Seit 1972 baut Honda den Civic schon, inzwischen bereits in der zehnten Generation. Damit ist der Japaner gar dem Kompaktwagen-Klassiker schlechthin, dem VW Golf, um zwei Jahre und zwei Generationen voraus.

Tradition hat der Japaner also durchaus vorzuweisen, auch wenn er sich in Sachen Design vor allem in den letzten Jahren vermehrt nach vorne orientiert. Diesen Weg schlägt auch Generation zehn ein: Markante Front mit breiten Tagfahrleuchten, flache Dachlinie und abfallendes Heck. Hinzu kommen der mittig angebrachte Doppelauspuff und der kleine Spoiler an der Dachkante. Der neue Civic hebt sich einmal mehr von der Masse ab. Im Test zeigt der Japaner aber, dass dies nicht zulasten des Alltagsnutzens gehen muss. Auch auf der Rückbank ist das Platzangebot in Ordnung – selbst für Grossgewachsene –, und der Kofferraum ist mit 420 Liter auch mit einem grossen Einkauf nicht überfordert. Schade nur, dass die Ladekante nicht eben mit dem Ladeboden verläuft, sodass man beim Einladen alles über diese Kante heben muss. Dafür fasst der Laderaum bis zu 1209 Liter, wenn die zweite Reihe umgeklappt wird.

Honda Civic

Honda Civic

Das Fahrerauto

Doch der Civic will sich nicht primär durch sein Design oder sein Platzangebot hervortun. In erster Linie will er ein Fahrerauto sein und die Liga der Kompakten mit seinem knackigen Fahrgefühl aufwerten.

Passend dazu ist der Testwagen mit dem komplett neuen 1,5-Liter-Turbobenziner mit 182 PS und manuellem 6-Gang-Schaltgetriebe ausgestattet. Eine Kombination, die perfekt zum fahraktiven Japaner passt.

Der Vierzylinder erfreut, trotz verhältnismässig kleinem Hubraum, mit gutem Durchzugsvermögen (240 Nm ab 1900 U/min) und ruhigem Lauf. Er lässt sich damit im Alltag ziemlich souverän und gelassen bewegen. Den Werksverbrauch von 5,8 l/100 km kann der Japaner im Test zwar nicht ganz bestätigen, mit einem Testschnitt von 6,3 l/100 km gibt sich der Civic vernünftig. Soweit mimt der futuristisch designte Japaner also den gut bürgerlichen Vernunftsentscheid – wie es sein Name schon sagt: Civic leitet sich vom lateinischen «Civis» für Bürger ab.

So überrascht es schon fast, wie viel Fahrspass der Kompakte auch bieten kann, zumal es sich beim getesteten Civic noch nicht um den betont sportlichen «Type R» handelt.

Viel zum sportlichen Fahrgefühl trägt, nebst dem willig hochdrehenden Motor, auch das Schaltgetriebe mit kurzen, präzisen Wegen und klar definierten Schaltgassen bei. Hinzu kommt das gut abgestimmte Fahrwerk, dessen Dämpfer sich per Knopfdruck in zwei Stufen abstimmen lassen. Auch in der sportlichen Einstellung wirkt das Fahrwerk nicht unerbittlich hart, sorgt aber für eine Prise mehr Präzision. Zusammen mit der direkt abgestimmten Lenkung meistert der neue Civic kurvige Strecken sehr sicher und agil. Das steigert einerseits die Vorfreude auf das sportliche Topmodell mit 310 PS, macht aber auch klar, dass bereits der «normale» Civic mehr als genug Kurventalent für den Strassenalltag besitzt.

Honda Civic

Honda Civic

Aufgeräumt und modernisiert

Für den Alltag gerüstet ist der Neuling auch was die Technik anbelangt. So sind erstmals im Civic auch ein adaptiver Tempomat, der in Verbindung mit der manuellen Schaltung allerdings nur begrenzt sinnvoll ist, und ein gut funktionierender Spurhalteassistent verfügbar.

Komplett neu ist auch das Navigations- und Infotainmentsystem. Zwar erfordert die Bedienung etwas Eingewöhnung, gelingt dann aber ohne grössere Rätsel; auch weil das Cockpit im Vergleich zum Vorgänger nun deutlich klarer strukturiert wirkt. Honda hat im Civic gründlich aufgeräumt. Am meisten zur Vereinfachung trägt die neue, digitale Tachoeinheit bei, die zahlreiche Informationen zusammenfasst.

Gutes Angebot

Zu haben ist der neue Civic als Fünftürer schon ab 19 900 Franken mit 1,0-Liter-Motor und 129 PS. Der getestete 1,5-Liter kostet ab 28 800 Franken. Ein faires Angebot, zumal die «Prestige»-Version für einen Aufpreis von nur 2400 Franken praktisch vollständige Ausstattung inklusive Lederinterieur bietet. Noch besser zum neuen Civic passen allerdings die Ausstattungen «Sport» oder «Sport Plus», die den sportlichen Charakter des Japaners unterstreichen – und den Civic zur ernsthaften Alternative in der Kompaktklasse machen, sofern einem der Sinn nach ein wenig Sport steht.