Opel-CEO Lohscheller

«Innovation ist wie Popcorn»

Opel-CEO Michael Lohscheller

Opel-CEO Michael Lohscheller

Für Opel-CEO Michael Lohscheller soll die E-Mobilität etwas ganz Normales werden – und viel Fahrspass bieten.

Warum starten sie die Elektro-Offensive bei Opel mit dem Corsa?
Der Corsa ist unser meistverkauftes Auto. Wir bringen die Elektromobilität jetzt ins Volumensegment, das können wir nicht mit einem teuren, exklusiven Nischenmodell schaffen. Dazu ist der Corsa perfekt geeignet. Wir zeigen ganz bewusst den Corsa e zuerst, um damit ein Zeichen zu setzen – und natürlich, um Aufträge zu sammeln, damit der Corsa-e 2020 erfolgreich starten kann. Auch die künftigen Plug-in-Hybrid- und E-Modelle zielen auf Volumensegmente. So werden wir die Elektromobilität in die breite Masse bringen.


Warum haben Sie den Weg gewählt, bekannte Modelle zu Elektroautos zu machen, statt wie andere Hersteller eigene Modellfamilien oder Sub-Brands zu kreieren?
Wir glauben zum einen, dass der Corsa Strahlkraft und ein sehr attraktives Design hat. Zum anderen möchten wir die Elektromobilität nicht bewusst separieren, denn «e» wird die neue Norm. Es ist Fahrspass, sie verzichten auf nichts. Also warum etwas anderes machen?
Also Auto fahren, einfach nur mit einem anderen Treibstoff?
Ja. Viele denken bei E-Mobilität an grün und CO2. Das ist es. Aber es ist auch Fahrspass. Das wird sich rumsprechen.

Soll es von jedem Modell eine Elektro-Variante geben? So wie man jetzt zwischen Benzin und Diesel wählen kann?
Sie werden von Opel kein neues Modell mehr sehen, dass keine elektrische Variante, also rein elektrisch oder Plug-in-Hybrid, hat. Der Corsa e und der Grandland X Hybrid 4 machen den Anfang. Es folgen nächstes Jahr Vivaro und der Nachfolger des Mokka X – bis schliesslich 2024 das gesamte Angebot elektrifiziert ist.

Wie werden die Kunden auf dieses Angebot reagieren?
Schon heute besteht in einigen Ländern sehr grosses Interesse, sie warten bereits darauf, die Niederlande oder Norwegen zum Beispiel. Dann gibt es bestimmte Segmente, in denen sich die Kunden das Thema sehr gut durchrechnen. Unternehmer, die 30 bis 40 leichte Nutzfahrzeuge in ihrem Fuhrpark haben, erkennen, dass die Unterhaltskosten viel niedriger sind. Und dann gibt es Kunden, die bei ihrem Arbeitgeber über eine Ladestation verfügen, wie beispielsweise bei uns am Hauptsitz in Rüsselsheim. Diese Kunden sind bereits heute von der Elektromobilität überzeugt und laden ihr Auto während der Arbeit. Letztendlich entscheidet der Kunde – und wir müssen vorbereitet sein auf das, was kommt.

Stichwort Ladestationen: Wird sich Opel am Ionity-Netzwerk beteiligen? Oder vertrauen Sie darauf, dass die Infrastruktur ohnehin schnell genug wächst?
Alle müssen mithelfen, für eine ausreichende Ladeinfrastruktur zu sorgen, und wir leisten natürlich auch unseren Beitrag. Wie zum Beispiel bei unserem Projekt in der Stadt Rüsselsheim mit dem Namen «Electric City». Wir helfen mit, die Stadt hilft mit und es kommen Fördergelder. Und so entstehen 1300 Ladepunkte – und das in einer Stadt mit gut 60 000 Einwohnern. Wir brauchen mehr solche Projekte.

Als Alternative zum batterieelektrischen Auto steht immer noch die Brennstoffzelle im Raum. Warum braucht es die noch, obwohl die Batterien immer besser werden?
Die Brennstoffzelle hat verschiedene Vorteile. Das Tanken etwa geht deutlich schneller. Mit Innovation ist es ja nicht so, dass sie stetig jeden Monat ein bisschen weitergeht. Es ist eher wie bei Popcorn: Jahrelang passiert wenig, und dann macht es plötzlich ping! und es gibt einen grossen Sprung. Bei der E-Mobilität ist es genauso. Wir hatten schon 2012 mit dem Ampera ein Elektroauto mit Range-Extender im Angebot. Der hat zwar viele Awards gewonnen, aber der Markt war noch nicht so weit. Jetzt ist die Zeit reif, und Technologien können sich durchsetzen. Und die Innovation wird weitergehen.

Was braucht es denn noch für einen Durchbruch der E-Mobilität?
Die Menschen müssen erleben, was ein E-Auto für einen Fahrspass bietet. Eine gute Ladeinfrastruktur ist ebenfalls zwingend erforderlich. Aber die Menschen müssen das erfahren. Jedes Mal, wenn ich aus einem Elektroauto aussteige, denke ich: Es macht mehr Spass. Unser Corsa e beschleunigt in 2,8 Sekunden auf 50 km/h. Das ist Sportwagen-Niveau.

Also ist der Spass wichtiger als die Vernunft?
Wenn es nur die Vernunft wäre, würde sich die Elektromobilität nur teilweise durchsetzen. Zum Glück ist der Spass aber unbestritten vorhanden.

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