VW

Schweizer Sackmesser

VW Golf 2.0 TDI

VW Golf 2.0 TDI

Der VW Golf 2.0 TDI ist so etwas wie das Schweizer Sackmesser unter den Autos dieser Welt. Fast schon unscheinbar, universell einsetzbar und kommt nie aus der Mode.

Eines muss gleich zu Anfang erwähnt sein: Der Golf 2.0 TDI ist sehr sparsam. Obwohl der Wolfsburger-Selbstzünder sich auf Winterreifen bewegte und die tiefen Temperaturen relativ lange und damit verbrauchsintensive Warmlaufphasen nötig machten, notieren wir zum Testende einen Durchschnittsverbrauch von 5,6 Liter pro 100 Kilometer. Das ist ein wirklich guter Wert, zumal der 150-PS-Vierzylinder den Kompakten wirklich souverän vorwärts treibt. Natürlich ist der TDI kein Sportmotor, doch zusammen mit dem gut abgestimmten Doppelkupplungsgetriebe ist der Vortrieb schon sehr souverän. In Zahlen: 0-100 km/h in 8,6 Sekunden und ein Topspeed von 212 km/h - das reicht eigentlich für jede Lebenslage. Zwar verspricht VW einen Durchschnittsverbrauch von 4,1 Litern - doch das scheint uns dann doch illusorisch. Trotz Stopp-Start-System und zahhlosen anderen Helferlein. So mahnt die Eco-Anzeige im Zentraldisplay, die Fenster ganz zu schliessen oder dass man den Motorlauf im Stand vermeiden soll. Und: den tiefen Verbrauch und die guten Fahrleistungen erkauft man sich mit einem brummigen, recht lauten Motorgeräusch.

Wir verstehen das einfach nicht: Ganze Heerscharen von Ingenieuren haben am neuen Golf gearbeitet. Jedes Detail wurde wieder und wieder  optimiert. Sicher haben sich die Macher des neuen Golf oft gestritten,  diskutiert, neu entwickelt, wieder verworfen und und und.Aber den Dieselmotor so zu kapseln, wie das kleine Hersteller aus Europa und Asien können, das haben sie nicht geschafft. Der Vierzylinder ist akustisch sehr präsent, egal ob er kalt oder warm ist. Er ist immer da, der brummige Kollege unter der Haube. Ist das Absicht? Soll dieser Brummbär im Bug suggerieren: ich bin da, ich funktioniere, mir gehts gut? Nein, der Golf TDI vibriert nicht übermässig, er ist nicht wahnsinnig laut, aber halt immer da. Da gelingt den Jungs aus Wolfsburg ein wirklich grosser Wurf, aber beim Innengeräusch müssen sie kapitulieren. Das können und wollen wir nicht glauben. Doch, es ist und bleibt die einige Schwäche des Golf 7. Denn egal ob mit Benzin- oder Dieselmotor, der neue Golf ist ein hervorragendes Auto.

VW Golf

VW Golf

Leider nur für all jene, die es sich leisten können. Denn der 2.0 TDI steht mit mindestens 40'900 Franken in der Preisliste. Unser Testwagen, wahrlich kein Luxusliner, kostet bereits 46'920 Stutz. Nicht wenig, wahrlich nicht wenig Geld. Aber: auch bei der Konzern-«Billigmarke» Seat wirds nicht wirklich viel günstiger. Gut drei Tausender wird der neue Leon weniger kosten als der Golf. Aber, die Ausstattung kann sich beim Spanier, den es mit diesem Triebwerk nur in der teuersten Version «Reference» gibt, sehen lassen. Und er ist deutlich aufregender gezeichnet als der Golf. Doch natürlich gibt es auch gute Gründe für den Wolfsburger. Denn Mode kommt und geht, der Golf aber bleibt ein Golf - auch wenn man ihn wieder verkaufen will.

Wir waren sehr zufrieden mit der Nummer 7, doch wir fragen uns, wie das weitergehen soll. Denn in unseren Augen haben die Preise des Golf die Schmerzgrenze mittlerweile erreicht. Zumal der VW-Konzern ja durchaus auch noch Marken im Portfolio hat, die noch teurer sind. Vielleicht ist es an der Zeit, dass sich der mächtige Konzern doch noch mit einer Billigmarke aufdotiert. Denn es gibt in Europa einige Länder, in denen weniger mehr ist. Dort stört es niemanden, wenn die Spaltmasse um zwei Zehntelmillimeter zu gross sind - Hauptsache, das Auto ist günstig. Dacia macht es ziemlich erfolgreich vor - das ist sicher auch VW nicht entgangen!

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