Modell ist zudem auch ein Head-up-Display erhätlich. Es ist ansprechend gross, stellt die Informationen bunt und in Farbe dar, kommt allerdings nicht ohne eine zusätzliche Reflektor-Scheibe aus.
Der neue Focus wird ab August auch als Kombi mit bis zu 1653 Liter Ladevolumen zu haben sein. Die Preise starten bei 18 900 Franken; der Kombi kostet 2000 Franken mehr.

Ford Focus

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