100. Geburtstag
Stargalerist Ernst Beyeler: Mit Liebe und Leidenschaft für die Kunst

Der Basler Kunsthändler, Sammler und Mäzen (1921–2010) würde heute 100 Jahre alt – sein lebenslanges Engagement galt der klassischen Moderne.

Christoph Dieffenbacher
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Ernst Beyeler im Jahr 1970 vor einem Picasso-Werk an der Art Basel, die er in diesem Jahr mitbegründete und fortan prägte.

Ernst Beyeler im Jahr 1970 vor einem Picasso-Werk an der Art Basel, die er in diesem Jahr mitbegründete und fortan prägte.

Kurt Wyss

Wer die Fondation Beyeler in Riehen besucht, ist nicht nur vom roten lang gezogenen Porphyr-Bau von Renzo Piano und der Kunstsammlung beeindruckt. Auch die Aussicht auf den Park mit alten Bäumen, auf Felder und sanfte Hügel fasziniert. Kultur und Natur gehen hier ineinander über – eine Wirkung, die ganz in der Absicht von Ernst Beyeler lag. Mit jährlich mehreren hunderttausend Besuchenden ist seine Sammlung mit den wechselnden Ausstellungen von Weltrang nicht nur das meist besuchte Kunstmuseum der Schweiz. Manche sagen, es sei auch eines der schönsten. Der Welt.

Der Stargalerist hatte 1982 seine während Jahrzehnten angelegte Privatsammlung in eine Stiftung umgewandelt, um sie fürs Publikum zu öffnen. Wenn er ein Werk nicht verkaufen konnte oder wollte, stellte er es für sich beiseite. Massgebend dabei waren für ihn und seine Frau Hildy (1922–2008) die Liebe und Leidenschaft für die Kunst. Und ein gewisser Sinn für Qualität: Sie verliessen sich ganz auf ihr Gespür und ihren Geschmack. Einst sagte Beyeler dazu:

«Ich weiss, dass ich kein Entdecker bin, kein Pionier, der Neues lanciert hat. Ich habe immer den Markt beobachtet und geschaut, wie sich ein Kunstwerk entwickelt, und dann eingeschlagen.»

Mit Geschick und Glück kam so ein hoch dotierter Bestand an Gemälden und Skulpturen zusammen – heute sind es über 400 Meisterwerke des Impressionismus, der klassischen Moderne von Cézanne, Monet und Giacometti bis Rothko und Baselitz; dazu Gegenwartskunst sowie indigene Kunst aus Afrika und Ozeanien.

Anfänge im Antiquariat an der Bäumleingasse

Ernst und Hildy Beyeler vor der Galerie Beyeler, 1997

Ernst und Hildy Beyeler vor der Galerie Beyeler, 1997

Niggi Bräuning

Beyelers Weg zum weltbekannten Kunstsammler war nicht gerade vorgezeichnet: Als Sohn eines Bahnbeamten in Basel geboren – heute vor 100 Jahren –, absolvierte er eine kaufmännische Ausbildung und besuchte Vorlesungen in Ökonomie und Kunstgeschichte. Daneben arbeitete er in einem Buchantiquariat an der Bäumleingasse, das er 1945 übernahm und zur Galerie ausbaute. Es wurde eine weltweit bekannte Adresse im Kunsthandel: Beyeler organisierte rund 300 Ausstellungen und vermittelte etwa 16000 Kunstwerke.

Die Idee, die Sammlung zugänglich zu machen, nahm für die Beyelers nur langsam Form an. Zunächst stellte das Ehepaar die zurückbehaltenen Werke im eigenen Haus in Riehen aus, in der Absicht, sie einmal dem Kunstmuseum Basel zu schenken. Dann wurde die Sammlung auf Reisen geschickt – ans Centro de Arte Reina Sofía nach Madrid und die Neue Nationalgalerie in Berlin, wo sie auf beachtliches Echo stiess. Gleich mehrere Städte interessierten sich dafür. Doch die Stifter zogen das heimatliche Riehen vor, obwohl es vor der Eröffnung 1997 noch einige lokale Widerstände zu überwinden galt.

Persönliche Beziehung zu den Künstlern war Beyeler wichtig

Für Beyeler war nicht nur sein eigenes Museum im Berower Park ein besonderer Wunsch. Er betätigte sich auch weltweit als Vermittler und regte andernorts Ausstellungen an, etwa im Museum of Modern Art in New York. 1970 gehörte er zu den Mitbegründern der Kunstmesse Art Basel. Sein Engagement für Natur und Umwelt machte er öffentlich, als er 2001 die Stiftung «Kunst für den Tropenwald» gründete. Beyeler, der in seiner Freizeit gerne ruderte und auch malte, galt als zurückhaltend-freundliche und allseits respektierte Persönlichkeit. In der Branche hatte er den Ruf eines zielstrebigen und ausdauernden, aber fairen Verhandlungspartners.

Waren befreundet: Ernst Beyeler besucht Pablo Picasso 1969 in seinem Zuhause im französischen Mougins.

Waren befreundet: Ernst Beyeler besucht Pablo Picasso 1969 in seinem Zuhause im französischen Mougins.

Zvg

Neben den vielseitigen Kontakten waren dem Kunstfreund die Atelierbesuche und die persönliche Beziehung zu den Künstlern wichtig. Zum Beispiel zu Picasso, in dessen Atelier er einmal 26 Werke zum Kauf frei auswählen durfte – nur geleitet von seinem persönlichen Geschmack.

Zum 100. Geburtstag erscheint 2022 eine Publikation zu Ernst Beyeler mit Anekdotischem und Bildmaterial aus dem Archiv. Zudem feiert die Fondation Beyeler im nächsten Jahr ihr 25-jähriges Bestehen – mit einer Reihe von Veranstaltungen.