Seat. Leon
Im feinen Zwirn in die Pampa

Mit dem Leon ST X-Perience kontert Seat die entsprechenden Konzernmodelle wie den Skoda Octavia Scout.

Markus Chalilow
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Seat Leon ST X-Perience

Seat Leon ST X-Perience

HO

Früher waren vor allem Subaru- und Skoda-Kombis mit Allrad der Traum vieler Kunden – nun hat auch Seat ein entsprechendes Modell im Programm. Wobei neu ist da gar nicht so viel, denn eigentlich hat ja Seat mit dem Leon ST 4Drive bereits einen schicken Allradkombi im Programm. Den X-Perience zeichnet eine um 27 mm höher gelegte Karosserie aus. Dazu gibts angedeutete Unterfahrschutzplatten vorne wie hinten sowie eine Kunststoffbeplankung an den Radhäusern. Wie bei seinem «zivilen» Bruder, dem ST 4Drive, hat der neue Kombi an Vorder- und Hinterachse die elektronische Differenzialsperre XDS an Bord, welche durch gezielten Bremseingriff über die ABS-Regelelektronik für noch mehr Traktion sorgen soll.

Ist der Wagen also nur eine optische Mogelpackung? Nein, denn der Seat hat durchaus Qualitäten, die bei den Konzernbrüdern nicht so ausgeprägt sind. Wir finden, der Seat federt eleganter als zum Beispiel der Skoda Octavia Scout. Besonders bei langsamen Tempi ist der Spanier echt komfortabel. Da gibts sich der Tscheche eher etwas staksig. Bei hohem Tempo ist natürlich der deutlich höhere Schwerpunkt spürbar. Die Seitenneigung der Karosserie ist grösser als beim normalen 4Drive-Seat. Aber im normalen Alltagseinsatz interessiert das wohl eher niemanden.

Was eher interessieren könnte? Zum Beispiel dass man den Innenraum gegen Aufpreis auch mit einer sehr schmucken Kombination aus Leder und braunem Alcantara polstern lassen kann. Natürlich kostet dieses Feature, wie in den meisten Fällen üblich, einen schönen Aufpreis. Aber es lässt den eh schon gut gelungenen Innenraum noch einmal deutlich hochwertiger wirken. Auch beim Antrieb wird nicht gekleckert. Da darf sich Seat mittlerweile fast frei aus dem VW-Regal bedienen. In der Schweiz die Hauptrolle werden die beiden stärksten Aggregate spielen. Der 1800er-Benziner mit 180 PS und der Zweiliter-Diesel, der 184 PS abdrückt. Wir waren vor allem mit dem Selbstzünder unterwegs, der an ein Doppelkupplungsgetriebe mit sechs Gängen gekoppelt war.

Das funktioniert bestens, auch wenn das Ansprechverhalten bei den kleinvolumigen Dieselmotoren eher besser ist. Aber nach der Turbo-Gedenksekunde geht der Leon ST forsch ans Werk. Trotzdem sollen die Motoren sparsam sein. Für den Benziner nennt Seat in Verbindung mit dem DSG einen Normverbrauch von 6,6 L/100 km. Für ein Fahrzeug mit beachtlicher Power (0-100 km/h in 7,2 Sekunden) ein guter Wert. Natürlich ist der Diesel trotz der kleinen Mehrleistung von 4 PS und der Extraportion Drehmoment (380 statt 280 Nm) sparsamer als der X-Perience mit Ottomotor. Seat nennt einen Verbrauchswert von 4,9 L/100 km. Noch sparsamer sollen die beiden schwächeren Diesel sein. Der 1600er mit 110 PS soll 4,8 Liter pro 100 Kilometer verbrauchen (mit manuellem Sechsganggetriebe), der Zweiliter-Diesel (150 PS) soll mit manuellem Getriebe 4,9 L/100 km verbrauchen. Wie gesagt, die Technik ist mit derjenigen der Konzernbrüder von VW oder Skoda nahezu identisch. Und auch beim Innenraumangebot muss man keine Abstriche machen. Wie beim Leon ST 4Drive passen in den Kofferraum des X-Perience je nach Sitzkonfiguration zwischen 587 bis 1470 Liter. Mit einem Basispreis von 38’350 Franken für den Benziner mit 180 PS ist der Seat ein faires Angebot. Der Top-Diesel kostet mindestens 40’700 Franken (inkl. DSG), der Einstieg gelingt mit dem 1600er-Diesel (110 PS) bei 35’750 Franken. Wie gesagt, auch der Seat hat keine wirklichen Schwächen, doch ob die Optik als Verkaufsargument gegen die Konzernbrüder ausreicht, wird sich weisen. Denn so viel billiger als zum Beispiel der Skoda ist der Spanier nicht. Für den Octavia Scout Combi rufen die Tschechen einen Preis von mindestens 41’450 Franken auf. Der Abstand ist also: gering.

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