«Sie sind misstrauisch, das ist verständlich. Aber Sie erschweren damit unseren Entscheid und schneiden sich ins eigene Fleisch», erklärte ihm eine Richterin. «Sie verlangen, dass ich Ihnen vertraue. Aber sie wollen mir nicht vertrauen», konterte er.

Das Delikt liegt weit zurück: Im Mai 2004 überfiel der Mann mit einer geladenen Pistole das damalige Asylbewerberheim an der Grosspeterstrasse und fesselte mehrere Bewohner. Im Gerangel lösten sich drei Schüsse, nur durch Zufall wurde niemand getroffen. Er war damals bereits vorbestraft, schon als 18-Jähriger hatte er Raubüberfälle begangen und dabei Messer eingesetzt. Für die Tat 2004 kassierte der Mann eine Freiheitsstrafe von acht Jahren, die er längst abgesessen hat.

Doch nachträglich nahm man ihn genauer unter die Lupe: Die zuständige Fachkommission des Konkordats stufte ihn als gemeingefährlich ein. Er selber sieht das nicht so und lehnt jede Therapie ab. Gutachter sprechen später von einer paranoiden und narzisstischen Persönlichkeitsstörung. 2011 will ihn das Basler Appellationsgericht verwahren, wird aber vom Bundesgericht zurückgepfiffen: Erst müsse man therapeutische Massnahmen ausschöpfen. Später wird eine stationäre Massnahme verhängt, das Bundesgericht weist die Beschwerde des Mannes dagegen 2013 ab. «Für mich ist das ganz klar eine Doppelbestrafung», meinte er. Deshalb zog er seinen Fall an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Strassburg, dort ist er seit vier Jahren hängig.

Lässt sich nicht auf Therapie ein

Vor diesem Entscheid werde er sich keinesfalls auf eine Therapie einlassen. Was danach möglich wäre, lässt er offen. Von seiner Diagnose hält er nichts. «Haben Sie eine Ahnung, was man Ihnen da attestiert?», fragte Gerichtspräsidentin Kathrin Giovannone. «Narzisstisch? Das ist doch jeder, der verurteilt wird. Sonst würde man ja nicht verurteilt», meinte der Mann. Er bekräftigte, weiterhin nicht mit Gutachtern zu sprechen. «Das mache ich generell nicht. Meine Erfahrung ist halt, dass alles extrem übertrieben wird.» «Was würden Sie denn entscheiden?», fragte ihn Caroline Schnoz vom Amt für Justizvollzug. «Entlassen», sagte er lachend.
Auch Verteidigerin Sandra Sutter betonte, die Massnahme sei aussichtslos und deshalb aufzuheben. Er habe sich im Vollzug jahrelang tadellos verhalten. Die fünf Richter sistierten am Freitag das Verfahren: Ein neues Gutachten soll Klarheit bringen. Sobald es vorliegt, ist wieder alles möglich: Entlassung, Therapie oder gar die Verwahrung. Bis dahin bleibt der Mann in Sicherheitshaft.