Wenn ein Plug-in-Hybrid zum Test antritt, gibt es oft Erklärungsbedarf: Die vom Werk angegebenen Verbrauchswerte sind zwar sensationell tief, lassen sich aber nur erreichen, wenn man das Auto regelmässig lädt und keine längeren Strecken fährt. Denn der Normverbrauch ist ein errechneter Wert aus dem Verbrauch mit voller Batterie, mit leerer Batterie und der rein elektrischen Reichweite. Als Fahrstrecke zwischen den Ladepausen werden 25 Kilometer angenommen. Wer weiter fährt, kann diesen Verbrauch also kaum erreichen. Kommt hinzu, dass man bei längeren Fahrten, bei denen man sich fast ausschliesslich auf den Verbrenner verlässt, das Gewicht von Batterien und E-Motor unnötigerweise mitschleppt, was den Verbrauch weiter nach oben treibt.

Mit dem 225xe Active Tourer von BMW steht nun ein weiterer Vertreter dieser Art im Test. Er kombiniert einen 1,5-Liter-Dreizylinder mit 136 PS an der Vorderachse mit einem 88 PS E-Motor, der an der Hinterachse verbaut wurde und kommt damit auf 231 PS Systemleistung und Allradantrieb. Dadurch wird der Active Tourer rund 150 kg schwerer und verliert 68 Liter Ladevolumen, der Normverbrauch sinkt dafür auf 2,1 l/100 km. Im Test muss er zeigen, wie nahe er an diese Marke herankommt – und wie viel vom BMW-typischen Fahrspass dabei übrig bleibt.

Geschickt geplant

41 Kilometer schafft der 2er laut der vorgeschriebenen Norm im E-Modus; im Alltag mit Klimaanlage und sonstigen Verbrauchern sind es immerhin noch rund 30 Kilometer, die man rein elektrisch zurücklegen kann; sofern man das denn überhaupt will. Denn interessant wird der bayrische Hybrid, wenn man ihn seine Kräfte selbst einteilen lässt. Ist ein Ziel im Navi einprogrammiert, kümmert sich die Elektronik darum, wann es Sinn macht, elektrisch zu fahren – oder wann man mit dem Benziner effizienter unterwegs ist. Da der Übergang zwischen den Antrieben sehr harmonisch passiert, fallen die Wechsel kaum auf; ausser beim Verbrauch: Auch auf Strecken von 80 bis 100 Kilometer schafft der Hybrid Verbrauchswerte von rund 3/l100 km; je kürzer die Strecke, desto tiefer ist in der Regel der Verbrauch. Ist die Batterie komplett entladen, nennt BMW einen realistischen Verbrauch von 7 l/100 km. In dieser Hinsicht konnte der Antrieb des 225xe also durchaus überzeugen. Doch wie steht es um den Fahrspass?

Perfektes Teamwork

Schaltet man den Hybriden in den Sportmodus, rückt natürlich der Verbrauch in den Hintergrund. Nun geht es um maximalen Vortrieb. Den realisiert der 225xe durch vereinte Kräfte von Strom- und Benzinmotor. Das sorgt für überraschend spontanen und Starken Antritt. Den Sprint auf 100 km/h schafft der Van in sportlichen 6,7 Sekunden, doch das ist nur die halbe Wahrheit. Denn durch die gut abgestimmte Einheit aus Turbomotor und Elektromotor kommt der 2er auf bis zu 385 Nm maximales Drehmoment. Die Leistung liegt zudem spontan und gleichmässig an. Hinzu kommt der überraschend angenehme Klang des Dreizylinders. Die ohnehin schon guten Fahrspass-Qualitäten des bayrischen Vans werden so durch einen starken Antrieb und elektrischen Allradantrieb ergänzt – aller Vernunft zum Trotz. Vernunft zeigt der 225xe dann auch beim Preis; zwar sind 43 600 Franken für einen Kompaktvan ein stolzer Preis, gemessen an der Fülle an Technologie, die man dafür erhält, ist der Plug-in-Hybrid aber ein sehr faires Angebot. Der Vergleichbare Benziner mit 231 PS und Allradantrieb ist mit 45 900 Franken sogar noch einen Tick teurer. Allen gemein ist die gute Sitzposition, der variable Innenraum und die hochwertige Verarbeitung. Auch hier lässt der Plug-in-Hybrid keinen Erklärungsbedarf offen.