Der Insignia von Opel ist ein gutes Automobil. Er wird unterschätzt, gerade Herr und Frau Schweizer sind sich seiner Qualitäten zu wenig bewusst, es drängt sie, deutlich mehr Geld für ein Premium-Produkt auszugeben, das auch beim Nachbarn und den Geschäftskollegen ein besseres Image ausstrahlt. Wenn der Insignia ein Problem, dann ist es genau das: Er strahlt einfach nicht, er ist ein Opel. Denn auch wenn Opel in den vergangenen Monaten grosse Fortschritte gemacht hat, erstaunlich viele neue Produkte lancieren konnte (Mokka, Adam, Cascada), über einen neuen, starken Chef verfügt sowie vom Mutterkonzern General Motors den Rücken gestärkt erhält: man sieht erst das Licht am Ende des Tunnels, das Tal der Tränen hat man noch nicht verlassen.


Kürzlich wurde der Insignia, «Auto des Jahres 2009», einigermassen intensiv überarbeitet, es gab sanfte Erneuerungen beim weiterhin modern wirkenden Design, neue Motoren, neue Assistenz- und Infotainment-Systeme. So wurde der Opel wieder auf den neusten Stand der Technik gebracht, da lässt Opel nichts anbrennen, da müssen sich die Rüsselsheimer auch nicht verstecken vor der (teureren) Konkurrenz. Dass der Insignia die vielleicht besten Sitze im Segment hat, das ist nicht neu, da musste auch nichts verbessert werden - da bleibt nur das Erstaunen, dass Audi, BMW, Mercedes das auch nicht besser können, ganz im Gegenteil.

Opel Insignia Country Tourer Gepäckraum

Opel Insignia Country Tourer Gepäckraum


Ausserdem hat Opel der Sports Tourer genannten und in der Schweiz deutlich häufiger gekauften Kombi-Version noch eine neue Variante hinzugefügt, den Country Tourer. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als Opel sich mit diesem Modell mit relativ geringem Aufwand auch ein Schnittchen vom weiterhin boomenden Crossover-Segment abschneiden möchte. Ein bisschen «Abenteuer»-Beplankung rundum, Unterbodenschutz für die Fahrt abseits der asphaltierter Strassen, Allradantrieb - fertig ist das Pseudo-SUV. Doch man darf dem Country Tourer attestieren, dass er, trotz fehlender Bodenfreiheit, seine Sache halt schon gut macht, der elektronische gesteuerte 4x4-Antrieb mit Haldex-Kupplung und elektronischem Sperrdifferential ist eine feine Sache, er kann die Kraft stufenlos von 0 bis 100 Prozent zwischen Vorder- und Hinterachse verteilen - und gehört damit gerade auf Schnee zu den besten Systemen überhaupt. Und gerade dieser Schnee ist ja einer der Hauptgründe, weshalb die Schweiz das 4x4-Land par excellence ist. Überhaupt gibt es in Sachen Fahrverhalten am Insignia gar nichts zu kritisieren, er ist komfortabler ls manche Konkurrenten, aber auch einer sportlichen Fahrt nicht abgeneigt: Fahrwerk, das konnten sie bei Opel schon immer ein bisschen besser als andere.

Für den Country Tourer stehen drei Motorisierungen zur Verfügung, ein 2-Liter-Turbo-Benziner mit 250 PS, ein 2-Liter-Diesel mit 163 PS, ein 2-Liter-BiTurbo-Diesel mit 195 PS. Im Test stand der stärkere Diesel, eine seidenweich laufende Maschine, der man kaum mehr anhört, dass es sich hier um einen Selbstzünder handelt. 400 Nm maximales Drehmoment, das schon bei 2000/min zur Verfügung steht, sorgen für ein sehr souveränes Vorankommen, die 6-Gang-Automatik stört den Fluss nie. Gemäss Norm soll dieser Diesel 6,4 Liter/100 km verbrauchen, die im Test erreichten 7,1 Liter sind ein guter Wert für ein fast 5 Meter langes und über 1,6 Tonnen schweres Gefährt. Zumal da mehr als nur ein kleines Bisschen Fahrfreude vorhanden ist.

Preislich setzt Opel den Country Tourer oben an, er soll das Flaggschiff sein der Insignia-Reihe. Ab 51'500 Franken ist man dabei, davon können aber noch einige Rabatte abgezogen werden. Das ist viel Geld für einen Opel, doch weil die Ausstattung schon sehr reichhaltig ist, spart man gegenüber den vergleichbaren Modellen aus Deutschland und Schweden schon ein paar Tausend Franken. Ob das der angepeilten Kundschaft, die als etwas gehobener bezeichnet werden darf, schon reicht als Argument, muss allerdings bezweifelt werden. Beim Autokauf herrscht ja nicht nur die Lehre die reinen Vernunft.