In Genf hätte man einige schöne und interessante Autos bestaunen können, die die Hersteller nun ersatzweise per Livestream gezeigt haben. Glanzlichter wären in Genf traditionell die Sportwagen gewesen: Porsche hatte den neuen 911 Turbo S mit 650 PS vorbereitet...
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...McLaren den limitierten 765 LT mit 765 PS und nur 1229 kg Leergewicht.
Bentley hätte den Mulliner Bacalar gezeigt: Ein Continental GT Cabrio mit komplett neu gestalteter Karosserie, limitiert auf 12 Stück.
Ausserdem hätte man eine Flut von Plug-In-Hybrid-Modellen in Genf bestaunen können: Den Skoda Octavia RS iV mit 245 PS Systemleistung...
...und den Touareg R, dessen Elektro-Verbrenner-Kombination auf 462 PS kommt und das SUV rein elektrisch auf bis zu 140 km/h beschleunigt.
Auch der neue Cupra Leon bekommt einen Benzin-elektrischen Antrieb , der wie beim Octavia RS iV 245 PS leistet.
VW zeigt am digitalen Genfer Autosalon einen ersten Ausblick auf den ID.4: Ein rein elektrischer Crossover, der auf der modularen E-Autoplattform des Konzerns basiert.
BMW zeigte online eine seriennahe Studie der elektrischen Limousine i4, die für 2021 erwartet wird. 530 PS, von 0 auf 100 km/h in rund 4 Sekunden und 600 km Reichweite nach WLTP sind die beeindruckende Eckdaten der Studie.

In Genf hätte man einige schöne und interessante Autos bestaunen können, die die Hersteller nun ersatzweise per Livestream gezeigt haben. Glanzlichter wären in Genf traditionell die Sportwagen gewesen: Porsche hatte den neuen 911 Turbo S mit 650 PS vorbereitet...

HO

Der Salon in virtueller Form

Der Autosalon 2020 findet nicht statt – stattdessen verlagern die Hersteller ihre Premieren ins Internet. Die Zukunft der Automessen?

Philipp Aeberli
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Es hätte der 90. Genfer Autosalon werden sollen; doch mit dem vom Bund verhängten Verbot für Veranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern mussten die Organisatoren den diesjährigen Salon vergangenen Freitag absagen. Das schmerzt. Der Schaden beläuft sich laut Salon-Direktor Olivier Rihs auf rund 200 bis 250 Millionen Franken, ist aber noch nicht genau bestimmt. Eine Verschiebung des Salons sei nicht möglich – denn die Hallen des Genfer Palexpo-Geländes sind schon für das ganze Jahr verplant. Der aufwendige Aufbau der Einrichtung in den Messehallen war also umsonst; derzeit läuft der Abbau der schon fast fertiggestellten Messestände, bis zum Samstag sollen die Hallen wieder leer sein.

Wie gewichtig die Absage ist, zeigt ein Blick zurück: Die erste Automesse in Genf fand 1905 statt; 1907 wurde die Messe aufgrund einer Automobilfeindlichen Stimmung am Lac Léman nach Zürich verlegt; 1908 bis 1922 gab es in der Schweiz keine Automobilausstellung, auch aufgrund des Ersten Weltkrieges. Von 1940 bis 1946 wurde der Salon aufgrund des Zweiten Weltkrieges ausgesetzt – seither fand er ohne Ausnahme statt.

Wunder Punkt

Den Salon absagen zu müssen, das ist für die Veranstalter natürlich ein herber Schlag. Zumal man das Konzept der Messe für dieses Jahr ordentlich aufpoliert hatte – was mit grossen Investitionen verbunden war. Man schuf eine Bühne mit kompakten Ständen für Start-ups und kleine Unternehmen. Zudem sollte zum ersten Mal eine 400 Meter lange Indoor-Teststrecke aufgebaut werden, auf der die Messebesucher neue E-Autos testen sollten.

Für die Besucher wurde die Messe komplett gestrichen, für die Journalisten zum «virtuellen Salon» umfunktioniert. Die Pressekonferenzen wurden nicht an den einzelnen Ständen abgehalten, sondern aus aller Welt per Livestream verbreitet.

Das ist freilich nur eine Notlösung – aber vielleicht eine, welche die Hersteller zum Denken anregt und sich als valable Alternative zu einer realen Messe entpuppen könnte. Den Messeorganisatoren sei dies auf jeden Fall nicht gewünscht. Schade ist die Absage auch, weil der Salon 2020 durchaus das Zeug zur spannenden Messe gehabt hätte. Glanzlichter wären, wie es für Genf Tradition hat, die Sportwagen gewesen: Porsche hatte den neuen 911 Turbo S mit 650 PS vorbereitet, McLaren den limitierten 765 LT – und Bentley den Mulliner Bacalar: Ein Continental GT Cabrio mit komplett neu gestalteter Karosserie. Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten – in diesem Fall ist das aber an sich unnötig, denn die zwölf Stück der Sonderserie haben bereits für jeweils 1,5 Millionen Pfund einen Besitzer gefunden.

Aber es waren auch viele Premieren geplant, die deutlich näher an der Realität sind. Auffällig ist die Flut an neuen Plug-in-Hybrid-Modellen: Skoda Octavia RS iV, VW Touareg R, Cupra Leon, allesamt bekommen einen Benzin-elektrischen Antrieb. Getrieben ist diese Häufung freilich durch die Gesetzgebung. Um auf den geforderten Durchschnitt von 95 Gramm CO2 pro Kilometer zu kommen, müssen die Hersteller schnell viele elektrifizierte Autos auf die Strasse bringen. Mit reinen E-Autos ist das kaum machbar – hierzu fehlt es an Produktionskapazität, Kundenakzeptanz und Ladeinfrastruktur.

Also ist der Plug-in-Hybrid zumindest für die Bilanz der Hersteller eine sinnvolle Brückentechnologie. In der Realität macht diese Antriebsform aber nur Sinn, wenn die Batterie regelmässig geladen wird – hier liegt die Verantwortung beim Kunden. Eine Verantwortung, die sich mit reinen E-Autos freilich erübrigt. Doch diese stehen bei vielen Herstellern – zumindest in grösserer Stückzahl – noch etwas weiter hinten im Kalender.

VW, derzeit mit dem Marktstart des ID.3 noch stärker beschäftigt als geplant, zeigt am digitalen Genfer Autosalon einen ersten Ausblick auf den ID.4: Ein rein elektrischer Crossover, der wie der bereits enthüllte VW ID.3 und der bereits angekündigte Skoda Enyaq auf der modularen E-Autoplattform des Konzerns basiert. So sollen bis zu 500 Kilometer laut WLTP-Messung möglich sein. Allerdings frühestens gegen Ende des Jahres.

BMW zeigt eine seriennahe Studie der elektrischen Limousine i4, die für 2021 erwartet wird. Das Design des Viertürers will an sportliche Coupés erinnern – genauso die Leistungsdaten: 530 PS und von 0 auf 100 km/h in rund 4 Sekunden. Noch wichtiger: Dank 80-kWh-Batterie will der Bayer 600 Kilometer Reichweite nach WLTP-Norm schaffen. Ob die Premiere an einer klassischen Messe oder rein digital stattfinden wird, lässt sich aber noch nicht abschätzen. Der Genfer Salon soll 2021 aber vom 4. bis 14. März stattfinden.

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