Tourismus
25 Prozent weniger Plätze: Airbnb verliert in Basel mächtig an Boden

Während der Vermittler von Kurzzeitvermietungen in der gesamten Schweiz gut unterwegs ist, sieht es in den Städten düster aus, vor allem in Basel. Die Zahl der angebotenen Wohnungen sinkt drastisch. Das hat in erster Linie mit ausbleibenden Messen zu tun, sagt der Basler Tourismusdirektor Daniel Egloff.

Rahel Empl
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Basel immer weniger auf dem Radar: Das Angebot von Airbnb verdünnisiert sich.

Basel immer weniger auf dem Radar: Das Angebot von Airbnb verdünnisiert sich.


Benjamin Manser

Es waren wahrlich goldene Zeiten. Als das Messegeschäft in Basel florierte – allen voran mit den Zugpferden Baselworld und Art Basel – verdienten sich nicht wenige Einwohnerinnen und Einwohner Basels oder die Vermieter bereits möblierter Wohnungen einen ordentlichen Zustupf, indem sie ihren Wohnraum an Messeteilnehmer vermieteten. In den Nuller- und zu Beginn der 10er-Jahre wurden dafür bis zu 1000 Franken bezahlt – pro Nacht. Denn die Nachfrage nach einer Unterkunft in den Wochen der Messen überstieg das Angebot an Hotelzimmern in der Stadt bei Weitem.

In den vergangenen zehn Jahren wurden diese Zimmer zunehmend via die Plattform Airbnb angeboten. Basel gehörte zu den erfolgreichsten Standorten des US-Konzerns in der Schweiz, die Zahl entsprechender Angebote – nicht nur während der grossen Messen – stieg kontinuierlich an.

Düsteres Bild in den Städten

Doch jetzt scheint die Party vorbei zu sein. Das Lausanner Start-up itafel.com, das Daten im Immobilienbereich – unter anderem touristische Untermieten – zusammenträgt, veröffentlichte gestern seine jährlichen Zahlen zum Airbnb-Markt Schweiz. Der Stichtag ist jeweils zum Ende des ersten Halbjahres angesetzt. Diese Zahlen sehen gut aus, wenn die Schweiz im Gesamten betrachtet wird: In der grossen Mehrheit der Kantone stieg die Anzahl der Angebote auf der Plattform im Vergleich zur Situation am Stichtag des vergangenen Jahres an, im Durchschnitt um 6,6 Prozent.

In den Städten zeichnet sich allerdings ein düsteres Bild ab: Hier haben die Angebote abgenommen – und am deutlichsten in Basel. Die Anzahl Wohnungen sank hier laut «itafel.com» gegenüber dem Vorjahr um 14 Prozent. Noch deutlicher ist der Rückgang im Vergleich zur erhobenen Anzahl Angebote im Juni 2019, nämlich satte 25 Prozent. Damit schwingt Basel-Stadt obenaus, denn in Zürich erfolgte im selben Zeitraum ein Rückgang um 11 Prozent, in Genf um 15 Prozent. Numerisch ausgedrückt: Während für Basel-Stadt im Juni 2019 noch 1365 Angebote unter Airbnb zu finden waren, sind es jetzt noch knapp 1000.

Keine Knappheit mehr an Hotelbetten

Für Daniel Egloff liegen die Gründe für diesen Rückgang auf der Hand: Basel habe seit jeher ein auf die grossen Messen hin spezialisiertes Airbnb-Angebot, sagt der Direktor von Basel Tourismus auf Anfrage:

«Das Gros der Zimmer wird respektive wurde hauptsächlich für die zwei Weltmessen Baselworld und Art Basel bereit gestellt. Und da beide Messen im 2020 nicht durchgeführt wurden, hat sich das Angebot stark reduziert.»

Ein weiterer Grund dürfte sein, dass der Geschäftstourismus im Zuge der Pandemie in Basel total weggebrochen ist.

Daniel Egloff, Direktor von Basel Tourismus.

Daniel Egloff, Direktor von Basel Tourismus.

Roland Schmid

Auch im Kanton Baselland ging der Airbnb-Bestand zurück, wenn auch auf niedrigerem Niveau: Waren 2019 noch 349 Unterkunftsmöglichkeiten auf dem Markt, sind es jetzt noch 280 – ein Rückgang von fast 20 Prozent. Das ist ein Indiz dafür, dass während der Messen viele Besucher angesichts der Knappheit an Unterkünften in der Stadt aufs Land auswichen.

Je nach Entwicklung der Messen geht Egloff von einem weiteren Rückgang des Airbnb-Angebotes aus. «Auch, da parallel das Angebot an Hotelbetten in diesem Jahr 2021 weiter ausgebaut wurde und wird.» Als Beispiele hierfür nennt er etwa das Hotel Mövenpick beim Baloise Park und das Hotel Märthof am Marktplatz, das demnächst eröffnet. «Von einer Knappheit während den Messen kann also nicht mehr gesprochen werden,» so Egloff.

Einen eher unbedeutenden Einfluss auf den Rückgang des Angebots dürfte derweil das Wohnraumfördergesetz haben: Dass Wohnungen nicht zum Wohnen, sondern als Parahotellerie genutzt werden, ist gemäss diesem Gesetz in Basel-Stadt seit 2014 kaum mehr möglich.