Privatschule

144 Schüler nach den Fasnachtsferien ohne Klassenzimmer – Privatschule Gallenacher in Pratteln schliesst

Die Privatschule Gallenacher musste Insolvenz anmelden.

Die Privatschule Gallenacher musste Insolvenz anmelden.

Die Prattler Schule musste gestern Insolvenz anmelden und wird Ende Februar geschlossen – 144 Kinder müssen eine neue Schule suchen.

144 Schüler können nach den kommenden Fasnachtsferien nicht in ihre gewohnten Klassenzimmer zurückkehren: Die Gesellschafter der Privatschule Gallenacher in Pratteln mit Ablegern in Liestal und Reinach mussten gestern Insolvenz anmelden und haben die Betriebsbewilligung dabei an den Kanton zurückgegeben. Das teilte die Baselbieter Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion (BKSD) gestern mit. Die Schule werde Ende Februar schliessen, heisst es in der Mitteilung.

Die Schulleitung habe die Eltern der noch angemeldeten Schüler gestern Nachmittag über die Schliessung informiert. Das Amt für Volksschulen (AVS) habe sie ausserdem darüber aufgeklärt, wie es nun weitergeht: Die Eltern müssen ihre Kinder nun an einer neuen Schule anmelden. Ob das die zuständige öffentliche Schule im betreffenden Wohnort oder eine andere Privatschule ist, sei den Eltern überlassen. «Die Eltern sind in jedem Fall dazu verpflichtet, Kontakt mit der Schulleitung der zuständigen öffentlichen Schule aufzunehmen», heisst es in der Mitteilung. Dies entweder zur Anmeldung an der Schule oder um mitzuteilen, an welcher Privatschule ihre Kinder zukünftig angemeldet werden. Die betreffenden öffentlichen Schulen seien vom AVS bereits über die Situation informiert worden.

«Der Schulleiter ist ein visionärer Pädagoge»

«Die BKSD bedauert diesen Ausgang ausserordentlich», schliesst die Direktion die Mitteilung. Man könne den betroffenen Familien aber versichern, dass sich das Volksschulamt für möglichst reibungslose Übergänge in die von den Eltern gewählten Anschlusslösungen einsetzen würde.

Auch Pascal Ryf (CVP), Präsident der Bildungskommission im Landrat, drückt sein Bedauern aus, dass die Schule schliessen muss. Er habe im Laufe seiner eigenen Karriere als Schulleiter den Gründer der Gallenacher-Schule Dennis Bitterli persönlich kennen gelernt. Bitterli habe mit dieser Schule versuchen wollen, neue Ansätze für die Bildung zu schaffen. Der Schulleiter der Gallenacher-Schule bezeichnet sich selbst als «Friedensschaffender» und ist Verfechter einer Bildung, die den sozialen und sachlichen Kompetenzen den gleichen Platz einräumt und friedliches Zusammenleben fördert. «Ich finde es super, was Bitterli aufgebaut hat», sagt Ryf. «Der stetige Ausbau seiner Schule auf drei Standorte zeigt, dass er auch Interesse wecken konnte in der Gesellschaft. Er ist ein visionärer Pädagoge.»

Verhältnismässig tiefe Schulgelder

Der Meldung über die Schliessung sind Medienberichte vorausgegangen, die von der schwierigen finanziellen Lage der Schule handelten. 600 000 Franken soll das Loch in der Kasse laut «OnlineReports» betragen haben. «20 Minuten» schreibt, dass plötzlich keine Lehrer mehr vor Ort waren und die Schüler nur noch von Aushilfskräften unterrichtet worden seien, die mit der Situation überfordert waren. Auch habe der Unterricht nur noch morgens stattgefunden. Eltern berichten gegenüber «20 Minuten», dass man nicht wisse, was mit den Schulgeldern geschehe, die man für die kommenden Monate bereits bezahlt hat. 1200 Franken sollen diese monatlich betragen haben – im Vergleich zu anderen Privatschulen in der Region Basel ist das relativ wenig. Die Preise liegen an den meisten Schulen zwischen 1700 und 2300 Franken.

Die Privatschule Gallenacher gehört der Lebensart003 GmbH an. Das Unternehmen, das sich im Internet auch «Gesellschaft für Friedenskultur» nennt, gibt es noch keine zwei Jahre. Im März 2018 wurde es gegründet, im Juli desselben Jahres folgte die Eröffnung der Gallenacher-Privatschule.
Für eine Stellungnahme waren gestern Mittwoch weder der Schulleiter noch die Geschäftsleitung der Lebensart003 GmbH erreichbar.

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