Eins bleibt bestehen: Auch das jüngste Modell von Aston Martin verbindet man unweigerlich mit James Bond, dem berühmtesten britischen Geheimagenten. Denn der DB11 schafft es, das Charisma der Traditionsmarke in die nächste Epoche zu bringen. Das zeigt der Brite schon auf den ersten Blick: Der DB11 wurde zwar von Grund auf neu gezeichnet, ist aber dennoch klar als Aston Martin erkennbar. Der grosse Kühlergrill an der Front, klassische Proportionen mit langer Haube, fliessende Linien und ein paar clevere Details. So wirkt der Zweitürer zwar stilsicher und edel, aber alles andere als effekthascherisch oder prollig. Spoiler sind von aussen keine zu sehen; stattdessen wird die Luft elegant durch die Karosserie geleitet, um trotz eleganter Form beste Leistung zu erzielen. Genau so eben, wie sich auch ein Geheimagent in wichtiger Mission kleiden würde.

Auch im Interieur hat sich im Vergleich zum Vorgänger, dem von 2004 bis 2016 gebauten DB9, vieles getan. Auffällig sind vor allem die nun voll digitalen Instrumente und der neue Dreh-Drückknopf auf der Mittelkonsole; er steuert die neue Infotainment-Einheit. Hier kauft Aston Martin neuerdings bei Mercedes ein. Ein grosser Fortschritt, galt das Infotainment doch bisher als Schwachpunkt der britischen Edel-Sportwagen.

Dem Ruf seiner Herkunft macht der DB11 im Interieur aber trotz moderner Elektronik alle Ehre: Bestes Leder, mit liebevoll eingenähten Zierstreifen sorgen im Innenraum für gediegenes Ambiente. Sogar der Dachhimmel ist lederbezogen und verziert.

Neu angerichtet

Der DB11 ist in zwei Motorisierungsvarianten zu haben: Basis ist ein 4-Liter-V8 mit 510 PS, den die Briten ebenfalls beim neuen Technikpartner in Stuttgart beziehen. Der Zwölfzylinder ist freilich nach wie vor aus eigener Entwicklung: Im neuen 5,2-Liter-Motor setzt Aston Martin erstmals beim 12-Zylinder auf eine doppelte Turboaufladung für tieferen Verbrauch bei gleichzeitig höherer Leistung. 608 PS und eindrückliche 700 Nm Drehmoment sammeln sich so unter der langen Haube. Genügend Leistungsreserven, für souveränes Gleiten.

Denn: Der DB11 will kein Sportwagen sein, der auf die letze Zehtelsekunde aus ist. Er will ein Gran Tourismo sein, in dem man auch längere Reisen bequem zurücklegen kann. Eine Rolle, die man ihm bei Aston Martin am Hauptsitz in Gaydon perfekt auf den Leib geschneidert hat. Der 12 Zylinder faucht zwar beim Anlassen deutlich hörbar auf und ist auch während der Fahrt immer präsent. Aber eben niemals aufdringlich extrovertiert. Geschaltet wird über eine achtstufige Automatik - geschmeidig und bequem, wie es sich für einen GT gehört. An der Amper schaltet sich der 12-Zylinder mit Start-Stopp-Automatik gar brav aus.

Hinzu kommt das sehr stimmig und komfortabel abgestimmte Fahrwerk. Der DB11 federt Unebenheiten gekonnt weg und gleitet damit für einen Sportwagen sehr sanft und ruhig über die Strasse. Nur an die Übersicht über die lange Haube und die breiten Backen am Heck muss man sich ein wenig gewöhnen, ansonsten ist der Aston Martin ohne Abstriche alltagstauglich. Die zwei Sitze hinten sind freilich nur als Notsitze oder als praktische Gepäckablage zu betrachten.

Es geht auch anders

Bei allem gesitteten Komfort, den der DB11 bietet: Von einem Aston Martin erwartet man auch andere Talente. Zum Beispiel dann, wenn man auf die Albula-Passstrasse einbiegt. Sie bietet nicht nur ein atemberaubendes Panorama, sondern auch abwechslungsreiche Kurvenkombinationen. Zwar ist der DB11 mit einer Breite von 1,94 Metern kein zierliches Auto und mit fast 1,9 Tonnen auch kein Leichtgewicht. Dennoch kann er auf kurvigen Passagen viel Fahrspass bieten.

Am Lenkrad lassen sich Fahrwerksdämpfer und Antrieb unabhängig voneinander vom «GT-Modus» auf «Sport» oder gar «Sport+» konfigurieren. In der sportlichsten Abstimmung wird der Brite nun deutlich straffer und zeigt, dass er eben auch ein echter Sportwagen ist. Die Dämpfer lassen nun weniger Spiel zu, die Lenkung wird sportlicher. Damit wirkt der Wagen deutlich präziser. Die Auspuffklappen öffnen sich, der Motor reagiert spontaner auf Gasbefehle und die Automatik schaltet - ob automatisch oder per Schaltwippen - zügiger und knackiger.

Zugunsten einer besseren Gewichtsverteilung sitzt das Getriebe an der Hinterachse - das spürt man vor allem beim Beschleunigen aus engen Kehren, wo der Hecktriebler seine Kraft sicher auf die Strasse bringt. Auch, weil das elektronisch geregelte Differenzial das Drehmoment geschickt verteilt. Das würde auch den Geheimagenten bei einer rasanten Verfolgungsjagd zufriedenstellen; allerdings müsste er für seinen Dienstwagen mindestens 217 800 Franken budgetieren.