In zwei Jahren soll jedes neue Volvo-Modell mit einem E-Motor vom Band rollen, also zumindest mit Hybrid-Unterstützung zum klassischen Verbrenner. Zudem haben die Schweden das erst kürzlich gegründete Sport-Label «Polestar» zur eigenständigen Marke erklärt, die sich um leistungsstarke Sportwagen mit E-Antrieb kümmern soll. Mit dem Polestar 1 wurde nun das erste Modell der neuen Marke präsentiert.
Das Design mit grossem Kühlerschlund und T-förmigen Tagfahrleuchten orientiert sich klar an den aktuellen Volvo-Modellen; nur eben ohne das prägnante Logo im Kühler.
Dafür gibt es eine schlanke und stimmige Coupé-Silhouette und ein sehr bulliges, breites Heck. Für viel Licht im Innenraum sorgt das durchgängige Panorama-Glasdach – klassische Sportwagen-Formen. Doch die Technik unter dem Blech ist alles andere als klassisch.

Vier Herzen
Mit einem reinen E-Auto lässt sich Polestar noch Zeit. Dafür bekommt der Erstling einen gründlich weiterentwickelten Plug-in-Hybrid-Antrieb. Der leistet bei Volvo, zum Beispiel im XC60, 407 PS. Eine Kombination aus einem 2-Liter-Benziner (320 PS) und einem E-Motor an der Hinterachse (87 PS), die obendrein für elektrischen Allrad sorgt.
Diesen gibt es auch bei Polestar, allerdings deutlich aufwendiger. Denn hier sitzen an der Hinterachse gleich zwei E-Motoren mit jeweils 109 PS. Sie beziehen ihren Strom aus zwei Batterien, die ebenfalls im Heck verbaut sind, und einem weiteren Stromspeicher, der in der Fahrzeugmitte platziert wurde. Hinter dem grossen Kühlerschlund sitzt ein Benziner mit vier Zylindern und zwei Litern Hubraum. Wie auch bei den Volvo-Modellen wird dieser mittels Kompressor und Turbolader unter Druck gesetzt. Hinzu kommt ein weiterer E-Motor, der auch als Starter und Generator dient. Er produziert weitere 46 PS; damit kommt das schwedische Coupé auf eine Systemleistung von 600 PS und kann bis zu 1000 Nm Drehmoment mobilisieren. Feinste Fahrwerkkomponenten von Öhlins und eine leistungsstarke Bremsanlage sollen für gutes Fahrverhalten sorgen.
Das 4,50 Meter lange Coupé soll aber auf der anderen Seite auch bis zu 150 Kilometer rein elektrisch schaffen. Dank grosszügigem Einsatz von Karbon will Polestar das Gewicht des komplexen Hybrid-Boliden möglichst tief halten; eine genaue Angabe zum Gewicht gibt es aber noch nicht.


Konkurrent für Tesla
Mitte 2019 soll der erste Polestar 1 vom Band rollen; dafür wird im chinesischen Chengdu derzeit ein eigenes Werk errichtet. Denn Polestar hat grosses vor. Rund 640 Millionen Euro haben Volvo und der chinesische Mutterkonzern Geely in die Entwicklung von Marke, Modellen und Produktion investiert. Später soll dann auch schon das zweite Modell, der Polestar 2, folgen. Er soll deutlich kompakter ausfallen und zum Beispiel gegen Teslas Model 3 antreten.
Kaufen wird man die Polestar-Modelle allerdings nicht wie gewohnt beim Händler können. Die Performance-Modelle werden ausschliesslich übers Internet für zwei- oder dreijährige Abonnements angeboten. Eine Anzahlung ist nicht nötig, stattdessen fallen fixe Monatsraten an, zu denen man sich auch andere Polestar-Modelle leihen kann. Damit wagt sich Polestar nicht nur, was den Antrieb anbelangt, auf neue Wege, sondern auch in Sachen Vertrieb. Ein Konzept, dass früher oder später wohl auch bei Volvo ankommen wird, denn die Schweden machen definitiv vorwärts.