Aida
«Aida» stört die Besinnlichkeit der Helvetia

Seit Tagen wird am Rheinufer viel Technik aufgebaut, damit die Oper «Aida» am Freitag live ins Fernsehen kommt.

Natascha Chtanova
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«Aida» stört die Besinnlichkeit der Helvetia

«Aida» stört die Besinnlichkeit der Helvetia

Wer über die Mittlere Brücke spaziert, erblickt über dem Rhein ein eigenartiges schwarzes Objekt, das an vier Seilen hängt. Es ist die «Spidercam», die das Schweizer Fernsehen an drei Kranen für die «Aida»-Fernsehübertragung vom kommenden Freitag befestigt hatte. Was für ein grosser Aufwand mit der Aufführung am Rheinbord verbunden ist, lässt sich derzeit beim Aufbau vor Ort beobachten.

Für die «Spidercam» sei sogar ein Helikopter im Einsatz gewesen, um Material auf das Dach des Hotels Drei Könige zu transportieren, erklärte der technische Leiter Rolf Allenbach. Während rund zweier Stunden war gestern die Rheinschifffahrt gesperrt, damit die Kamera in Ruhe aufgehängt werden konnte.

Innenaufnahmen im Hotel

Das Hotel Drei Könige, in dem die Innenszenen spielen werden, ist während der Aufbauzeit von einer guten Woche fest in der Hand des Fernsehens, das 70 Techniker mitgebracht hat. Für Aussenstehende sind das ganze Equipment und die Komplexität der Übertragung schwer zu überblicken. Insgesamt sind laut Allenbach rund 300 Menschen an der Produktion beteiligt. Gefühlte mehrere Kilometer an Kabel haben die Fernsehleute so diskret wie möglich in den Hotelgängen verlegt. Auch draussen haben sie einiges aufgebaut, zum Beispiel die «Spidercam»-Schaltzentrale und Scheinwerfer.

Die ganze Produktion ist wegen ihrer Grösse von diversen Übertragungen und Verbindungen gekennzeichnet, wie Allenbach ausführte: Hilfsdirigenten sehen etwa auf kleinen mobilen Bildschirmen stets den Dirigenten und geben seine Anweisungen weiter, Sängerinnen und Sänger hören in Echtzeit über Kopfhörer die Musik, Mitarbeitende hinter den Kulissen hören über Funk die Regieanweisungen, und so weiter.

Radioübertragung inklusive

Eine Besonderheit sei, dass die Statisten über kleine Radios im Ohr die Oper während der Aufführung hören würden. Diese Radioübertragung sei auch für Aussenstehende am Freitagabend auf der Frequenz 88,2 zu hören. Das Orchester selbst wird im Ballsaal des Hotels spielen und von dort aus übertragen. Eine grosse technische Herausforderung sei, dass die internen Bild- und Tonübertragungen für die Mitwirkenden nicht zeitlich verzögert seien, so Allenbach. Sonst würden zum Beispiel die Sängerinnen und Sänger ihre Einsätze verpassen.

Insgesamt 16 Kameras werden die Opernaufführung filmen. Im Übertragungswagen des Fernsehens vor dem Hoteleingang laufen laut Allenbach alle Fäden zusammen. Tonregisseure, Bildtechniker und die Regisseurin mit der Bildmischerin werden dort am Freitagabend das Beste aus Bild und Ton herausholen. Das Ergebnis dieser Arbeit sehen dann die Fernsehzuschauerinnen und -zuschauer auf ihren Bildschirmen zu Hause.

Beim Rundgang am Dienstagmorgen wirkten die Beteiligten ruhig und entspannt. «Wir sind total im Zeitplan, und ich hoffe, dass es so bleibt», verriet der Technische Leiter. Seit Frühling sei das Fernsehen dabei, die Oper zu planen. Tonmeister Willi Zürrer sagte lächelnd: «Ich darf gar nicht daran denken, was alles schiefgehen kann. Etwas Lampenfieber ist ganz gesund.» Das Fernsehen sucht übrigens noch Statisten für die Übertragung. Interessierte melden sich unter statisten.aida@sf.tv.