«Bergrennen sind komplett anders als Rundstreckenrennen», betont Michel Zemp. «Hier gibt es nur einen Versuch, da muss alles passen.» Denn nach den Trainingsläufen werden zwei Wertungsläufe ausgetragen, deren Zeit addiert wird. Bei Bergrennen fährt man also gegen die Uhr und nicht direkt gegen die anderen Teilnehmer.
«Das Besondere hier in Reitnau ist, dass die Strecke sehr kurz ist», meint der 32-jährige Automechaniker aus Langnau BE. Verliert man durch einen Fahrfehler Zeit, kann man dies auf der 1,6 Kilometer kurzen Strecke kaum mehr gutmachen.
Um sich optimal vorzubereiten, müssen sich die Piloten die Strecke also genauestens einprägen. Zu dem Zweck besichtigt man am Freitag, wenn die Teams anreisen, die Strecke. Zu Fuss oder mit dem Fahrrad. Jede Kurve, jede Unebenheit und jeder Kanaldeckel wird unter die Lupe genommen, um sich die Strecke möglichst genau ins Gedächtnis zu prägen. Dies gilt umso mehr, je schneller man unterwegs sein will. Mit seinem Norma M20 FC mit 300 PS und nur rund 520 kg Leergewicht erreicht Zemp hohe Kurvengeschwindigkeiten und kann auf den Geraden enorm beschleunigen.

Herausfordernde Strecke
Das ist auch für den erfahrenen Bergrennfahrer Neuland. In der vergangenen Saison trat er noch mit einem Seat- Leon-TCR-Tourenwagen an. Im Vergleich dazu ist der offene Sportwagen auf Slicks viel straffer und direkter. Zudem erfordert er höhere Lenkkräfte.
Während Rennfahrer auf einer Rundstrecke mehrere Runden Zeit haben, sich Schritt für Schritt ans Limit heranzutasten, muss beim Bergrennen von Beginn weg alles sitzen. Jeder Bremspunkt muss passen, die Linie muss getroffen werden. Denn Fehler kann man sich keine leisten – sie würden in einem Abflug enden. Und der wäre unangenehm und teuer, auch wenn die Sicherheitsvorkehrungen in den vergangenen Jahren stark verbessert wurden.
Für Michel Zemp ist aber gerade das auch ein grosser Teil der Faszination Bergrennen: Man muss sich auf den einen Moment fokussieren und die perfekte Fahrt abliefern.
Die Streckenführung über abgesperrte öffentliche Strassen sorgt dafür, dass das Publikum, das die Strecke oftmals auch aus eigener Erfahrung kennt, nahe am Renngeschehen sein kann. Für Sicherheit sorgen Schikanen, Auslaufzonen oder Strohballen und Abschrankungen, sodass Besucher und Fahrer geschützt sind. Das Auto wird bei einem Fahrfehler aber sehr schnell in Mitleidenschaft gezogen, sodass ein Abflug meist gleichbedeutend mit dem Ausscheiden ist.

Spektakel für die Zuschauer
Auch zum Fahrerlager haben die Zuschauer Zugang, sodass die Fans viel von der Atmosphäre und vom Renngeschehen mitbekommen. Das sorgt dafür, dass die Bergrennen in der Schweiz seit Jahren zahlreiche Fans anziehen. Ebenfalls für Spannung sorgt das bunte Teilnehmerfeld. Vom Tourenwagen über Sport-Prototypen bis hin zum Formel-Wagen ist fast alles am Start und misst sich auf der Bergstrecke.
Am Rennsonntag beginnt das Programm des Bergrennens Reitnau schon um 7 Uhr morgens. Bis 16.25 Uhr starten Trainings- und Rennläufe in verschiedenen Kategorien. Der Eintritt kostet 19 Franken für Erwachsene und 10 Franken für Jugendliche.