550. Basler Herbstmesse
Eine Mäss hinter Gittern: Tausende wollen Bahnen, Maagebrot und ein Stück normales Leben geniessen

Die Basler Herbstmesse ist nach einem Jahr pandemiebedingter Pause zurück - mit speziellen Regeln. Der Stimmung auf den sieben grossen Plätzen tat dies am Wochenende aber keinen Abbruch. Und Schaustellende sowie Marktfahrende zeigten sich bereits nach den ersten Stunden mit dem Geschäft zufrieden.

Rahel Empl
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Die 550. Jubiläums-Herbstmesse startete am Samstag bei prächtigen Wetter.

Die 550. Jubiläums-Herbstmesse startete am Samstag bei prächtigen Wetter.

Nicole Nars-Zimmer


«So ist es schön, so macht’s Spass», hallt es mit feierlichem Unterton aus den Lautsprechern der Retrobahn Ski-Lift auf dem Barfüsserplatz. Es ist Samstag kurz nach 12 Uhr, die Basler Herbstmesse 2021 läuft an, das mit bunten Leuchten verzierte Rad der Bahn hebt sich vor stahlblauem Himmel gemächlich in die Höhe. Herzklopfen. Und prächtiges Wetter, die Menschen strömen in Scharen heran. Alles wie gehabt – aber nur fast.

Wenige Minuten zuvor spricht Regierungspräsident Beat Jans (SP) vielen Menschen aus dem Herzen, als er nach dem Abklingen des Mässglögglis in einer Ansprache auf dem Martinskirchplatz sagt: «Ich freue mich wahnsinnig darüber, dass die Herbstmesse endlich wieder stattfindet. Sie hat mir letztes Jahr sehr gefehlt.» Denn im 2020 hatte die Pandemie dem Messetreiben einen Riegel vorgeschoben. In diesem Jahr findet sie zwar statt – jedoch hinter Gittern: Zum Schutzkonzept gehört eine Covid-Zertifikatskontrolle auf allen Messeplätzen. Entsprechend wurden sie mit Absperrgittern eingezäunt – mit Ausnahme des Petersplatzes, der für alle zugänglich ist.

Der Stimmung scheinen diese Regeln keinen Abbruch zu tun, weder bei Besucherinnen und Besuchern noch Schaustellenden und Marktfahrenden. So sagt ein junger Mässgänger der bz:

«Die Zertifikatskontrolle mit dem Pre-Check-Bändeli geht erstaunlich unkompliziert vonstatten, und die Gitter stören mich nicht. Ist man mal auf dem Gelände, nimmt man sie gar nicht mehr wahr. Das Ganze ist gut gelöst.»

Sorgen darüber, dass die Zertifikatspflicht deutlich weniger Menschen an die Herbstmesse locken könnte, scheinen sich nicht zu bewahrheiten. Vor dem Pre-Check-Center etwa auf dem Münsterplatz bildet sich eine lange Schlange, auf dem Platz ist es eine richtige «Druggede», alle wollen ein Stück Messe abbekommen, warten etwa geduldig darauf, bei der Confiserie Gasser eine Portion Zuckerwatte zu ergattern, während auf dem Kettenkarussell nebenan kein Sitz frei bleibt.

Es läuft wieder rund: Die Bahn Calypso auf dem Messeplatz gehört zu den Klassikern.
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Endlich wieder Nervenkitzel: die Bahn Phönix auf dem Messeplatz.
Unbegründete Sorgen: Trotz der strengen Auflagen läuft das Geschäft bei den Essensständen gut, so etwa beim «Seppe-Toni» auf dem Messeplatz, der für seine Käseschnitten geliebt wird.
Auf dem Münsterplatz stehen Gross und Klein derweil lange für eine Portion Zuckerwatte an.
Überhaupt: Der Andrang auf dem Münsterplatz war am Wochenende riesig, es kam teilweise zu einer richtigen «Druggede».
Verständlich, denn wer will sich nach der düsteren Zeit der Pandemie nicht ein bisschen luftige Freiheit gönnen? Etwa wie hier auf dem Kettenkarussell.
«Endlich geht wieder etwas»: Moderator und Gastronom Heinz Margot in seinem Raclette-Gärtli auf dem Petersplatz. Er ist in aufgeräumter Stimmung, wenngleich er mit tieferen Umsätzen rechnet.
Zahlreiche Menschen strömten am Samstag auf den Petersplatz, wo keine Zertifikatspflicht herrscht. Trotz Empfehlung trugen nur wenige eine Maske.
Traurig: Die kultige Resslirytti, die sonst in der Mitte des Petersplatzes zu finden ist, fehlt dieses Jahr. Sie fiel den Corona-Auflagen zum Opfer.

Es läuft wieder rund: Die Bahn Calypso auf dem Messeplatz gehört zu den Klassikern.

Nicole Nars-Zimmer

Auch beim Stand des «Seppe-Toni» auf dem Messeplatz, der für seine Käseschnitten geliebt wird, läuft es rund, wie der stellvertretende Geschäftsführer Gülkanat Mutzi sagt: «Wir hatten Angst, dass keine Leute kommen, aber der Start war gut. Wenn es so weiter geht, können wir sehr zufrieden sein.» Die Massnahmen stören ihn nicht: «Ich bin einfach froh, dass die Herbstmesse stattfinden kann.» Die Kassenfrau der Drehschaukel Phönix nebenan sagt gar, dass sie sehr dankbar dafür sei, «die Massnahmen sind okay, wir kommen nun mal nicht drum rum».

Auf dem Messeplatz werden kaum Masken getragen

Dankbarkeit – das Thema an der diesjährigen Mäss. «Die geht richtig tief bei den Leuten», sagt Heinz Margot. Der bekannte Moderator und Gastronom betreibt auf dem Petersplatz wieder sein Raclette-Stübli, das er heuer zum Freiluft-Gärtli umfunktioniert hat – «man muss in diesen seltsamen Zeiten flexibel bleiben». Ja, der Besucherandrang sei auch hier gross, «aber es sind schon weniger Leute da im Vergleich zu anderen Jahren». Er rechne mit entsprechend tieferen Umsätzen, «tragisch ist das nicht. Hauptsache, es geht wieder was,» sagt Margot, während er die vielen Menschen beobachtet, die an seinem Gärtli vorbei ziehen. Die meisten tragen – entgegen der Empfehlung – keine Maske, die Abstände können nur selten eingehalten werden. «Mir wird es hier zu eng», ruft eine Besucherin aus.

In der Mitte des Platzes derweil grosse Ratlosigkeit: Die «Resslirytti» ist nirgends zu finden, ein Vater mit Sohn auf den Schultern blickt sich suchend um. Die Kultbahn fiel den Auflagen zum Opfer – dass auf dem Petersplatz zertifikatsfreie Zone ist, liess sich nur ohne Schausteller bewerkstelligen. Nicht nur hier ist es eine «Herbstmesse light»: Während in früheren Jahren 500 Geschäfts teilnahmen, liegt deren Gesamtzahl dieses Jahr bei 400. Die Reduktion sei mit den veränderten Platzverhältnissen mit Zugangskontrollen sowie einer grosszügigeren Platzstellung begründet, erklärt Sabine Horvath vom Standortmarketing Basel-Stadt. Gerade auf dem Messeplatz macht sich das unter den Arkaden vor dem Muba-Parkhaus bemerkbar, wo sich nur halb so viele Essensstände wie gewöhnlich finden. Eine Frau, die gerade einen Hot-Dog vertilgt, meint wehmütig, dass sie sich hier ziemlich verloren vorkomme. «Schade. Wären alle geimpft, hätten die Organisatoren auf diese Platzplanung verzichten können.»

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