Mercedes C-Klasse
Luxus – eine Nummer kleiner

Die neue C-Klasse von Mercedes will das luxuriöse Flair der S-Klasse ins kleinere Segment bringen. Ob das klappt, zeigt der erste Test.

Philipp Aeberli
Merken
Drucken
Teilen
Mercedes C220d.

Mercedes C220d.

Bild: zVg

SUV-Boom hin, E-Auto-Aufschwung her: Die C-Klasse bleibt eines der wichtigsten Modelle im inzwischen sehr breiten Portfolio von Mercedes. Seit der ersten Generation von 1982 (damals noch Mercedes 190, ab 1993 dann offiziell C-Klasse) haben die Schwaben 10,5 Millionen Stück weltweit abgesetzt – allein 2,5 Millionen davon entfallen auf die nun ausgelaufene Generation, die seit 2014 am Markt ist. Das macht die Mittelklasse, die als Limousine und seit 1996 auch als Kombi angeboten wird, zur meistverkauften Modellreihe im letzten Jahrzehnt. Zwar ist die C-Klasse nicht mehr der «Baby-Benz», wie der 190er damals bei der Lancierung auch genannt wurde; seit 1997 bildet die A-Klasse den Einstieg beim Stern, doch ist die Mittelklasse im Vergleich zu den grossen Modellen der Marke weiterhin erschwinglicher, was bestimmt mit ein Grund für die starken Verkaufszahlen ist. Vor allem aber ist es die Vielseitigkeit, welche die C-Klasse für viele Kunden attraktiv macht. Es gibt zahlreiche Rollen, welche die Mittelklasse mit Stern spielen kann: Für junge und ältere Fans der Marke kann sie den Traum vom ersten Mercedes erfüllen, für Familien kann sie, gerade als Kombi, ein ideales Alltagsauto sein – und für Flottenmanager ein verlässlicher und wirtschaftlicher Weg, die Angestellten mobil zu halten. Die C-Klasse ist also gewissermassen «everybody’s darling» im Mercedes-Programm, auch wenn die immer zahlreicher werdenden SUV am Marktanteil knabbern.

Das macht die Ausgangslage für eine neue Modellgeneration nicht nur einfach, denn die Messlatte liegt schon sehr hoch. Folgerichtig bleibt Mercedes mit der neuen Generation, intern W206 genannt, einem bewährten Rezept treu: Als Vorbild für die Mittelklasse dient die grosse Luxuslimousine der S-Klasse, die gewissermassen das Leitbild der Marke definiert. Das sieht man der Neuauflage aussen wie innen deutlich an, ohne dass dabei die stimmigen Proportionen verloren gehen würden.

Innenraum mit grossem Touchscreen.

Innenraum mit grossem Touchscreen.

Bild: zVg

Im Innenraum fällt vor allem der grosse Touchscreen im Hochformat auf, den die C-Klasse vom luxuriösen Bruder übernommen hat. Das System reagiert flüssig und schnell, die Menüs sind logisch aufgebaut, und der Touchscreen glänzt mit hoher Auflösung und gestochen scharfer Darstellung; dazu gibt es die gut funktionierende Sprachsteuerung, die auf das Stichwort «Hey Mercedes» das Navi-Ziel einstellt, die Temperatur im Innenraum ändert oder den Radiosender wechselt. Insgesamt wirkt der Innenraum sehr hochwertig – im Vergleich zur S-Klasse fallen nur einige Hartplastikeinlagen auf und natürlich das geringere Platzangebot. Eng wird es aber auch in der C-Klasse nicht. Im Vergleich zum Vorgänger hat vor allem die Rückbank gewonnen, hier wuchs die Beinfreiheit um 35 mm – schliesslich wurde die neue C-Klasse auch rund 6 cm länger, der Radstand wuchs um 2,5 cm. Trotz gewachsener Abmessungen ist die Neuauflage wendiger als das Modell der auslaufenden Modellreihe: Zum ersten Mal bietet Mercedes die C-Klasse mit einer Hinterachslenkung an, welche den Wendekreis um 40 cm reduziert.

Unter der Haube kommt im Testwagen ein 2-Liter-Diesel mit 4 Zylindern zum Einsatz; grössere Motoren wird es in der C-Klasse nicht mehr geben. Dafür folgen Varianten mit Plug-inHybrid-Technik. Ein Mildhybridsystem, welches gesammelte Bremsenergie für kurzzeitige leichte Unterstützung nutzen kann und den Motor beim Rollen ausschaltet, ist bei allen Varianten verbaut. Der C220d im Testwagen mit 200 PS ist die schwächere von derzeit 2 Dieselversionen (C300d: 265 PS/ 550 Nm). Bei den Benzinern reicht die Spanne von 170 bis 258 PS – auf Wunsch auch mit Allrad. Immer im Auto ist das Automatikgetriebe mit 9 Gängen, das auf der ersten Testfahrt mit sehr sanften und passenden Gangwechseln überzeugt. Das Getriebe harmoniert perfekt mit dem Dieselmotor, der dank der sanften Hybridunterstützung mit harmonischer Kraftentfaltung punktet. Nur beim Kaltstart oder bei Volllast ist er als 4-Zylinder-Diesel zu erkennen, meist ist er aber ohnehin kaum hörbar. Vor allem zu empfehlen ist im Alltag der Fahrmodus «Eco», bei dem der Motor wenn immer möglich ausgeschaltet wird; so gleitet man über erstaunliche Distanzen ganz ohne Antrieb. Das spart ordentlich Treibstoff. Den angegebenen Werksverbrauch unterbietet die C-Klasse im Test um fast einen Liter. Als Tiefstwert nach einer ruhig gefahrenen Überlandetappe zeigte das digitale Tachodisplay gar einen Verbrauch von nur 4,3 l/100 km an. Mit einer Tankfüllung (66 l) sind also problemlos mehr als 1200 km möglich. Gepaart mit dem tiefen Geräuschniveau im Innenraum, dem hohen Federungskomfort und den tadellos bequemen Sitzen, macht das die C-Klasse zu einem hervorragenden Langstreckenauto.

Das Einstiegsmodell C180 ist ab 56 700 Franken zu haben. Beim Kombi (C200) starten die Preise bei 63 000 Franken; mit etwas Ausstattung sind 70 000 Franken schnell erreicht. Das ist nicht günstig, aber fair.

Mercedes C220d.

Mercedes C220d.

Bild: zVg